Nörgeln in the City: Bitte nicht anfassen!

Wir Stadtkinder lieben Clubbing in Stuttgart und manchmal sogar Trash-Musik auf der Theo. Manche Sachen gehen jedoch gar nicht. Zum Beispiel ungewolltes Befummeln im Club. Unsere Autorin fordert: Bitte nicht anfassen!

Stuttgart – Es gibt Nächte, auf die ist man nicht unbedingt stolz. Man hatte Bock darauf, zu Charts und Trash-Music angetrunken in einem Club auf der Theo zu tanzen. Eng beieinander gedrängt wippt man zur Musik und wirft brav seine hands in the air, wenn der DJ ruft. Eigentlich eine Horror-Vorstellung: Hunderte schwitzende Menschen tanzen um dich herum und immer wieder schwappt irgendein undefinierbares Getränk auf deine schwarze Jeans. Aus irgendeinem Grund jedoch juckt dich das alles nicht und du grölst gemeinsam mit deinen Freundinnen: „We are never ever ever, getting back together“, fühlst dich, als wäre es 2012 und du selbst bist Taylor Swift höchstpersönlich.

Da liegt was in der Luft…

Doch abgesehen von der Musik, dem Alkohol, der tanzenden Masse wabert im Club noch etwas ganz anderes herum. Wie eklige, schleimige Dampfschwaden hängt sie in der Luft: diese passiv aggressive Sexualität. Und nein, ich habe nichts dagegen, wenn sich Pärchen auf der Tanzfläche fast auffressen. Ich finde es amüsant, wenn meine (Single)-Freunde mit einer Person in irgendeiner Ecke verschwinden. Go for it! Ich finde es schön, dass man sich im Club Blicke zuwirft, sich gegenseitig Drinks spendiert oder versucht, sich über die dröhnenden Bässe hinweg ins Ohr zu schreien (wobei das manchmal ganz schön anstrengend ist). Es geht darum, Spaß zu haben. Das weiß ich. Und viele Leute mögen es einfach, im Club mit anderen zu flirten, beginnen dort eine wilde Nacht oder lernen sogar die Liebe ihres Lebens kennen.

Das, was ich meine, ist diese passiv aggressive Sexualität, die meist wir Frauen abbekommen. Nicht, dass Männer die nicht kennen, das will ich gar nicht behaupten. Es gibt sicher auch Situationen, in denen Männer genervt den Platz wechseln, weil ihnen jemand zu dicht auf die Pelle rückt. Oft weil die besagte Person zu viel getrunken hat und sich ihr gesunder Menschenverstand komplett ausschaltet.

Ungelogen: Wenn ich mit Freundinnen feiern gehe, dann passiert das – Jedes . Einzelne. Mal. Unangenehm berührt fasst man sich dann bei den Händen und bewegt sich über die Tanzfläche, ganz weit weg von hier, versucht ein paar andere Menschen zwischen sich und den Typ zu bringen, der einfach nicht aufhört, die eine Freundin zu befummeln. In solchen Momenten steigt die Wut in mir auf. Am liebsten würde ich dem Typ zuschreien, dass er „never ever ever together“ mit ihr kommt, weil er sich wie ein triebgesteuerter Vollidiot verhält.

(Swinger) Club oder was?

Geht’s noch? Das schlimmste ist, dass die Situation so normal geworden ist. Im Club herrscht bei vielen eine ekelhafte „take-what-you-get“-Mentalität, der Abend wird zur reinen Fleischbeschau. So normal, dass man sich gar keine Gedanken mehr macht, ob das nur Dummheit war oder schon sexuelle Belästigung. Gekonnt wechselt man die Seite mit einer Freundin, wenn man merkt, dass ein betrunkener Typ anfängt sie anzugrabschen. Ich würde gerne behaupten können „einmal ist keinmal“, und dass die meisten nach einem misslungenen Versuch das Weite suchen.

Aber das wäre gelogen. Vielleicht bin ich einfach nicht in der Lage, mich in die Gehirne dieser Männer hineinzuversetzen. Vielleicht gibt es ja irgendeine Erklärung, warum man ein „Nein“ nicht als „Nein“ erkennt. Aber egal wie betrunken ich wäre, ich würde niemals ein zweites, drittes, ja sogar viertes Mal versuchen, denjenigen, der mir einen Korb gegeben hat, von hinten anzutanzen. Wir sind schließlich nicht im Swinger-Club – wo man sich ja aber auch nicht jeden von hinten nehmen kann, wie es einem gerade passt.

Bitte einfach nicht anfassen, danke!

Oder sind wir Frauen doch selbst schuld, weil wir kurze Röcke tragen, Make-up auflegen und im Club „lasziv“ tanzen? Schwachsinn. Wer sich wie anzieht, schminkt oder tanzt darf keine Rolle spielen – weder bei Frauen noch bei Männern. Wir Mädels bekommen ja auch keinen Freifahrtschein fürs Antatschen, wenn die Jeans eines Typen besonders eng sitzt oder das Aftershave besonders gut riecht. Dass sich Männer und Frauen aufbrezeln, um in den Club zu gehen, ist doch klar. Bestimmte Kleidung verbinden wir eben mit bestimmten gesellschaftlichen Ereignissen.

Genauso wie ich mit Jogginghose nicht in die Arbeit gehe, ziehe ich auf dem Sofa auch keinen Glitzer-Minirock an und gehe nicht mit geblümtem Omi-Kleid in den Club. Deswegen will ich aber weder im Omi-Kleid, noch im Minirock, noch in Jogginghose von irgendjemandem ungewollt angefasst werden. Egal wo. Nicht auf dem Sofa, nicht am Arbeitsplatz und ja: Auch nicht im Trash-Club auf der Theo.

Titelbild: Guilherme Stecanella via Unsplash

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