Phil Anderson: „Skaten ist dicker als Wasser“

In der Skater-Community fällt eines besonders auf: Die pausenlose gegenseitige Unterstützung. Einer von Stuttgarts bekanntesten Skatern Phil Anderson erzählt von seiner Skater-Familie im Kessel.

Stuttgart – „Dir fehlt eine Schraube am Brett? Man organisiert dir eine neue. Dein Brett ist gebrochen? Man organisiert dir ein neues.“ Der ununterbrochene Support hält die Szene wie eine Familie zusammen. „Skaten ist dicker als Wasser“, resümiert Phil Anderson lachend. Sogar der Pastor der St. Maria Kirche am Paulinenplatz ist ein Fan der Stuttgarter Skater und hat ihnen den Kirchenvorplatz als Fläche zum Skaten genehmigt. Als Phil Anderson Ende der 90er begann, galt das Skaten in der Stadt noch als verpönt. Es hat sich viel verändert.

Phil Anderson will etwas zurückgeben

Skaten hat im Kessel mittlerweile Tradition. Nächstes Jahr feiert Phil 20 Jahre auf dem Board. Sein Talent wurde früh von Torsten Frank entdeckt. Thorsten war schon damals eine Skate-Legende in Stuttgart und ist heutzutage einer der erfolgreichsten Skateboard-Filmer „auf diesem Planeten“, ergänzt Phil über seinen Freund. Frank nahm den 13-jährigen Phil damals unter seine Fittiche, ließ ihn bei sich in die Skate-WG einziehen, förderte dessen Talent und verhalf ihm somit auch zum ersten Profi-Vertrag mit jungen 19 Jahren.

Heute ist Phil in der Position des Mentors und Förderers. Denn 2016 wurde dem 31-Jährigen die Position des Hausleiters der neugebauten Skatehalle „Stuttpark“ am Bad Cannstatter Bahnhof angeboten. Lange habe er überlegt, sich dann aber gesagt: „Warum nicht auch mal etwas zurückgeben?“. In seiner Position ist er nämlich auch gleichzeitig Talentscout für die Profi-Teams und Sponsoren. „Deshalb leite ich die Kids, die besonders auffallen, auch gerne mal weiter.“ Natürlich ist er auch Trainer und Mentor und sich nicht zu schade, den Kids einen ganzen Nachmittag lang Tipps auf dem Board zu geben.

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„Wir sind eine tolle Community“

„Skaten ist big“, bekennt Phil mit seinem verschmitzten Grinsen, das immer auch ein bisschen Selbstironie zeigt. „Wir sind einfach eine tolle Community, die immer mehr beweist, dass es uns nicht darum geht den öffentlichen Raum kaputt zu machen. Wir sind eine Kultur, die ihre Daseinsberechtigung schon lange hat.“

Das beweist auch die derzeitige Skate-Ausstellung im Stadtpalais. „Das ist ein super Sprachrohr nach Außen und kommuniziert unsere Werte“, ist er sich sicher.


Phil stand den Kuratoren der Ausstellung in der Konzeption und Planung als Vermittler in die Skate-Szene zur Verfügung. Er klapperte seine Kontakte im In- und Ausland ab, damit auch keiner der Wirkenden der vergangenen drei Jahrzehnte Skateboardgeschichte in Stuttgart vergessen wird. „Einige leben nicht mehr hier, haben uns aber auch ihre Stories und Videos aus den Zeiten geschickt, als es noch 56k-Modems gab.“

„Hinfallen und wieder aufstehen“

Bisher ist Skaten immer noch eine Subkultur. Wirklich wenige können damit richtig Geld verdienen. Aber darum geht es Phil auch nicht. „Skaten ist eine Lebenseinstellung. Wir haben alle die selbe Leidenschaft: Hinfallen und wieder aufstehen“, scherzt er. Schon wieder eine halbernste Aussage, deren Substanz jedoch die tiefe Liebe für den Sport ausdrückt.

Und diese Liebe lässt sich auch für Außenstehende beobachten. Sobald einem der vielen Skater auf dem Paulinenplatz ein Trick gelingt, strömen die anderen aus allen Richtungen begeistert auf ihn zu. Die Erfolgserlebnisse einzelner werden also immer zum Erfolgserlebnis aller. Klingt fast zu romantisch, ist aber tatsächlich so.

Stuttpark & Mutterstadt: Am Freitag, 24. August, 22.30 Uhr und Samstag, 25. August, 22.30 Uhr, wird im Delphi, Tübinger Straße 6, der Film „Stuttpark  – Die Geschichte vom Skateboarding im Kessel“ gezeigt. Außerdem der Film „Willkommen in der Mutterstadt“ aus der Multimedia-Reportage der Stuttgarter Zeitung.

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