Nörgeln in the City: Seid doch einfach mal pünktlich

Wir Stadtkinder lieben unsere Stadt. Doch manche Dinge im Kessel regen uns einfach nur auf. Die Unpünktlichkeit vieler Leute zum Beispiel. Unser Autor hat dazu eine ganz klare Meinung.

Stuttgart – Draußen herrscht typisches Aprilwetter. Ein grauer, regnerischer Tag im Kessel. Eigentlich bin ich mit einer Freundin auf einen Kaffee verabredet. Eigentlich. Treffpunkt Schwabstraße, Kaffee dann „irgendwo im Westen“. Eigentlich nicht so schwer. Ja, eigentlich. Denn ich warte und warte… und warte. Fünf Minuten vergehen, niemand ist da. Weitere fünf Minuten verstreichen, von meinem Kaffee-Date weit und breit keine Spur. Kann man denn nicht einfach mal pünktlich sein?

Sorry, ich bin immer zu spät…

Ich rufe sie an. Und natürlich nimmt sie nicht ab. „Wo bisch?“, frage ich via WhatsApp – keine Reaktion. Weitere fünf Minuten vergehen, ich stehe an der Kreuzung an der Schwabstraße, die Autos rasen an mir vorbei und auch der Regen gewinnt jetzt so richtig an Fahrt. Und ich stehe da – wie bestellt und nicht abgeholt – und warte. „Nie wieder!“, denke ich mir und will gerade ernsthaft wieder gehen, als sie mit mehr als 15 Minuten Verspätung um die Ecke geschlendert kommt. „Sorry, du weißt ja – ich bin immer zu spät!“

Ich frage mich ernsthaft: Warum können manche Leute einfach nicht pünktlich sein? Egal wann und wo man sich mit ihnen treffen will – sie schaffen es nicht ein einziges Mal rechtzeitig zum vereinbarten Treffpunkt. Wären manche Menschen Züge, sie würden definitiv für die Deutsche Bahn rollen. Speaking of the Deutsche Bahn – wenn da auch nur ein Zug etwas mehr als fünf Minuten zu spät ist, ist das Geschrei groß. Im real life sind Verspätungen bei vielen von uns aber genauso normal. Und nicht etwa, weil wir auf den verspäteten Zug warten mussten oder irgendwo im Stau standen, nein, einfach weil man nicht pünktlich sein will!

Generation unpünktlich

Vielleicht bin ich auch einfach ein Exot, eine Art ausgestorbene Spezies. Denn von ein paar Ausnahmen abgesehen, bin ich immer auf die Minute pünktlich. Klar, fünf Minuten kann jeder mal zu spät sein. Aber wenn das im großen Stil und einfach immer der Fall ist – dann ist das doch einfach nur unverschämt? Was ist los mit diesen Menschen, die es nicht schaffen (wollen), rechtzeitig zu erscheinen? „Jetzt stell dich mal nicht so an“, werden vermutlich einige denken. Aber ganz ehrlich, für pünktliche Menschen wie mich ist diese ständige Warterei mehr als nervig. Ob für Kaffee, Essen gehen, Feiern oder den Kinobesuch… man kann doch als erwachsener Mensch zur vereinbarten Zeit am vereinbarten Ort sein? Einschätzen wie lange man wohin braucht? Einfach mal rechtzeitig daheim los gehen? So schwer ist das nicht!

Das Problem mit der Unpünktlichkeit ist vor allem, dass irgendwer immer warten muss. Verlorene Zeit. Damit das nicht passiert, macht man Uhrzeiten aus. Ich gehe inzwischen einfach, wenn jemand zu lange auf sich warten lässt. Meine Freunde wissen das inzwischen und sind in Sachen Pünktlichkeit „stets bemüht.“ Ich bin sonst weg – wie der Zug oder der Flieger oder der Job – da kann man ja auch nicht einfach kommen, wann man möchte! Ich habe auch schon mehrfach versucht, mich dem unpünktlichen Verhalten der Anderen anzupassen, schaffe es aber nicht. Irgendwie ist es mir nämlich sehr unangenehm, wenn ich irgendwo viel zu spät auftauche.

Genug gewartet!

Wie viel Zeit ich schon mit Warten verschwendet habe? Ich weiß es wirklich nicht. Und will es besser auch gar nicht wissen. Aber eigentlich lässt sich dieses Problem ja ganz einfach lösen – indem jeder einfach mal pünktlich ist. Es ist machbar, glaubt mir!

Foto: Unsplash/Mitchell Hollander

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