One Place – Many Views: Foto-
Ausstellung am Marienplatz

Ein Ort, 50 Fotografen, viele Blickwinkel: Anton Aldinger und Leo Herrmann haben mit ihrem Büro für Angelegenheiten eine nachbarschaftliche Fotoausstellung auf die Beine gestellt. Die Vernissage am Mittwochnachmittag wird ab 16 Uhr mit Drinks und Musik zelebriert.

Stuttgart – Unterschiedlichste Personen aus dem Stuttgarter Süden haben eine Woche lang ihren Alltag dokumentiert – analog, mit Einwegkameras. Die Fotografen seien keine Profis gewesen, würden nun aber ihren persönlichen Blick auf das Leben in Stuttgart mit der Nachbarschaft teilen können. „Bei der Ausstellung geht es darum, Leute zusammenzubringen, die zwar im gleichen Stadtteil leben, aber sonst kaum Berührungspunkte haben“, erklären Anton und Leo, die das Projekt initiiert und produziert haben. Hunderte Aufnahmen seien zusammengekommen. Eine Auswahl wird bis zum 22. Mai auf großformatigen Plakaten am Bolzplatz auf dem Marienplatz zu sehen sein. Hier geht’s zum Event >>>

50 Einwegkameras, zig Passanten, eine Aufgabe

An einem sonnigen Samstag saßen Anton und Leo am Marienplatz, beobachteten das bunte Treiben, waren fasziniert von den vielen verschiedenen Menschen. Als DJ habe Anton mal auf einer Veranstaltung gespielt, wo Einwegkameras verteilt wurden und so kam ihm die Idee: „Das könnte man doch auch mal für den öffentlichen Raum machen.“ Und weil die beiden schon öfter mal gemeinsam Projekte auf die Beine gestellt hatten, „hat das irgendwie gut reingepasst“, ergänzt Leo. Davor hatten die Architekturstudenten, Anton hat gerade seinen Master abgeschlossen, bereits eine Klang-Installation im Milaneo kreiert. „Damals ging es auch darum, die Leute ein bisschen aus ihrem Trott zu holen und sie zu irritieren“, erinnern sich die Kreativköpfe.

Eine Woche – euer Alltag

Nun sollten also die unterschiedlichen Welten, die am Marienplatz zusammenkommen, dokumentiert werden. So einfach das Konzept mit den 50 Einwegkameras auch sei, desto komplexer könnte die Auswertung aussehen. „Das coole an Einwegkameras ist ja, dass sie wirklich jeder bedienen kann.“ Leo und Anton hatten rund 50 davon an Passanten verteilt. Die Vorgabe für die Fotografen lautete dabei: „Eine Woche in eurem Alltag!“ Ansonsten habe jeder frei entscheiden können, wen oder was er fotografiert. „Und es konnte auch jeder selbst bestimmen, wie intim oder persönlich die Fotos werden.“ Einige hätten nur den öffentlichen Raum fotografiert, andere wiederum seien sehr offen gewesen. „Und was alle verbindet, ist der Marienplatz.“ Beim Ansprechen der Passanten habe man für sich auch einiges in Sachen Menschenkenntnis mitgenommen. „Die Idee dabei war immer, so viele unterschiedliche Leute wie möglich dazu zu motivieren.“

Der WG-Kühlschrank vom Marienplatz

Es sei schon sehr mühsam gewesen. „Aber es hat sich gelohnt, die Bilder, die dabei herausgekommen sind, sind doch recht vielfältig.“ Rund 70 Aufnahmen haben Anton und Leo anschließend ausgewählt, die rund um den Bolzplatz angebracht werden: „Die Ausstellung soll an einen WG-Kühlschrank erinnern, an dem ganz viel unterschiedliche Fotos hängen – oft von Menschen, die man gar nicht kennt. Und sie soll möglichst sichtbar sein und auch Leute ansprechen, die nur zufällig vorbeikommen.“

So soll „One Place – Many Views“ am Ende aussehen.

Gefördert wird das Projekt übrigens von den Change Labs der Universität Stuttgart. Mit diesem Programm fördert die Hochschule nachhaltige studentische Initiativen und gesellschaftliches Engagement. In ihrem Förderungsantrag, so Anton und Leo, hätten sie Hannah Arendt zitiert. „Sie erläutert, wie wichtig die Vielfalt der Perspektiven für eine Demokratie ist. Eine gemeinsame Welt verschwindet, wenn sie nur unter einem Aspekt wahrgenommen wird. Algorithmen, die in sozialen Netzwerken alle Informationen für uns vorsortieren, sind in dieser Hinsicht wirklich problematisch. Die Bilder, die am Bolzplatz zu sehen sein werden, sind jedenfalls bunter und vielfältiger als in jedem Instagram-Feed“, versprechen die beiden.

Büro für Angelegenheiten

„Angelegenheiten kann alles sein und nichts“, sagen Leo und Anton. Deshalb heißt ihr Büro so und das sei etwas, das die beiden verbinde. „Das trockene, architektonische Entwerfen ist nicht so unser Ding. Wir haben immer versucht, den Rahmen dessen, was möglich ist, zu dehnen.“ Und das wollen die beiden auch so fortsetzen. „Wir machen beide gern grafische Sachen oder musikalische. Anton macht Musik, ich schreibe gern, wir ergänzen uns super“, sagt Leo. Stadtgestaltung, aber auch Stadtgesellschaft, ähnlich der Initiative Stadtlücken, sind ebenso ihre Themen.

Büro für Angelegenheiten: angelegenheiten.org

Kontakt: 0176/63412052 | leo@angelegenheiten.org

One Place - Many Views

Vernissage

9. Mai 2018

Bolzplatz am Marienplatz

Beginn 16 Uhr

Musik von Flora Madou Toutou & Louis Quatorze [Delinquent Network]

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