Neuer Stuttgart-Kalender: Nackt im Wagenburgtunnel

Viel Lärm um blanke Popos: Der dritte Nacktkalender „Auto statt Stuttgart“ polarisiert heftig, will aber eigentlich auf ein ernstes Thema aufmerksam machen. Am Samstag feiert er Release im Schlampazius.

Stuttgart – Eigentlich ist es nur konsequent, dass der dritte Stuttgarter Nacktkalender „Auto statt Stuttgart“ seinen Schlüpfungstag ganz offiziell im Schlampazius im Stuttgarter Osten feiert. Eines der Kalenderblätter, das März-Motiv, zeigt nämlich ein paar Nackedeis, wie sie genussvoll die Wand des Wagenburgtunnels abschlecken. Und der Wagenburgtunnel, der führt bekanntlich ins Schlampazius.

Nackt unter Autos

Dort wollte früher wahrscheinlich auch niemand die Wände ablecken, doch nach der Renovierung ist sogar das bedenkenlos möglich. Aber zurück zur Tunnelwand. Dieses Motiv erregte nämlich reichlich öffentliches Ärgernis in der Presse, unter Passanten und in den sozialen Netzen. Ja, scheinbar schafft man es auch auf der Schwelle zu 2019 noch, mit Nacktheit zu provozieren.

Das ist einerseits traurig. Und andererseits gut, denn Justyna Koeke und Marie Lienhard, zwei der umtriebigen Verantwortlichen hinter dem Nackt-Kalender, wollen gegen die Geißel der Autoindustrie zu Felde ziehen. Feinstaub, Dieselskandal, überfüllte Straßen – all das eben, was uns in Stuttgart in Atem hält und den Atem raubt. „Kunst ist auch dafür da, um Diskurs anzuregen“, sagt Marie in Bezug auf die Kritik an ihrem Projekt. „Der Fokus ist zwar teilweise noch nicht bei den Inhalten angekommen“, meint sie, „aber es scheint wohl auch auf der reinen Bildebene Bedarf für eine Diskussion zu geben.“

Das Natürlichste auf der Welt

Natürlich wollen sie mit ihrem Kalender anecken. Natürlich wollen sie auf das aufmerksam machen, was ihrer Meinung nach schief läuft in der Stadt. Das gelingt ihnen aber eben ziemlich humorvoll, unaufgeregt und alles andere als schmuddelig. Die Nacktheit ist hier keineswegs aufreizend oder billig gedacht und sollte doch wohl am ehesten als Metapher für das Pure, Saubere im Gegensatz zur schmutzigen Stadt gesehen werden. Kommt nur nicht überall an. „Die Nacktheit unterstreicht die Verletzlichkeit“, betont Marie. „Sie ist das Natürlichste der Welt und steht damit in krassem Kontrast zur Autostadt.“ Stimmt schon, natürlich ist hier nichts.

Juli: Nackt zwischen Polizisten. (Bild: Auto statt Stuttgart)

Prüderie und Polizei

Dafür durchaus prüde: Bei fast jedem Shooting wurde die Polizei alarmiert – überflüssigerweise versteht sich, denn: „Wir hatten sie bereits vorab informiert“, so Marie. „Nacktsein im Öffentlichen Raum ist völlig legal, solange sich niemand davon gestört fühlt.“ Jetzt hofft Marie, dass sich auch diese Menschen auf den Diskurs einlassen. Dass sie sich aus der Reserve locken lassen.

Besonders gut dürfte das im Schlampazius gelingen, wo am Samstag, ab 19 Uhr der große Kalender-Release gefeiert wird. Making-Of-Bilder von den Shootings für die einzelnen Monate, mit der Rüdiger Scheiffele Unlimited Experience und Putte & Edgar gleich zwei Live-Bands sowie mit DJ Bobby Milkshake und Markus Milcke zwei DJs für eine lange Nacht. Fallende Hüllen sind da natürlich optional. Aber zur Not ist der Wagenburgtunnel ja nicht weit…

Facebook-Veranstaltung: www.facebook.com/events/459733867887207

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