Picknicken auf der B14

Richtig gelesen: gemütlich sitzen mitten auf der vierspurigen Straße. Das ist am Sonntag möglich – zwischen 14 und 16 Uhr am Charlottenplatz.

Stuttgart – Für diese zwei Stunden sind die vier Spuren der Konrad-Adenauer-Straße für den Autoverkehr gesperrt. Und zwar auf dem ganzen Stück zwischen Gebhard-Müller- und Charlottenplatz. Auf der Freizeitfläche kann man dann picknicken, lesen, sich die Infostände anschauen, Federball spielen oder sich mit seinen fahrbaren Untersätzen ausprobieren – halt nur ohne Motor.

Bereits zum dritten Mal wird für das Picknick der Straßenabschnitt an einem Sonntag-Nachmittag gesperrt. Dahinter stehen natürlich Macher und ihre Ideen. Für die autofreie B14 haben sich einige Initiativen zusammengeschlossen, unter anderem Radentscheid, Fuss e.V. und die Initiative Freifahren Stuttgart.

So fühlt sich eine andere Verkehrspolitik an!

Letztere sind seit über einem Jahr aktiv und haben ihren Fokus eigentlich – wie der Name schon verrät – auf kostenlosen öffentlichen Nahverkehr gelegt. Und genau deswegen sind sie am Sonntag mit von der Partie. Andrea Schmidt von Freifahren sagt dazu: „Für einen kurzen Moment wird erlebbar wie sich eine andere Verkehrspolitik sich anfühlen kann. Eine Verkehrspolitik, die auch die Interessen der FahradfahrerInnen, FußgängerInnen berücksichtigt. Es wird erlebbar, wie es ist, wenn wir uns den öffentlichen Raum zurückholen, der sonst durch Verkehr besetzt ist.“

Kausalkette im Stadtverkehr

Mit zwei Gedankensprüngen ist man auch bei der Sinnhaftigkeit ihrer Teilnahme. Denn kostenloser Nahverkehr hätte mehr Fahrgäste zur Folge, das wiederum weniger Autos und zack, sind wir überspitzt dargestellt bei einer leeren Straßen, die anderweitig genutzt werden kann.

Dass kostenloser ÖPNV (öffentlicher Personennahverkehr) kein Wunschdenken ist, zeigen schon länger andere Städte in Europa und Deutschland. Alleine in Frankreich gibt es über zwanzig Städte mit kostenlosen Fortbewegungsmitteln. Eine weitere Vorreiterrolle trägt Tallinn, schon seit 2013 fährt man hier Geldbeutel schonend von A nach B. Inzwischen so erfolgreich, dass das Projekt auch über die Stadtgrenzen hinaus landesweit umgesetzt werden soll. Natürlich lässt sich das estnische Prinzip nicht eins zu eins auf Stuttgart übertragen. Aber es zeigt, dass es möglich ist.

„Politik ist zu kostbar, um sie den PolitikerInnen zu überlassen.“

Mit der Kampagne will die Initiative auch dazu einladen, sich aktiv mit Politik zu befassen. Denn „Politik macht Spaß“, und sei deshalb zu kostbar, um sie nur PolitikerInnen zu überlassen.

Ein erster Schritt in Richtung politisches Engagement und Auseinandersetzung mit dem Stadtgeschehen kann nun also am Sonntag gemacht werden. Andrea Schmidt und Konsorten werden natürlich ebenfalls vor Ort sein und hoffen auf einen regen Austausch mit interessierten Stuttgartern.

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