Nörgeln in the City: Fasching? Nein, danke!

Wir Stadtkinder lieben unsere Stadt. Aber verdammt nochmal nicht alles. Fasching zum Beispiel. Unser Autor verrät, warum er von der närrischen Zeit überhaupt nichts hält.

Stuttgart – Es ist wieder diese Zeit im Jahr, auf die ich gerne verzichten könnte. Und nein, ich rede hier weder von der Kehrwoche noch von der Grippewelle. Schlimmer, viel schlimmer! Denn in den kommenden Tagen erreicht der Fasching wieder seinen Höhepunkt, auch hier im Kessel. Obwohl Stuttgart absolut keine Faschingshochburg ist, so ganz ohne komische Kostüme und Umzüge kommt man auch im Kessel nicht aus. Ein bisschen Spaß muss sein? Awa, auf den Spaß verzichte ich gerne, denn – sorry, not sorry – ich hasse Fasching!

Fasching? Nein, danke!

Fasching, Karneval, Fasnacht – man kann es nennen, wie man will. Fakt ist, dass ich diese Zeit schon immer nicht leiden konnte. Bereits als kleines Kind fand ich es furchtbar, wenn man mich in ein Hänschen Klein-Kostüm gesteckt und auf irgendeinen Faschingsumzug mitgeschleppt hat. Dieses verkleidet irgendwo in der Kälte rumstehen, diese Musik, die – im negativen Sinne – selbst die Wasenhits in den Schatten stellt, diese Bonbons, die man mühsam vom Boden abkratzt oder aus irgendwelchen dreckigen Pfützen fischt. Nein, das war schon damals nichts für mich und ist es auch bis heute nie gewesen. Und dann gab und gibt es ja auch immer noch diese Hexen, die mit ihren komischen Fratzen um einen herumgeschlichen sind und einen im schlimmsten Falle sogar mitgenommen haben. Ja ja, alles nur Spaß? Als Kind war das der Horror, heute will ich immer noch wegrennen, wenn ich eine solche Hexe sehe. Sorry, aber dann hänge ich lieber mit Lord Voldemort ab, der wirkt irgendwie sympathischer. Fasching? Nein, danke!

Beschwipste Berliner & besoffene Giraffen

Wenn mich jemand fragt, was ich an Stuttgart so mag, gibt es vieles. Ganz vorne mit dabei ist aber die Tatsache, dass man im Kessel verhältnismäßig wenig von dem ganzen Fasching mitbekommt. Wie schlimm es doch wäre, jetzt in einer Faschingshochburg wie Köln oder Mainz zu leben? Ein Albtraum! Doch ganz sicher ist man auch in Stuttgart nicht. Vor allem die kommenden Tagen werden für Faschings-Hasser wie mich hart. Eigentlich sollte ich mich mit Maultaschen eindecken und einfach daheim bleiben – aber das ist ja auch keine Lösung, gell?! Deshalb muss ich es über mich ergehen lassen, wenn beim Bäcker wieder „lustig“ verkleidete Angestellte noch lustigere „beschwipste Berliner“ verkaufen wollen und mich auf der Straße mal wieder fast eine besoffene Giraffe ankotzt. True Story.

Das beste am Umzug sind die Kehrmaschinen

Ja, auch im Kessel wird tatsächlich Fasching gefeiert. Und ja, auch hier bleibt von einem großen Umzug nicht verschont. Denn auch dieses Jahr ziehen die Narren am Faschingsdienstag wieder durch die Innenstadt. Und irgendwo kotzt bestimmt wieder eine Giraffe von zu vielen Shots. Ich bin ja mal versehentlich mitten in den Stuttgarter Faschingsumzug geraten und muss sagen: Das beste daran waren die Kehrmaschinen, die hinter dem letzten Wagen herfuhren und die Spuren vom Fasching sofort beseitigt haben. Noch nie hab ich mich so über die Kehrwoche gefreut. Und noch nie habe ich mich so sehr darüber gewundert, wie viel zum Fasching im Kessel dann doch los ist.

Stuttgart und Fasching?

Stuttgart und Fasching? Kann das sein? Sind der Umzug und die Partys nicht nur eine Erfindung für Leute, die dafür extra nach „Stuggi Boogie“ gefahren sind? Klar, jeder darf feiern was und wie er möchte. Und wenn jemand Fasching feiern will, darf er das auch gerne tun. Aber bitte lasst mich damit in Ruhe. Nein, ich will auf keine Party mitkommen. Und nein, ich werde mich bestimmt nicht verkleiden. Fasching, du nervst!

Doch es gibt bei all der Misere auch gute Neuigkeiten: Denn bald, am Aschermittwoch, ist bekanntlich alles vorbei. Endlich! Und ich weiß irgendwie jetzt schon, dass ich dieses Jahr am 11.11. und 11:11 Uhr schlechte Laune haben werde. In diesem Sinne: Helau!

Titelfoto: Unsplash/Monique Carrati

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