Nichts von der Stange: Faire Dessous von Coco Malou

Nicht nur fair, sondern auch feminin – dieses Credo verfolgt Corinna Borucki von Coco Malou. Wie die 31-Jährige auf die Idee kam, ein nachhaltiges Lingerie-Label zu gründen? Wir haben sie im Social Impact Lab im Stuttgarter Osten getroffen und Antworten auf diese und weitere Fragen bekommen.

Stuttgart – 2015 beschloss Corinna auf faire Mode umzusteigen. Seitdem hat sich nicht nur ihr Kleiderschrank, sondern auch ihr Konsumverhalten verändert. Nachhaltigkeit ist Teil ihres Alltags geworden. Mit der Gründung ihres Labels Coco Malou möchte Corinna Frauen die Möglichkeit geben, trotz fairer und nachhaltiger Produktion keine Kompromisse in puncto Design eingehen zu müssen.

Von Fast Fashion zu Slow Fashion

Konventioneller Konsum kennt keine Grenzen. Von schlechten Arbeitsbedingungen bis hin zu gesundheits- und umweltschädlichen Stoffen ist alles vertreten. Die Modeindustrie bedient sich einer Mischung ethisch fraglicher Praktiken, die man bei einem Stadtbummel schon mal verdrängen kann. Klar. Und so kaufen wir munter ein – oftmals ohne über die Konsequenzen unseres Konsums nachzudenken. Als Corinna 2015 beruflich auf einer Messe einen Vortrag zum Thema Nachhaltigkeit in der Mode hörte, gab dieser ihr den entscheidenden Impuls, ihr eigenes Kauf- und Konsumverhalten zu hinterfragen.

„Ich habe erst einmal drei Monate lang gar nichts mehr gekauft und dann Schritt für Schritt versucht, wieder einen Bezug zu meiner Kleidung herzustellen. Herauszufinden, wo sie eigentlich herkommt und unter welchen Bedingungen sie produziert wird. Bei unseren Großeltern war das ja noch ganz anders. Früher hat man seine Kleidung generell sehr viel besser behandelt ­– das haben wir heute völlig aus den Augen verloren. Wir gehen einfach einkaufen, ohne zu wissen wie viel Arbeit, Zeit und Ressourcen in so einem Kleidungsstück stecken. Das ist echt schade.“

Mit Kissen & Karma auf der Suche nach Alternativen

Nach ihrer dreimonatigen Klamotten-Entzugskur fing Corinna dann an, sich nach Alternativen umzusehen: „Irgendwann hatte ich einfach wieder das Bedürfnis nach neuen Klamotten. Aber ich habe mir dann gesagt, wenn dann eben Second Hand oder fair hergestellt.“ Um auch andere für das Thema zu sensibilisieren, startete sie ihren Blog „Kissen & Karma“, der mittlerweile eine Fanbase von mehr als 24.000 Followern zählt und zeigt: Nachhaltigkeit ist gefragt.

Auf ihrer Suche nach Alternativen fiel Corinna vor allem eines auf: „Ich habe irgendwann gemerkt, dass es gerade im Bereich Unterwäsche nicht viel Auswahl gibt und mir die Schnitte und das Design einfach nicht besonders gut gefallen“, erzählt sie. „Irgendwann kam mir die Idee, dass ich es ja einfach selbst mal probieren könnte“. 2018 setzte sie ihre Idee dann in die Tat um, kündigte ihren Job und gründete Coco Malou. Über Startnext startete Corinna eine Fundingkampagne. Und das mit großem Erfolg. Derzeit befindet sie sich dank der vielen Unterstützer in der Bestellphase. „Ab April soll dann produziert werden, sodass ich im Mai endlich auf dem Markt sein kann.“

Nicht nur die äußeren Werte zählen – das steckt drin

Nicht nur die Produktionsbedingungen in der Näherei seien fair, auch bei der Auswahl der Stoffe achte sie auf den ökologischen Fußabdruck, so Corinna. „Alle Modelle sind unter anderem aus Tencel, weil das für mich der beste Rohstoff ist.“ Lange habe sie nach einem geeigneten Material für ihre Stücke gesucht. An Tencel schätze sie vor allem, dass der Stoff nicht nur sehr angenehm auf der Haut, sondern auch antibakteriell sei – beides Eigenschaften, die vor allem für Unterwäsche von großer Bedeutung seien.

Auch aus ökologischen Gesichtspunkten sei Tencel für sie die erste Wahl gewesen: „Die Faser wird aus neun verschiedenen Baumarten gewonnen. Diese werden gemischt, zu Holzschnitzeln verarbeitet und daraus wiederum zu einem Garn gesponnen.“ Im Gegensatz zum konventionellen Baumwollanbau, sei der gesamte Prozess sehr viel umweltfreundlicher, da die Lösungsmittel wiederverwertet werden und die Bäume nicht zusätzlich bewässert oder mit Pestiziden oder Düngemitteln gespritzt würden, so Corinna. Neben Tencel sorgt recycelte Spitze für einen femininen Look.

CO2-Kompensation dank Baum-für-Baum-Aktion

„Grundsätzlich habe ich versucht, das Thema möglichst ganzheitlich anzugehen. Deshalb haben wir uns auch für das ‚Baum-für-Baum-Prinzip‘ entschieden. Das bedeutet, dass wir – in Kooperation mit der Organisation WeForest – für jedes verkaufte Set einen Baum pflanzen“, erklärt die 31-Jährige. „Einfach, weil ich der Umwelt gerne wieder etwas zurückgeben würde. Und da unser Hauptrohstoff aus Holz gewonnen wird, fand ich das eine schöne Sache.“

Fotos: Julia Pommerenke