Nyuzi: Mit Upcycling-Taschen Welten verbinden

Sarah Müller verbindet mit ihrem Taschenlabel Nyuzi soziales Engagement mit Upcycling. Die Beutel, Rucksäcke und Taschen werden aus alten Viehfutter- und Zementsäcken in Kenia hergestellt und sichern damit den dortigen Schneiderinnen und Schneidern ihren Lebensunterhalt.

Stuttgart – Das Auto steht im Hof und ist bis unter die Decke vollgepackt. Für Sarah Müller bedeutet die Vorweihnachtszeit Hauptsaison. Es geht auf Weihnachtsmärkte und -Messen – in die Wagenhallen, auf den Marienplatz, aber auch nach Nürtingen, Reutlingen und Karlsruhe.

Nyuzi: Fäden verbinden Welten

2017 hat Sarah Müller ein Modelabel gegründet, für das sie an zwei Orten arbeitet, die tausende Kilometer voneinander entfernt liegen: In Musberg und Lusigetti in Kenia. Angefangen hat alles nur ein Jahr zuvor. Müller, Schneiderin und Modetechnikerin, war von September 2016 bis Mitte März 2017 als Volunteer in Kenia und hat am Karai Childrens Vocational Centre gearbeitet. Das Projekt besteht aus einem Kinderheim für Straßen- und Waisenkinder und verfügt über eine angegliederte Grundschule sowie Berufsschule. Die Berufsschule bietet eine handwerkliche Ausbildung als Schreiner, Elektriker, Friseur und Schneider. Das Projekt wird unterstützt von der Keniahilfe Schwäbische Alb.

Nach den sechs Monaten war für Müller klar: Sie möchte die Schule und deren Absolventen auch weiterhin unterstützen. Den Ausschlag dazu hat Carolin Nyambura gegeben. Die junge Frau hatte ihre Lehre als Schneiderin abgeschlossen – im Anschluss aber keine Arbeit gefunden. Gemeinsam mit den Näherinnen vor Ort hat Müller also die Idee entworfen, ein Modelabel zu gründen, das den Frauen – und Männern – die Möglichkeit bietet auch nach der Ausbildung selbstständig für ihren Lebensunterhalt zu sorgen.

Das Label heißt Nyuzi Blackwhite. Nyuzi bedeutet auf Suaheli Fäden und steht für die Verbindung beider Welten. Mit Nyuzi möchte Müller aber noch mehr verbinden: einen sozialen Ansatz und Upcycling. „In Kenia wird viel Müll verbrannt“, sagt sie. Weshalb also nicht den Müll nutzen und neue Dinge daraus erschaffen? Aus Zement- und Viehfuttersäcken entstehen jetzt Beutel, Taschen und Rucksäcke, die allesamt von Anfang bis Ende von einer Näherin hergestellt werden. Die Designs kommen von Müller. „Am Anfang haben die Frauen natürlich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen“, erinnert sie sich und lacht. Taschen aus Müll? Nach einigen Workshops war aber klar: Das machen wir jetzt.

Im 30 Kilometer von Nairobi entfernten Lusigetti konnte Müller so bis heute sechs Arbeitsplätze schaffen. Fünf Schneiderinnen und ein Schneider fertigen nun die Produkte in handarbeit – wer dafür verantwortlich ist, ist in die Innenseite eingenäht. „Die Kunden bekommen so einen persönlichen Bezug zu den Stücken“, sagt die 27-Jährige. Das Material ist extrem leicht, strapazierfähig und wasserfest. Ein Glück, dass die kenianischen Zement- und Futtersäcke auch noch ziemlich hübsch sind.

Den ersten Auftritt mit den Nyuzi-Produkten hatte Müller auf dem Flohmarkt am Karlsplatz. Ein ziemlich ernüchterndes Erlebnis, bei dem sie mit dem Erlös gerade einmal die Standgebühren erwirtschaften konnte. Danach ging es zum Ostermarkt in der Eselsmühle in Leinfelden-Echterdingen – ein Erfolg, der sie ermutigt hat, weiter an ihrer Idee festzuhalten. Inzwischen verkauft sie nicht nur auf Märkten sondern auch online über die Nyuzi-Seite.

Im Januar geht es für Müller und ihre erste Praktikantin wieder nach Kenia. Zwei mal drei Monate ist sie im Jahr dort, inzwischen macht sie das Label Vollzeit. Das Ziel für 2020 ist es, ganz ohne zugekaufte Materialien auszukommen: Zero Waste. Auch schon jetzt bekommt das Label Produktionsabfälle von Firmen in Kenia – Stoffe, Reißverschlüsse, Gurte. Für weitere Spenden ist die 27-Jährige aber immer dankbar.

Bis Januar läuft außerdem eine Crowdfunding-Aktion auf Startnext. Alle Infos zu den Terminen und Taschen gibt’s hier >>>

Bleibt up to date mit unserem Newsletter:

Mehr aus dem Web