Nörgeln in the City: Strafzettel-Hauptstadt

Wir lieben vieles an unserer Stadt. Aber verdammt noch mal nicht alles! Eine Kolumne über die unschönen Kleinigkeiten und überflüssigen Aufreger im Kesselleben.

Stuttgart – Ich frage mich manchmal, wieso ich eigentlich so dumm bin, in Stuttgart ein Auto zu besitzen. Meist kann ich mir die Antwort aber selbst geben: Weil man wie in jeder guten Beziehung ab und an auch mal Abstand braucht. In dem Fall eben zur Stadt. Einfach ist das trotzdem nicht. Und das liegt an den Knöllchen.

Knöllchen in the City

Stuttgart, so haben wir letztes Jahr erfahren, ist nämlich Knöllchen-Hauptstadt. Also, nicht von Baden-Württemberg oder Deutschland. Nee. Stuttgart ist die Knöllchen-Hauptstadt DER WELT! Richtig toll, oder? Hier gibt es nicht nur die meisten Staus und die schlechteste Luft Deutschlands. Sondern auch die meisten Strafzettel. Andererseits: Wenn ich mir anschaue, wie viele Knöllchen ich in den letzten Jahren unterm Scheibenwischer hatte, wundert mich das relativ wenig.

Jedes verdammte Mal, wenn ich von einem beruflichen Termin in den Westen zurückfahre und die Dreistigkeit besitze, das erst nach 20 Uhr zu tun, bietet sich mir das immer gleiche desolate Bild: Es ist kein einziger Parkplatz mehr frei. Und damit meine ich nicht: Es ist kein Parkplatz direkt vor meiner Haustür frei. Nein. Es ist wirklich kein einziger Parkplatz mehr frei. In meinem ganzen gottverdammten Parkbezirk.

Und täglich grüßt die Bußgeldstelle

Wohin mit den Millionen?

Jetzt weiß ich natürlich nicht, wie sich die Stadt das mit dem Parkberechtigungsausweis vorstellt. Man weiß doch, dass gefühlt doppelt so viele Autos wie Parkplätze im Westen vorhanden sind. Oder hat man auf dem Amt einfach keinen Überblick, wie viele Karren wirklich den Westen verstopfen? Das Parkraummanagement könnte man mit spitzer Zunge also auch so beschreiben: Ich zahle Geld, um nie einen Parkplatz zu finden. Und dafür im Gegenzug Strafzettel zu erhalten. Guter Deal! 2016 wurden 11,5 Millionen Euro durch Knöllchen in den Haushalt gespült.

Letzter Ausweg Parkverbot

Wer mal früh morgens im Westen unterwegs ist, der sieht das ganze Ausmaß des Dilemmas: Autos im Halteverbot, Autos in Kurven, Autos vor Einfahrten, Autos auf Gehwegen. Nicht cool, natürlich nicht. Weder für Fußgänger noch für Anwohner oder Berufstätige, die eingeparkt sind. Manchmal gibt es aber eben keine einzige Möglichkeit, als sich möglichst human und unauffällig ins Parkverbot zu stellen und gleich früh morgens umzuparken. Doch, gut. Eine gibt es: Nachts so lange um den Block fahren, bis doch noch mal irgendjemand wegfährt. Spätestens, wenn es hell wird, dürften die ersten Parkplätze frei werden.

Nicht falsch verstehen: Gehwege zuparken, Einfahrten blockieren und ganz generell so parken wie ein Arsch sind nicht gutzuheißen. Manchmal haben wir aber einfach keine Wahl. Und werden in aller Herrgottsfrühe dafür bestraft: Die Ordnungshüter schwärmen gern schon gegen sieben Uhr aus, wie ich den aufgedruckten Uhrzeiten auf meinen Strafzetteln entnehmen kann. Ein Vorschlag zum Schluss: Die Stadt setzt einen Großteil des erwirtschafteten Sümmchens für soziale oder gemeinschaftliche Projekte ein. Dann weiß ich bei jedem neuen Knöllchen an meiner Windschutzscheibe zumindest, dass damit Gutes getan wird.