Neue Webserie: Die Einsamkeit in Zeiten von Corona

Auch wenn nach und nach Lockerungen durchgesetzt werden: Alleinstehende oder allein lebende Menschen leiden immer noch stark unter der Corona-Krise. Das Theaterkollektiv Citizen Kane fragt in seiner neuen Webserie „Was ist eigentlich mit…?“ nach, wie es diesen Menschen geht.

Stuttgart – Alleinsein ist weder leicht noch schön. Das war schon vor Corona so, das wird auch nach Corona so sein. Vor allem aber ist es mitten in dieser Krise ein schmerzhafter, für viele unerträglicher Zustand. Die steigenden Fälle häuslicher Gewalt zeigen aber auch: Es kann ebenso schwer sein, in einer dysfunktionalen Familie zu leben. Das brachte das freie Stuttgarter Theaterkollektiv Citizen Kane schon voriges Jahr – lange vor Corona – auf die Idee, das Konzept der Familie in der Videodoku „Die Stille der Familie“ zu hinterfragen.

Corona macht nicht gleich

„Dabei haben uns bewusst Menschen interessiert, die nicht in Familien leben“, sagt Christian vom Kollektiv. „Wir haben mit Katrin gesprochen, die in einer WG lebt, mit Patrick aus einem Haus für wohnungslose Jugendliche, mit Mahdi aus dem Projekt Internationales Wohnen und mit Frau Hild aus einem Altenheim. Außerdem haben wir im Tierheim Stuttgart Nele gefilmt.“ Gemischt mit einer theatralen Performance entstand ein intimer Blick in einen Alltag, der jetzt durch Corona noch mal stark durchgeschüttelt wurde. Denn klar ist für Christian: „Das Virus macht nicht alle Menschen gleich, sondern verschärft problematische Situationen. Eine Kontaktsperre ist für Menschen, die schon vor der Krise wenig Kontakt haben konnten, ein großes Problem. Diejenigen die sozial ausgeschlossen waren, sind es jetzt noch mehr.“

Je länger das alles dauert, umso schwieriger wird es werden.

Das brachte das Kollektiv dazu, die Protagonisten erneut aufzusuchen. Mitten in dieser wohl größten Krise, die wir jemals erlebt haben. Unter dem Namen „Was ist eigentlich mit…“ kommen die Protagonisten der Doku ab Sonntag, den 10. Mai, erneut in einer fünfteiligen Webserie zu Wort. In jeweils zehn Minuten können sie das tun, was gut tut: Über sich, über ihr Leben, über ihre Ängste und Hoffnungen reden. „Unseren Protagonist*innen geht es glücklicherweise allen den Umständen entsprechend gut“, sagt Christian. „Sie alle kommen irgendwie durch die Krise. Für einige hat sich nicht viel geändert, andere sind komplexen Situationen ausgesetzt. Das Kontaktverbot ist für alle ein Problem, auch die berufliche Zukunft wird durch die Krise verbaut. Und je länger das alles dauert, umso schwieriger wird es werden.“

Gamer sind klar im Vorteil

Jeder der fünf Protagonisten hat seine ganz eigene Geschichte zu erzählen. Da gibt es Frau Hild aus dem Samariterstift in Ostfildern (wird am 10. Mai gezeigt), die sich auf den Tag freut, an dem ihre Familie sie endlich wieder besuchen darf. Oder Patrick, der im Falk-Haus für junge wohnungslose Menschen lebt und sich keinen Mundschutz als Tattoo auf den Arm tätowieren lassen wird (18. Mai). Katrin ist derweil gern allein mit ihrer Katze und zockt in ihrem WG-Zimmer mit Freunden aus aller Welt am Computer (16. Mai). Christian beobachtet: „Gamer scheinen am besten mit der Kontaktsperre zurecht zu kommen.“ Irgendwie ironisch, oder? Ausgerechnet die Gamer, die seltsamen Nerds, die ja angeblich gar nicht mit dem Alltag klarkommen.

Passt aufeinander auf

Dann gibt es da noch Mahdi aus der Stiftung Geißstraße (12. Mai). Der kann gerade gut schlafen, weil vor seinem Fenster nachts nicht so viel los ist, kann aber dafür nicht in die Berufsschule gehen. Und Nele aus dem Stuttgarter Tierheim, die hat nach langer Zeit jemanden gefunden, die sie bei sich zu Hause aufnimmt. Wer Nele ist, erfahren wir am 14. Mai.

Abrufbar sind die liebevollen, unaufgesetzten Filmchen jeweils ab 19:30 Uhr. Einblicke in das Leben ganz normaler Menschen, die mit ihren Probleme und Fragen ein bisschen mehr allein sind als viele andere von uns. Das Mindeste ist ja, dass wir ihnen zuhören. Und nach dem Sieg über diesen Scheißvirus einfach ein bisschen besser aufeinander aufpassen. Wir haben doch nur uns.

Hier gibt’s die Filmchen ab Sonntag: www.citizenkane.de

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