Nörgeln in the City: Der kaputte Geldautomat

Wir lieben vieles an unserer Stadt. Aber verdammt noch mal nicht alles! Eine Kolumne über die unschönen Kleinigkeiten und überflüssigen Aufreger im Kesselleben. Heute: Der kaputte Geldautomat.

Stuttgart – Seit vielen Wochen ist der Geldautomat in einer nicht näher erwähnten Bankfiliale im Stuttgarter Westen kaputt. Das ist in dieser Filiale nichts ungewöhnliches und sollte mich als vorzugsweise bargeldlosen Stuttgarter eh herzlich wenig interessieren. Aber manchmal braucht man halt einfach Cash in dieser Stadt – zumindest, wenn man gern in Eckkneipen trinkt, eine Butterbrezel will oder auf dem Markt einkauft.

Wie in den Fünfzigern

In den letzten Wochen war das also immer so: Ich brauchte Bargeld, ging zu besagter Filiale, stellte mich an den Geldautomaten, registrierte mit wachsender Verärgerung, dass das Ding immer noch kaputt ist, und stellte mich dann am Schalter an wie in den verdammten Fünfzigern. Beim zweiten Mal konnte ich mir einen kleinen Spruch nicht verkneifen: „Ihr Geldautomat ist ja immer noch kaputt“, merkte ich tadelnd an. „Weiß ich!“, teilte mir der Schaltermensch mit der stoischen Gelassenheit eines langjährigen Mitarbeiters mit. „Und wie lange wird das ungefähr noch so gehen?“, fragte ich angespannt. „Weiß ich nicht!“, zuckte der Schaltermensch mit den Schultern. Gespräche für die Ewigkeit.

Her mit den Mäusen!

Beim nächsten Mal wurde ich am Schalter von einer Frau bedient. Die war ungleich freundlicher und teilte mir dann das Unfassbare im Flüsterton mit: Der Geldautomat sei kaputt, weil sich doch tatsächlich eine Maus in ihm eingenistet hatte! „Die wollte wohl zu den anderen Mäusen, was?“, scherzte ich jovial. „Ha, nein, die hat da nur gewohnt“, kam als humorlose Antwort. Ach so.

Der Geldautomat blieb also kaputt. Ob sie einfach entschieden haben, die Maus weiter darin wohnen zu lassen, weiß ich nicht. Ich habe es zuletzt nervlich nicht mehr ausgehalten, diese Filiale zu besuchen. Ich ging also in der Innenstadt zu einer Partnerfiliale, bei der man nicht fünf Euro bezahlen muss, nur um an Bargeld zu kommen. Der Automat war kaputt. Das Display riet mir, eine andere Filiale aufzusuchen. Und jetzt ratet mal, welche…

Keine Utopie!

Wenn uns diese kleine urbane Fabel eines zeigt, dann ja wohl das: Bargeld macht das Leben schwerer. Mal ganz abgesehen von einigen sozialen Implikationen bin ich deswegen weiterhin dafür, dass wir es endlich überwinden. Wir müssen es ja nicht gleich abschaffen. Der Traum von einer Welt, in der ich auch in der Eckkneipe mit PayPal oder kontaktloser Kreditkarte zahlen kann, darf aber keine Utopie bleiben!

Mehr aus dem Web