Nörgeln in the City: Immer Ärger mit den Nachbarn!

Wir Stadtkinder lieben unsere Stadt. Doch manche Dinge im Kessel regen uns einfach nur auf. So auch das leidige Thema mit den Anwohnern. Unser Autor hat dazu eine ganz klare Meinung.

Stuttgart – Immer Ärger mit den Nachbarn! In wohl keiner anderen deutschen Großstadt herrscht Tür an Tür so viel Konfliktpotenzial wie in Stuttgart. Und nein, diesmal geht es nicht um die Kehrwoche. Vielmehr geht es um den Lärm – denn im Kessel ist es zu laut, viel zu laut! Zumindest wenn es nach den Anwohnern geht, die im Epizentrum des Stuttgarter Nachtlebens leben. Und so häufen sich die Anwohnerbeschwerden überall in der Stadt. Ob Tübinger Straße, Eberhardstraße oder rund um die Kulturinsel in Bad Cannstatt. Nachbarn werden immer mehr zum Endgegner eines jeden Club- und Barbetreibers. Viel Lärm um den Lärm, den ein mehr oder weniger florierendes Nachtleben in einer Stadt nunmal mit sich bringt. 

Mittendrin – aber bitte ruhig!

Man möchte mittendrin leben, downtown Stuttgart, 1.200 Euro kalt für eine 2-Zimmer-Wohnung zahlen, am besten mit Stellplatz für das eigene Auto. Und die nächste Bar, das nächste Café oder gar der nächste Club soll natürlich auch direkt um die Ecke liegen. Das spart lange Heimwege, ewiges Warten auf die Bahn oder hohe Taxikosten. Das ist alles schön und gut – solange man seine Ruhe hat.

Doch mitten in der Stadt wohnen und absolute Ruhe – das verträgt sich nunmal nicht so gut. Und das weiß man auch! Es ist ein bisschen so, als würde man neben eine Bahnstrecke ziehen und sich über den Lärm der vorbeifahrenden Züge beschweren. Oder direkt am Flughafen sein Eigenheim bauen, um sich später über den Fluglärm zu empören. Und wer ins Zentrum des Stuttgarter Nachtlebens zieht, der muss sich doch bitte im Klaren darüber sein, dass es laut werden kann. So ist es nunmal direkt im Stadtgeschehen, umgeben von Läden und Gastronomie. 

Stuttgart im Wandel – pro Nachtruhe, contra Nachtleben

Schon im vergangenen Jahr war das Geschrei groß, als mit der Sattlerei an der Tübinger Straße eine neue Bar eröffnet hat. Mit dem Opening der Galerie Kernweine ein paar Meter weiter, war das Drama dann perfekt. Zumindest für die Anwohner! Dass sie parallel zur Hauptstätter Straße wohnen und somit fast non-stop vom Autolärm umgeben sind, das scheint kein Problem zu sein. Aber ein Barbetrieb? Das ist vielen ein Dorn im Auge. Stört die ach so heilige Nachtruhe. Und so müssen die Leute, die dafür gesorgt haben, dass die Tübinger Straße endlich vorzeigbar ist, so ziemlich jeden Tag mit Schikanen leben. Von den eigenen Nachbarn. Ich finde: das ist einfach nur traurig.

Was war zuerst da? Das Huhn oder das Ei? Der Anwohner oder der Club? Auch an der Eberhardstraße bahnt sich inzwischen ein Wandel an – pro Nachtruhe, contra Nachtleben. Denn dank einzelner Anwohnerbeschwerden wird die Wiedereinführung der Sperrstunde diskutiert. Für die Club- und Barbetreiber und die angrenzende Gastronomie ist das vor allem eines – schlecht fürs Geschäft! Denn oft ist die Party um 5 Uhr morgens eben noch lange nicht vorbei. Läden wie das Dilayla oder das Oblomow sind Kult und seit mehr als 20 Jahren vor allem in den frühen Morgenstunden Anlaufstelle für das „ gemeine Partyvolk“ – länger als so mancher Anwohner in dieser Ecke der Stadt wohnen dürfte.

Die Provinz, die man nicht sein möchte…

Immer Ärger mit den Nachbarn! Ob in der Stadtmitte oder auf der anderen Seite des Neckars in Bad Cannstatt. Dort, wo die Kulturinsel versucht, die so oft als fehlend deklarierte „Subkultur“ in Stuttgart zu fördern, häufen sich schon seit Jahren die Beschwerden der Anwohner. Der Club Zollamt fiel diesem schwäbischen Spießbürgertum bereits vor Jahren zum Opfer. Wir wollen Kultur, wir wollen ein vielseitiges und aufregendes Nachleben. Aber bloß nicht vor der eigenen Haustür. 

Wenn es so weitergeht, dann wird Stuttgart ganz schnell wieder zur „schwäbischen Provinz“, als welche die Stadt immer wieder verschrien wird und vor der so viele abgehauen sind. Doch die Anwohner sitzen am längeren Hebel, einen Lösungsvorschlag von der Stadt gibt es bislang nicht wirklich. Was jetzt? Werden bald um 20 Uhr die Bordsteine wieder hochgeklappt? Dann ist Stuttgart tatsächlich wieder diese Provinz, die man eigentlich nicht sein möchte. Aber wenigstens ist’s im Kessel dann schön ruhig, gell?! 

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