Nörgeln in the City: Geld leihen? Bitte nicht!

Beim Thema Geld hört die Freundschaft auf. Dieser Meinung ist zumindest unser Autor. Hier erklärt er, warum.

Stuttgart – Gleich vorweg kann ich das größte Schwabenklischee überhaupt direkt mal bestätigen – denn beim Thema Geld verstehe ich absolut keinen Spaß. Das nehme ich so ernst wie meine Nachbarn sonst nur die Kehrwoche. Vor allem wenn es darum geht, anderen Leuten Geld zu leihen, bekomme ich ein leicht ungutes Gefühl. Denn sind wir mal ehrlich, in vielen Fällen sieht man das Geld entweder nie wieder oder man bekommt es erst nach unzähligen Erinnerungen zurück. Ja, Geld leihen ist so eine Sache. Ich bin ja der Meinung, dass es dafür Banken gibt. Und lasst mich kurz überlegen: Ich bin keine Bank! 

Kannst du mir kurz was leihen?

Das mag vielleicht hart oder einfach nur richtig schwäbisch klingen und ich rede jetzt auch nicht von Menschen, die sich aus einer finanziellen Notlage heraus Geld bei mir oder anderen leihen müssen. Nein, vielmehr geht es um Leute, die in einer Stadt wie Stuttgart ständig bargeldlos unterwegs sind und sich dann bei anderen – egal ob Freunden oder Bekannten – „ein bissle Bargeld“ leihen müssen. Denn es ist wie es ist – ohne Cash kommt man im Kessel nicht wirklich weit. Und das weiß man in der Regel auch. Oder habt ihr schon mal versucht ein Bier an der Bar mit Karte zu zahlen? Na also! Von daher regt mich diese „Oh shit, ich hab voll vergessen zur Bank zu gehen. Kannst du mir kurz was leihen?“-Mentalität manchmal doch etwas auf.

Ein absolutes No-Go

Tatsächlich kann ich es nicht wirklich nachvollziehen, wie man ohne Geld aus dem Haus gehen kann? Schlüssel, Handy, Bargeld – das sind so ein paar Essentials, die man einfach dabei hat. Und wenn der Blick in den Geldbeutel keinen Cent Cash mehr anzeigt, muss man eben nochmal beim nächsten Geldautomaten vorbeischauen. Ist ja jetzt nicht so der Act. Ich mag Bargeld auch nicht wirklich, es lässt sich im Kessel aber einfach nicht vermeiden. So einfach ist das.

„Kannst du mir kurz 20 Euro leihen?“, ist dann eine gängige Frage, wenn irgendwer mal wieder bargeldlos unterwegs ist. Eigentlich kein Problem. Eigentlich. Denn das „kurz“ ist oftmals dann doch sehr großzügig ausgelegt – das Geld ist weg. Und auf ein schnelles Wiedersehen kann man nicht immer hoffen. Nach ein paar Tagen ist die Sache dann „komplett vergessen“ und man darf seinem Geld regelrecht hinterher rennen. Nicht immer, aber es kommt vor. Ein absolutes No-Go.

Dann bin ich halt ein richtiger Schwabe…

Natürlich gab es auch schon die ein oder andere Situation, in der auch ich ohne Bargeld dastand – und mir folglich was leihen musste. Für mich die unangenehmste Situation der Welt. Ich konnte es kaum erwarten, beim nächsten Geldautomaten einen Stopp einzulegen und meine Schulden zu begleichen. Bewusst irgendwo ohne Geld hingehen und Freunde dann anpumpen? Niemals!

Und tatsächlich hält sich meine Begeisterung in Grenzen, wenn andere genau das tun. Denn wie gesagt: Bei Geld hört die Freundschaft auf. Und wenn man im Anschluss seinem (!) Geld wieder mal hinterher rennen muss, ist das nur noch extrem nervig. Never ever again – so zumindest der Plan. Man wirkt zwar wie der Oberschwabe, doch auch wenn es nur um zehn oder zwanzig Euro geht, geht es vor allem ums Prinzip. Eine Runde an der Bar ausgeben? Mach ich gerne – wenn ich weiß, dass sich die anderen revanchieren. Doch einfach so Geld leihen, nur weil es jemand mal wieder nicht zur Bank geschafft hat? Eher uncool. Und ja, dann bin ich halt ein richtiger Schwabe, gell?!

Über Geld spricht man nicht?!

Über Geld spricht man nicht. Oder zumindest nicht gerne. Das macht das Geld leihen dann auch schnell zu einem Akt, der so manche Freundschaft auf die Probe stellen kann. Was also tun, wenn jemand einem noch Geld schuldet? Auch wenn es nur Kleinbeträge sind? Spricht man die Person darauf an oder ist man dann sofort ein Geizhals? Wartet man, bis die Person von selbst auf einen zukommt? Oder schickt man einfach einen PayPal-Link? Ein riesiges Dilemma. Man bringt seine Freunde und sich selbst in die unangenehmsten Situationen. Vielleicht hat man es ja echt einfach nur vergessen? Doch das Problem ist eigentlich ganz schnell gelöst – geht das nächste Mal doch einfach noch kurz zur Bank. Danke.

Foto: Unsplash/Christian Dubovan

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