New Work: Wie geht es nach der Corona-Krise weiter?

Laut aktuellen Studien wünschen sich 68 % der Deutschen auch nach der Corona-Krise mehr Homeoffice. Wird sich das durchsetzen? Ein Arbeitsexperte meint ja.

Stuttgart – Die Netze in Deutschland erbringen Höchstleistungen, Skype und Zoom glühen und die Telefonrechnung schießt in die Höhe: Willkommen im Homeoffice! In Corona-Zeiten ist das Thema „Digitalisierung am Arbeitsplatz“ schneller auf unsere Agenda gerutscht, als wir Homeoffice sagen können. Laut einer Kurzbefragung des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation(bidt) arbeiten derzeit rund 43 % der berufstätigen Internetnutzer zumindest ab und an von zu daheim. Vor der Krise galt das für nur 35 % der Befragten. Aber was passiert eigentlich, wenn der ganze Spuk irgendwann vorbei ist?

Kein Weg zurück

Dieter Boch, Geschäftsführer des „Institut für Arbeitsforschung und Organisationsberatung GmbH“ (Iafob) sieht in der Corona-Krise einen Warnschuss für viele Unternehmen. Die Ausnahmesituation zeige, dass Gesundheitsförderung auch in der Wirtschaft einen viel höheren Stellenwert einnehmen müsse. Das Iafob berät Unternehmen und Behörden als privatwirtschaftliches Institut in allen Fragen aus der Arbeitswelt. Im Moment beschäftigt sich das Iafob auch mit corona-spezifischen Problemen, gibt „Tipps fürs Homeworking“ oder zeigt mögliche Maßnahmen des Infektionsschutzes im Unternehmen auf. Aus diesem Grund sieht Boch in der Krise auch eine Chance, bisherige Erkenntnisse zur Arbeitswelt neu zu reflektieren. Sowohl was die Gesundheitsvorsorge, als auch das flexible Arbeiten anbelangt: „Es kann, es darf keinen Weg zurück zur bisherigen Normalität geben!“, findet der Arbeitsexperte.

Heißgeliebtes Homeoffice

Diese Ansicht vertreten auch die meisten Deutschen. Die repräsentative Befragung des bidt zeigt: Rund 68 % der befragten Arbeitnehmer, deren Beruf von zu Hause generell möglich ist, wünschen sich nach der Corona-Krise mehr Homeoffice. Nur rund 19 % der Homeoffice-Nutzerinnen und -Nutzer geben an, bei der Arbeit zuhause unzufrieden zu sein. Wer schon vor der Krise immer mal wieder im Homeoffice gearbeitet hat, der ist mit der Situation besser vertraut und zeigt auch eine höhere Zufriedenheit. Doch aus welchen Gründen haben sich Arbeitnehmer vor Corona gegen die Arbeit von zuhause entschieden? Meist unfreiwillig. In der Umfrage des bidt geben 39% der Befragten an, dass ihr Arbeitgeber der Grund sei, warum sie nicht schon früher im Homeoffice arbeiten konnten.

Die moderne Arbeitswelt ist flexibel

Dabei ist Flexibilität laut Dieter Boch mit die wichtigste Eigenschaft einer modernen Arbeitswelt. Den Mitarbeitern Räumlichkeiten und IT-Tools zur Verfügung zu stellen, damit sie von überall und jederzeit konzentriert arbeiten und sich austauschen können, sei der Grundstein für fortschrittliche Unternehmen. Auch für die Bedürfnisse der Mitarbeiter offen zu sein, gehöre dazu. „Eine erfüllte Work-Life-Balance und freie Gestaltung der Arbeit wecken Begeisterung. Das erzielt dann oft sogar eine höhere Produktivität“, sagt der Geschäftsführer des Iafob. Natürlich gäbe es auch Branchen, bei denen Homeoffice einfach schwierig sei. Dazu gehören vor allem Dienstleister, zu denen sich auch viele Behörden zählen können. Aber wie geht es für die Unternehmen, bei denen mobiles Arbeiten generell möglich ist, aber nie nötig war, nach der Krise weiter?

Homeoffice für immer?

Dieter Boch glaubt, dass das Homeoffice sich für die konzentrierte Einzelarbeit tageweise durchsetzen wird. Auch Videokonferenzen könnten in Zukunft einige Meetings oder Geschäftsreisen ersetzen. Auch Nachzügler-Unternehmen könnten sich also in Zukunft gezwungen sehen, ihre IT auszubauen und flexibles Arbeiten zu ermöglichen.

Auch auf Bundesebene wird gerade darüber diskutiert: Der Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will ein Recht auf Homeoffice einführen.

Dennoch wird das „Coworking“, also der direkte und persönliche Austausch immer ein Teil unserer Arbeitswelt bleiben, prophezeit Boch. Denn für Innovationen ist er zwingend notwendig. Ideen ließen sich in der Einsamkeit zuhause nicht so einfach umsetzen und weiterentwickeln.

„Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wir brauchen den Smalltalk, die Kaffeepause, den direkten Kontakt im Gespräch, in der Pause und beim gemeinsamen Essen.“

Auf all diese Dinge können wir uns post-corona auch schon wieder freuen, wenn wir die Kollegen im echten Leben sehen. Trotzdem sagen wir zu ein bisschen mehr Flexibilität und einem digitalen Umfeld im Job nicht nein. Vor allem, weil jede positive Entwicklung, die aus der Corona-Krise entsteht, ein kleiner, aber entscheidender Lichtblick ist.

Titelbild: Thought Catalog via Unsplash

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