Nostalgische Looks mit Eva Janson

„Mode ist für mich ein Ventil, um meine Gefühle in die Welt zu übertragen.“ Wir haben einen Tag mit der Stuttgarter Fotografin und Künstlerin Eva Janson verbracht und tiefgründige Gespräche über Mode und Ästhetik geführt.

Stuttgart – Der Liebe wegen zog die gebürtige Heidelbergerin Eva Janson vor drei Jahren nach Stuttgart und hat ihre Entscheidung bis jetzt nicht bereut. Heute macht die 27-Jährige mit stilvollen Fashion-Fotografien und ihrem Gespür für Mode im Kessel von sich reden. Wir haben einen Tag mit Eva verbracht und uns von ihrer stilsicheren Art verzaubern lassen.

Ästhetik ist eine frei zugängliche Freude.

Mit dem Fotografieren fing es schon recht früh an – die erste Kamera bekam Eva mit Elf: „Es war eine analoge Fuji. Heute fotografiere ich nicht mehr analog, greife aber ab und zu auf Einwegkameras zurück. Die sind praktisch, weil man die einfach jedem schnell in die Hand drücken kann.“ Um sich der Fotografie mehr widmen zu können, brach die 27-Jährige ihr Studium in Englisch und Political & Social Studies ab und arbeitet heute an freien Projekten im Fashion-Bereich. Fotografie ist für die Wahl-Stuttgarterin ein Ausdrucksmedium – ein Kommunikationsmittel mit der Welt: „In freien Projekten ist für mich Fotografie sogar eine Kunstform. Hier kann ich auf eine subtile Art und Weise das normative Bild der Schönheit in Frage stellen. Ich spiele gerne mit Klischees.“ So stellt Eva in ihren Arbeiten gerne männliche Models in feminin angehauchten Looks dar.

In der Fotografie lässt sich die Stuttgarterin weniger von den großen Machern inspirieren: „Klar könnte ich solche Namen wie Annie Leibovitz oder Peter Lindbergh als Inspirationsquelle nennen, aber am meisten beeindrucken mich private Fotografien. Beim letzten Türkei-Urlaub habe ich auf einem Markt eine Schachtel privater Fotos gekauft – auf diesen war so viel Freude, Gefühl und Zeitgeist festgehalten.“

Beim Stuttgarter Stil beobachtet die Fotografin drei Strömungen: den Berlin-Hipster-Look, der sich in den letzte Jahren stark auch im Süden der Stadt breit gemacht hat, die Schickeria, die vorwiegend auf Labels bei der Wahl ihrer Looks achtet und die unauffälligen Konservativen, die nicht direkt ins Auge fallen und in der Masse stilistisch eher in den Hintergrund treten.

Die Stuttgarter kleiden sich so wie sie Autos bauen: teilweise elegant, aber sehr zurückhaltend.

Wir identifizieren uns über unseren Habitus – die Art und Weise wie wir sprechen und wie wir uns bewegen definiert uns. Es ist nicht nur das reine Aussehen!

Mode ist für die Fotografin jedoch mehr als nur das äußere Erscheinungsbild: „Es ist ein Spiegel der Gesellschaft und der Kultur, in der man sich bewegt und die eigene Positionierung darin. Auch wenn man sich nicht für Mode interessiert, setzt man damit ein persönliches Statement gegenüber seiner Umwelt.“

Eva sieht Mode als ein Instrument, um sich in der Welt zu positionieren und dem eigenen Empfinden von Ästhetik eine Plattform zu bietet: „Durch seinen Stil, neigt man dazu sich abzugrenzen, aber gleichzeitig eint es einen mit anderen Menschen. Macht man seinen Sinn für Ästhetik nach Außen sichtbar, so findet man viele Gleichgesinnte. Man sieht häufig, dass Leute eher unter Menschen unterwegs sind, die ähnlich aussehen – für mich auch ein Zeichen von Intoleranz und Oberflächlichkeit in unserer Gesellschaft.“

Die Fotografin setzt sich gerne mit verschiedenen Konzepten der Ästhetik und Schönheit auseinander. Beim Reisen lernt man am besten, dass Schönheit in unterschiedlichen Ländern anders definiert wird: „Wenn ich im Urlaub andere Kulturen erkunde, finde ich es immer interessant zu sehen, dass etwas, das bei uns als angesagt und bedeutend gesehen wird, woanders keine Relevanz haben kann. Daher ist es wichtig nicht zu schnell zu urteilen und sich vom ersten Eindruck nicht sofort beirren zu lassen.“

Den eigenen Stil beschreibt Eva als einen Mix aus femininen und maskulinen Schnitten mit einem nostalgischen Flair. „Mein Kleiderschrank besteht zum Großteil aus Vintage – die 70-er und 80-er Jahre erwecken bei mir einfach so ein schönes Gefühl. Ich schwelge gerne in Erinnerungen und versuche dies mit Mode und meiner Fotografie umzusetzen, liebe aber auch den gesellschaftlichen und technischen Fortschritt.“ Die Rückbesinnung in der Mode und der Fotografie bietet Eva einen Ausgleich zu der hektischen Welt von Heute. Die richtige Musik darf beim Fotografieren auch nicht fehlen: „Wenn ich fotografiere, höre ich eigentlich immer Musik, um in den Vibe zu kommen. Beim Soul geht mein Herz total auf, aber ich entdecke auch häufig moderne Songs, die mir gefallen, die sich aber wiederrum alle von den Genres aus dem 20. Jahrhundert ableiten.“

Stuttgart bietet der gebürtigen Heidelbergerin viele kreative Inputs, aber auch einen guten Ausgleich zum hektischen Alltag. Nach der Arbeit ist Eva häufig im Fluxus unterwegs oder genießt ihren obligatorischen Cheeseburger mit Pommes bei Udo Snack und radelt am Wochenende gerne zum Max-Eyth-See oder spaziert den Blaustrümpflerweg entlang.

Ihre Vintage-Teile shoppt die Stuttgarterin am liebsten im Vintage Markt (Tübinger Str. 74), beim Oxfam (Lange Str. 4a) oder beim Fairkauf in Stuttgart-Feuerbach. Nach aktuellen Einzelstücken schaut sich die Fotografin im COS (Königstr. 46) oder beim Mango (mehrmals in Stuttgart) um.

Dafür, dass man nicht viel Geld in die Hand nehmen muss, um stilvoll zu sein, ist Eva das perfekte Beispiel – 500 Euro würde die Stuttgarterin in Snacks und Getränke investieren und eine Kleidertauschparty veranstalten. Auf solchen Partys ist die junge Fotografin selbst häufig eingeladen.

Mehr von Evas Fotografien findet ihr auf ihrer Homepage und auf Instagram und hier kommt unser Stylecheck.

Evas Stylecheck

Jeans: Das Denim-Piece von Anvil hat die Stuttgarterin im Vintage Markt (Tübinger Str. 74) gekauft.

Blazer: Das oversized Glencheck-Modell „Antonette“ von Franz Haushofer hat Eva ebenfalls im Vintage Markt gefunden.

Body: Bei einer Kleidertauschparty hat Eva das schöne Modell von MEY für sich entdeckt.

Schmuck: Der Ring und die Ohrringe sind von Janina Jing Au – einer guten Freundin und angehenden Schmuckdesignerin aus Stuttgart.

Tasche: Diese Patchwork-Clutch hat Eva vor drei Jahren bei Mango (mehrmals in Stuttgart) gekauft.

Schuhe: Die Heels aus Veloursleder sind aus der aktuellen Kollektion von Mango (mehrmals in Stuttgart).

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