Nörgeln in the City: Immer Ärger mit der Bahn

Unser Autor würde gern viel öfter Bahn fahren. Es wird ihm aber immer wieder ziemlich schwer gemacht.

Stuttgart – Ich fahre regelmäßig Bahn. So oft, dass ich es meist auf den Bahn-Comfort-Status bringe und mich in der DB-Lounge über eine halbwegs saubere Toilette und Gratiskaffee freue. Damit hat es sich aber leider schon fast. Zugegeben: Es ist so unfassbar leicht, über die Deutsche Bahn zu nörgeln, dass es fast schon wieder cool ist, es nicht zu tun. Kann ich aber nicht. Allerdings nicht aus den Gründen, die meistens für einen Rant herhalten müssen und hier mal kurz mittels Hitparade aufgeführt werden.

Die inoffizielle DB-Rant-List

Die Durchsagen: Ja, gut, viele der Durchsagen sind nicht in perfektem Englisch. Geschenkt, das erwarte ich nicht von einem Zugbegleiter der Deutschen Bahn. Außerdem macht man sich nicht über andere Menschen lustig! Oder könnt ihr die Durchsagen in fließendem Isländisch?

Der Kaffee im Bordbistro: Ja, gut, der ist keine Offenbarung und nicht unbedingt billig. Aber eben auch nicht schlechter als aus deiner erbärmlichen Nespresso-Maschine!

Das Essen im Bordrestaurant: Ja, gut, es verdient keinen Stern im Michelin. Dafür, dass es an Bord lediglich aufgewärmt wird, ist es aber deutlich besser als das Essen der meisten Airlines und das Essen in manchen Restaurants. Außerdem ist die Weinauswahl mittlerweile durchaus solide.

Von wegen Signalstörungen

Nein, das ist alles okay. Damit kann ich gut leben. Da gibt es einige andere Dinge, die mir viel eher übel aufstoßen. Die Verspätungen zum Beispiel. Und ich meine jetzt nicht eine ganz normale Verspätung von fünf, zehn oder 20 Minuten. Über die würde sich an Bord eines Flugzeugs niemand aufregen. Und hinter dem Steuer eines Autos auf der Autobahn würde man so was gar nicht erst als Verspätung ansehen.

Ach, Bahn: Es könnte so einfach sein! (Bild: Deutsche Bahn AG Georg Wagner)

Nein, ich meine die Verspätungen, die so richtig wehtun. Weil man aufgrund der Verspätung des ersten Zuges den zweiten nicht erreicht und in Fulda strandet. Fulda! Da muss der Folge-ICE plötzlich auf die Minute pünktlich weiter. Bei angeblichen Signalstörungen (was wahrscheinlich auch nur ein Code für verspätete Zugführer ist) sind 45 Minuten Verspätung natürlich zu tolerieren. Aber mal fünf Minuten auf locker 50 Anschlussfahrgäste zu warten, das geht ja gar nicht.

Fahrgastrechte? Äh…

Nun bietet die Bahn ja gönnerhaft an, in solchen Fällen das „Fahrgastrechte-Formular“ zu nutzen. Bei Verspätungen gibt es da einen gewissen Anteil des Fahrpreises zurück. Das heißt, wenn man erst mal einen Zugbegleiter gefunden hat, der die Verspätung bestätigt, und danach das mordsaufwändige Protokoll ausgefüllt und postalisch abgeschickt hat. Das Ganze einfach digital abwickeln? Kommt nicht in Frage! Dann würden es ja alle machen!

Am meisten regt mich aber eigentlich auf, dass die Bahn in Sachen Pünktlichkeit, Fahrgastfreundlichkeit, Service und Zustand der Bahnhöfe echt nicht der Klassenprimus ist. Und dennoch munter jedes Jahr die Preise hochschraubt. Natürlich auch diesen Dezember. Und womit? Mit Unrecht! Ich kann doch als freier Autor auch nicht schlechte Texte schreiben, die ständig zu spät abgeben und dennoch jedes Jahr mehr Geld verlangen!

Es geht ja nur um die Umwelt

Nur 77,5 Prozent der Fernzüge waren im ersten Halbjahr 2018 pünktlich. Fast jeder vierte also zu spät. Und wehe, der Winter bricht schon wieder so unerwartet im November über uns herein! Dann geht auf vielen Strecken bestimmt wieder gar nichts. Das ist tragisch, denn immerhin handelt es sich bei der Bahn um den umweltfreundlichsten Personenverkehr überhaupt. Ich würde wirklich gern öfter Bahn fahren. Wirklich. Doch auch ich überlege es mir dreimal, on ich zwei Stunden bei minus fünf Grad in Kasel-Wilhelmshöhe auf einen völlig überfüllten ICE warten will, in dem dann der Speisewagen geschlossen ist. Aber die Alternative – Preise senken, Pünktlichkeit optimieren – ist natürlich viel zu aufwändig.

Noch mehr genörgelt wird hier!

Titelbild: Deutsche Bahn AG (Uwe Miethe)

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