Neues Techno-Label vom Club Lehmann

Der Club Lehmann veröffentlicht jetzt Musik seiner Lieblingskünstler auf dem eigenen Label „Lehmann Musik“. Raphael Dincsoy betreibt es und veröffentlicht selbst auch als Künstler darauf.

Stuttgart – Neun Jahre hat das jetzt gedauert. Denn so lange gibt es den Club im Bosch Areal schon. Klar, Stuttgart ist nicht Berlin und das Lehmann ist nicht der berühmt berüchtigte Berliner Club Berghain, der mit seinem Label „OstgutTon“ seit Jahr(zehnt)en die Trends vorgibt. Doch jetzt hat auch Stuttgart einen Club mit Label mehr. Aber lohnen sich Labels heutzutage überhaupt noch?

Der Traum vom Club-Label

Raphael ist im Club Lehmann DJ, Booker, Agentur- und nun auch Labelchef. Seit Eröffnung des Clubs 2009, wollte er sich den Traum vom Lehmann-Label erfüllen. „Doch am Anfang musst du erstmal schauen, dass der Club läuft.“ Zusätzlich habe er damals noch ein anderes Label betrieben und deshalb fehlte ihm einfach die Zeit dafür.

Doch nach der internationalen Aufmerksamkeit für den Club, durch die vom FAZE-Magazin verliehene Auszeichnung als drittbester Club Deutschlands im Jahr 2014, nahm Raphael die Planung wieder auf. Dennoch hat es bis jetzt gebraucht, die Segel zu setzen. „Wir hätten da schneller sein müssen, aber sich jetzt zu ärgern bringt auch nichts“.

Musiklabels sind Sisyphosaufgaben

Ein Label zu betreiben ist keine einfache Aufgabe. Es werden regelmäßige Veröffentlichungen erwartet, wenn man auffallen und bestehen will. Im Zeitalter des Internets ist alles super schnelllebig, „da muss man jede sechs bis acht Wochen einen Release raushauen, um dabei zu bleiben“, resümiert er leicht nervös.

Nun hat Raphael neben seinen Aufgaben für den Club und seiner eigenen Karriere als DJ zusätzlich noch einen Stein den Berg hoch zu rollen. Doch im Falle von Raphael sollten wir uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen, der Bock auf seine Steine hat. Dennoch lohnt sich das Ganze finanziell für niemanden, sagt er. „Das ist heutzutage einfach nur ein Prestige-Ding mit dem Label“.

Das ist heutzutage einfach nur ein Prestige-Ding mit dem Label.

Stuttgarter Techno international

Zur Zeit hat Stuttgart eigentlich nur ein erfolgreiches reines Techno-Label, mit internationaler Aufmerksamkeit. „From Another Mind“ von Marco Blaesi und Lui Urban, die eng mit dem Stuttgarter Club Romy S. in Verbindung stehen. „Die Jungs machen richtig gute Arbeit. Das ganze Konzept stimmt. Aber wir gehen in eine andere Richtung.“

International agieren ist in der Techno-Szene sehr wichtig, da Techno keine Lokalszenen mehr wie früher hat, sondern fast überall auf der Welt in ähnlicher Weise stattfindet. Erfolgreiche Techno-DJs aus Stuttgart, wie Konstantin Sibold oder die Macher von „From Another Mind“ sind mittlerweile echte Weltenbummler, da sie – einmal am Zenit des Erfolgs angekommen – ihre Fans überall auf der Welt bespielen müssen, um aktuell zu bleiben.

Raphael ist zwar eher ein kleiner Weltenbummler, doch es zieht ihn, nach seinen Gigs außerhalb Stuttgarts, immer wieder zurück. Einen erfolglosen Umzug nach Berlin hat er schon hinter sich. „Stuttgart ist einfach mein Zuhause“. Ein Stadtkind eben.

Releaseparty von Lehmann Musik

Am 31. August 2018
im Club Lehmann

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