Stadtkind-Guide: Plastikfrei durch Stuttgart

Bye bye Strohhalme und Co. – die EU einigt sich auf ein Verbot von Einweg-Plastik. Und alle so: Yeah. Wir haben einen Guide für euch zusammengestellt, wie ihr plastikfrei durch den Alltag kommt.

Stuttgart – Gibt es denn wirklich keine Möglichkeit, den Alltag ohne Plastik zu überstehen? Ist es zwingend notwendig nahezu jedes Lebensmittel in den umweltschädlichen Kunststoff zu hüllen? Hat man als Verbraucher keine andere Wahl? Wir geben Tipps, wie ihr euren Müllverbrauch im Alltag reduzieren könnt.

Die Zero-Waste-Philosophie: Ein Leben ohne Müll

Dinge selber machen, Dinge wiederverwerten, Dinge kaufen, die Bestand haben. Bei der Zero-Waste-Bewegung handelt es sich um eine Lebensphilosophie, deren Anhänger versuchen, möglichst wenig, beziehungsweise keinen Müll zu produzieren. Insbesondere Plastikmüll. Denn von den 78 Millionen Tonnen Verpackungsmüll aus Plastik, die weltweit jedes Jahr entstehen, gelangen 32 Prozent unkontrolliert in die Umwelt. Ein Teil davon landet wiederum in Form von Mikroplastik im Magen der Fische und letztendlich auf unseren Tellern. Der kritische Verbraucher weiß längst: Eine Lösung für dieses Problem muss her.

Plastikverbrauch – wo fängt man an, wo hört es auf?

Weniger Abfall, das heißt mehr Umweltschutz und auch mehr Lebensqualität. In welchen Lebensbereichen und in welchem Ausmaß man auf Plastik verzichtet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Unser Ratgeber zeigt Wege und Lösungen, um plastikfrei(er) durch den Alltag zu kommen.

Tipp 1: Einkaufen ohne Plastik

Dass Plastiktüten ein Umweltproblem sind, dürfte kein Geheimnis mehr sein. Daher lautet die wohl einfachste Methode, um schon beim Einkauf auf Plastik zu verzichten: Stofftasche statt Plastiktüte.

Bei einem Streifzug durch die Regale konventioneller Supermärkte fällt jedoch schnell auf: Selbst mitgebrachte Stofftaschen sind kein Garant für einen Einkauf ohne Müll. Gerade frische Lebensmittel werden absurderweise oft in Plastik eingeschweißt. Wer dies umgehen möchte, sollte auf Bio-Märke, wenn nicht sogar Läden umsteigen, die nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch sonstige Produkte unverpackt anbieten.

Das Konzept ist einfach: Statt der üblichen Plastiktasche, bringt der Konsument sich einfach die Behälter, die er für seinen Einkauf benötigt, selbst mit. Füllt sich alles, was er braucht, ab und verlässt den Laden wieder – und das alles ohne Müll. In Stuttgart kann man dies beispielsweise im Schüttgut (Vogelsangstraße 51) tun.

Tipp 2: Aufbewahrung ohne Plastik

Nicht nur beim Einkaufen, auch im Alltag wird Plastik noch häufig als Transportmittel genutzt. Ohne Sinn und Verstand wickeln wir unsere Pausenbrote in Frischhaltefolie, Plastiktüten und Plastikdosen oder werfen mit Alufolie um uns, als gäbe es kein Morgen. Unser Tipp: Nutzt stattdessen lieber Schraubgläser oder Brotdosen aus Edelstahl und Holz. Diese eignen sich ebenso gut, um Lebensmittel zu lagern und frisch zu halten.

Auch der Coffe-to-go wird aus dem „praktischen“ Einweg-Becher geschlürft (kurze Randnotiz: Rund 320.000 Einweg-Becher verbrauchen wir Deutschen pro Stunde). Wer beim Mittagessen nicht alles aufisst, der lässt sich seine Reste in einen der noch „praktischeren“ Plastik-Behälter zum Mitnehmen packen. Dabei gibt es auch hier Alternativen: Die Mehrweg Initiative Stuttgart bietet mit reCIRCLE Stuttgart ein Mehrwegsystem für Restaurants, die Takeaway-Food anbieten. Über ein Pfandsystem könnt ihr euch in über zehn Gastrobetrieben in Stuttgart eine sogenannte reBox ausleihen und euer Essen unterwegs aus der schadstofffreien auberginefarbenen Box genießen. Alle Infos zu den teilnehmenden Restaurants findet ihr hier.

Zu guter Letzt noch ein einfacher Trick, um Plastik zu vermeiden: Statt Wasser aus PET-Flaschen, einfach Leitungswasser trinken und auf eine wieder befüllbare Trinkflasche umsteigen. Schont nicht nur die Umwelt, sondern auch die Gesundheit, denn Plastikflaschen enthalten oft gesundheitsgefährdende Stoffe. Seit einiger Zeit ist die Initiative Refill auch in Stuttgart aktiv. Läden, Cafés und andere Einrichtungen melden sich an, bekommen eine Markierung auf einer digitalen Karte sowie einen Refill-Aufkleber für ihr Geschäft. Jeder, der eine Flasche dabei hat, bekommt dort kostenlos Leitungswasser.

Tipp 3: Körperpflege ohne Plastik

Auch im Bereich der Körperpflege nutzen wir Produkte, die in Plastikflaschen verpackt sind und produzieren dabei Unmengen an Verpackungsmüll. Hinzu kommt, dass Mikroplastik auch in Kosmetikprodukten keine Seltenheit ist. Obendrein sind die Inhaltsstoffe vieler Shampoos, Duschgels oder Seifen zweifelhaft für unsere Gesundheit. Unser Tipp führt euch „back to the roots“: Verwendet Naturseifen. Diese sind nicht nur unverpackt und somit umweltfreundlich, sondern auch noch besser zu euren Haaren beziehungsweise eurer Haut. Oder ihr schaut euch mal das Stuttgarter Start-up Duschbrocken an. Ein festes Shampoo, das die Umwelt schont, trotzdem schäumt und gut riecht? Zwei junge Gründer haben es auf einer Weltreise erfunden. Auch Deo ohne Aluminiumsalze kann man mithilfe einer Anleitung ganz einfach selber machen, wie Bauchfrau Kim Hoss in unserem DIY-Special.

Was übrigens auch Berge an Plastikmüll produziert, sind Tampons und Binden. Dabei gibt es Alternativen: beispielsweise die Menstruationstasse. Diese besteht aus Silikon und kann über mehrere Jahre hinweg verwendet werden. Außerdem gibt es waschbare Binden und Slipeinlagen aus Baumwolle. Wer hier Berührungsängste hat, kann aber auch auf Bio-Tampons etwa von dem Stuttgarter Start-up The Female Company umsteigen. Diese sind weniger schädlich für Umwelt und Gesundheit.

Tipp 4: Reinigungsmittel ohne Plastik 

Auch im Haushalt verwenden wir oftmals unnötig viele Putzmittel. Dabei sind aggressive chemische Reiniger nicht nur gesundheitsschädlich, sondern in Plastikflaschen abgefüllt. Mit einfachen Hausmitteln wie Essig, Zitronensäure, Soda und Natron könnt ihr jedoch nahezu alle industriell gefertigten Reinigungsmittel ersetzen.

Stuttgart fastet Plastik

Und auch das Café Tatti in der Stuttgarter Innenstadt verzichtet ab sofort auf Plastik und bietet nun Zitronengras-Trinkhalme an.

Titelbild: Tante Olga.