Nörgeln in the City: Servicewüste Stuttgart

Stuttgart hat viele tolle Gastros, mit nettem Personal. Doch in so manchem Laden im Kessel muss sich unser Autor doch sehr wundern – über schlechten Service und Unfreundlichkeit.

Stuttgart – „Keine Reservierung? Vergesst es!“, meint der Inhaber eines gut besuchten Stuttgarter Cafés an einem Samstag, als wir uns recht spontan dazu entschlossen haben dort frühstücken zu gehen. So zumindest der Plan. Aber was fällt uns auch ein am Wochenende ohne Reservierung einfach aufzutauchen?! Wir werden noch kurz belächelt, bevor man sich von uns abwendet und wir den Laden wieder verlassen. Guten Morgen Stuttgart… 

Wir können alles. Außer freundlich.

Ja, an so mancher Ecke der Stadt stößt man immer wieder auf eine Art der Unfreundlichkeit, die fassungslos macht. Was isch hier eigentlich los? Servicewüste Stuttgart. Wir können alles. Außer freundlich.

Das ist natürlich übertrieben, die Stadt ist voll von tollen Gastros mit nettem Personal. Doch manchmal passiert es, dass man in einem Café, dessen Inhaber oder Personal man nicht persönlich kennt, kaum beachtet wird. Schon beim Betreten der Location wird man keines Blickes gewürdigt, genervt wird die Bestellung aufgenommen und ein „Hallo“ oder gar ein freundliches Lächeln kommt schon gar nicht über die Lippen. Es ist machmal ein bisschen so, als hätte man eine Privatparty gecrasht. Der ungebetene Gast. Was wollt ihr hier? Ähm, also ’n Kaffee wäre ganz gut…

Eine Portion Freundlichkeit, bitte!

Jetzt will ich natürlich nicht jeden Gastronom oder jede Servicekraft hier in Stuttgart pauschal verurteilen, aber in manchen Fällen würde ich gerne immer noch „eine Portion Freundlichkeit“ zu meinem Kaffee dazu bestellen. Aber warum auch bemühen? Wenn der eine Gast vergrault wurde, wird sich schon ein anderer Depp finden, der den Platz einnimmt. Das geht bekanntlich ganz schnell. Denn egal, wie schlecht der Service auch ist, die Stuttgarter Cafés, Bars und Restaurants platzen aus allen Nähten.

Stuttgart geht aus – und das oft und gern. Abstriche beim Service werden da gerne in Kauf genommen. Man hat ja auch fast keine andere Wahl. Man ist abgehärtet. Unfreundlichkeit, unterirdischer Service, ewige Wartezeiten auf die Bestellung, Essen oder Rechnung werden meist dann einfach hingenommen. Des isch halt so! Einen Tod muss man sterben…

Servicewüste Stuttgart

Doch muss das sein? Sollte man sich als Gast nicht eigentlich wohl fühlen? Ist der Kunde schon lange nicht mehr König? Oder sind die Leute einfach viel zu cool für ein bisschen Freundlichkeit? Erst am Wochenende war ich in einem Club, drinnen herrschte Hipsteralarm. Die Angestellten hinter der Bar hatten offensichtlich aber gar keinen Bock. Es wurde eine Fresse gezogen, als würde den ganzen Abend nur Helene Fischer aus den Boxen dröhnen.

Bestellungen wurden stets mit einem genervten Augenrollen entgegengenommen. Augen auf bei der Berufswahl! Wer keine Lust hat Getränke auszuschenken, der ist hinter einer Bar in der Regel eher fehl am Platz. Oder vielleicht doch einfach zu cool für den Job… und fürs Lächeln. Macht Victoria Beckham ja auch nicht – mit dem Unterschied, dass die nicht hinter der Bar steht. 

Make Service Great Again

So abgedroschen dieser Satz im Jahr 2018 auch klingt: Make Service Great Again. Denn irgendwann ist auch der Hype um jeden noch so angesagten Laden rum. Das ist so sicher wie die nächste Kehrwoche! Und dann ist guter Service und Freundlichkeit ausschlaggebendes Kriterium dafür, dass man als Gast immer wieder gerne vorbeischaut.

Foto: Unsplash/Mike Wilson

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