Nörgeln im Urlaub: Dolce Vita und deutsche Touristen

Dass die Deutschen oft und gerne verreisen, ist kein Geheimnis. Dass sie manchmal etwas anstrengend sein können, ebensowenig. Unser Autor war ein paar Tage lang am Gardasee – und hat typisch deutsche Touristen beobachtet.

Stuttgart – So ein kurzer Sommerurlaub ist halt schon schön. Man sieht neue Orte, hat im Idealfall richtig viel Sonne, kann ins kühle Nass hüpfen – kurz gesagt, ist es oft die beste Zeit im ganzen Jahr. Einfach mal chillen, die Seele baumeln lassen, nichts tun, raus aus dem Kessel. Für mich ging es letzte Woche ein paar Tage lang nach Italien – an den Gardasee. Ein Ort, der bei uns Deutschen so beliebt ist wie Schnitzel mit Pommes – das Mallorca Italiens, wo offensichtlich auch ganz Süddeutschland zu Gast war. Und ja, deutsche Touris sind das Schlimmste!

Urlaub wie daheim

Schon die Fahrt von Stuttgart an den See in Norditalien macht klar: you are not alone. Den Kennzeichen der Autos nach, die sich in einer schier endlosen Blechlawine entlang des Brenners schieben, ist ganz Stuttgart, Ludwigsburg, Esslingen, Böblingen, Reutlingen und Waiblingen unterwegs. Dazu gesellen sich nach und nach dann noch ein paar tausend Münchner und das Stauchaos ist perfekt. Wie zur Rush Hour in Stuttgart, nur noch schlimmer. Urlaub – fast wie daheim. Und auch am Gardasee angekommen wird klar, dass sämtliche Ferienorte komplett in deutscher Hand sind.

For me…eine Kugel Schtracciatella!

Natürlich ist es kein Geheimnis, dass vor allem die Region rund um den Gardasee ein beliebtes Reiseziel der Deutschen ist. Man ist (theoretisch) recht schnell dort, die Städtchen am Wasser sind wunderschön – und auch sonst kann sich der deutsche Urlauber wie Zuhause fühlen. Im wahrsten Sinne.

So wird in der Eisdiele munter auf deutsch bestellt. Italienisch? Sicher nicht! Englisch? Muss jetzt auch nicht sein, gell!? „For me….“ setzt ein Familienvater in der Eisschlange vor mir an, bevor er den Satz mit einem schwäbischen „…eine Kugel Schtracciatella“ beendet. Generell nimmt es der deutsche Durchschnittstourist am Gardasee nicht so streng mit der Sprache. „Hä? Spricht der kein Deutsch?“, empört sich eine Urlauberin mit Flip-Flops und krassem Sonnenbrand abends in einer Bar, als der Barkeeper ihre Bestellung nicht versteht. Und auch sonst werden in der italienischen Bäckerei morgens munter „Kaiserbrötchen“ geordert, das Abendessen in der Pizzeria auf deutsch bestellt und deutsche Namen durch die Gassen der Badeorte gebrüllt: „BRIGITTE, WIR SIND HIER DRÜBEEEEN!“. La Dolce Vita meets deutsche Touristen.

Getrennt, bitte!

Selbstverständlich sind die Urlaubsorte am Gardasee auf die deutschen Angewohnheiten vorbereitet. Sie leben vom Tourismus und viele Verkäufer, Hoteliers und Kellner beherrschen einen deutschen Grundwortschatz. Ganz vorne mit dabei „getrennt oder zusammen?“. Denn wer dachte, dass die Kommunikation schon typisch deutsch abläuft, der hat deutsche Urlauber noch nie beim Bezahlvorgang im Restaurant gesehen.

Am Nebentisch wird hin und her gerechnet – wer hatte denn jetzt einen zweiten Aperol Spritz und wer die teurere Pasta? Sorgfältige wird alles auf den Cent genau auseinander gerechnet, der Kellner rollt mehr und mehr die Augen – am Schluss wirft jeder seinen Anteil auf den Tisch, Trinkgeld liegt insgesamt bei 1,20 Euro. „Danke, tschüss!“

Deutsche Touristen – alle Vorurteile bestätigt

Manche Dinge ändern sich nie. Schon immer gelten Deutsche im Urlaub als schwierig. Das klassische Bild: Partnerlook, viel beige und Handtücher, mit denen schon morgens um halb acht die Liegen am Hotelpool reserviert werden, bevor man mit seinen Hausschuhen zum Frühstücksbüffet schlendert, um sich dort die Teller so richtig voll zu machen.

Natürlich sind wir alle irgendwie „Touristen“, wenn wir irgendwo in einem fremden Land oder einer fremden Stadt sind. Außer die „Traveller“, die natürlich überhaupt „nichts Touristisches“ machen und nur „Geheimtipps“ aus ihrem Lonely Planet haben und sich „überhaupt nicht“ von „den Einheimischen“ unterscheiden – ist klar. Aber eine Fresse ziehen, weil der Kellner im Café nicht sofort erscheint? Wie selbstverständlich alles auf deutsch bestellen? Und in der Osteria in Italien nach dem Schnitzel mit Pommes auf der Karte suchen? Come on, liebe deutsche Urlauber, das können wir doch definitiv besser.

PS: Der Gardasee ist trotzdem wunderschön und immer eine Reise wert. Fremdsprachenkenntnisse sind nicht notwendig.

Foto: Unsplash/Vidar Nordli Mathisen

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