Neu in Stuttgart-West: die Kaffeerakete

Kaffeeröster Andreas Weimer hat am Hölderlinplatz seine Kaffeerakete Stuttgart eröffnet. Die frisch gerösteten Bohnen können mitgenommen oder gleich vor Ort probiert werden – kleiner Schwatz mit dem Inhaber inklusive.

Stuttgart – Durch die Stadt zu schlendern, durch die Gassen und Straßen zu streunen hat noch nie geschadet. Im Fall von Andreas Weimer waren die Spaziergänge sogar ziemlich ergiebig. „Ich bin die ganze Stadt abgelaufen“, erinnert er sich heute. Vor leer stehenden Flächen hat er kurz inne gehalten: alte Apotheken, Eckläden, ehemalige Cafés – nie war das richtige dabei für seine Idee einer Kaffeebar. Bis er, ausgerechnet in der Nähe seiner Wohnung, fündig geworden ist.

Frisch geröstete Bohnen in der Kaffeerakete

Jetzt hat er hier, an der Silberburgstraße 36, sein neues Leben begonnen. So pathetisch kann man das durchaus ausdrücken. Weimer ist ein Aussteiger im Auftrag der Kaffeebohne. Jahrelang war er im Vertrieb tätig, hat tausende Kilometer jährlich auf den Autobahnen der Republik verbracht, und unzählige Flugmeilen gesammelt. Immer unterwegs, immer weit weg von den Freunden – irgendwann war es an der Zeit etwas Neues zu machen. „Eine glückliche Fügung“, nennt es der 53-Jährige selbst, dass er jetzt in seiner eigenen Kaffeebar direkt am Hölderlinplatz steht.

Angefangen hat sein Interesse für das koffeinhaltige Getränk mit einem großen Kaffee am Flughafen in Kiew. „Ich wollte einfach nur einen Kaffee!“, sagt er. Stattdessen musste er zahlreiche Fragen beantworten, um schließlich einen viel zu großen, viel zu teuren und viel zu heißen Kaffee in den Händen zu halten. Das muss doch auch anders gehen?

„Ich bin ein Kommunikator, ich möchte mit den Menschen reden.“

Ein paar Monate und eine Existenzgründung später, röstet der zertifizierte Kaffeeröster an der Silberburgstraße seinen eigenen Kaffee. Er steht an der Theke und berät die Kunden in Themen wie Aroma, Röstung und Herkunft. „Ich bin ein Kommunikator, ich möchte mit den Menschen reden“, sagt er. Vor allem beim Thema Kaffee gebe es so viel zu erzählen und erklären. Längst konkurriert Kaffee hinsichtlich seiner Aromenvielfalt, dem Anbau und seiner Geschichte mit Wein. Expertenwissen gibt es hier wie dort.

Weimer will wissen, woher die Bohnen kommen, die er regelmäßig in den Röster füllt. Natürliche Anbauweise und faire Arbeitsbedingungen sind ihm wichtig. Im Moment hat Weimer fünf Sorten Arabica und eine Sorte Robusta im Angebot. Unter anderem aus Brasilien, Costa Rica und Äthiopien.

Zeit nehmen für Kaffee

Coffee-to-go soll es – zumindest Stand jetzt – in der Kaffeerakete nicht geben. Wer einen Kaffeebecher dabei hat, bekommt ihn zwar befüllt, Pappbecher möchte Weimer aber nicht ausgeben. „Man soll sich ruhig fünf bis sieben Minuten Zeit nehmen, den Kaffee genießen und einen Schwatz halten“, sagt er.

Und das kann man in der hübsch eingerichteten Kaffeerakete ziemlich gut. Auf der massiven Holztheke steht dekorativ die Elektra, an den großen Fenstern liegen Sitzkissen, in den Regalen lagern die Kaffeebohnen – der frisch geröstete Kaffee kann natürlich nicht nur vor Ort unter anderem als Espresso, Cappuccino oder Cortado, sondern auch Zuhause getrunken werden.

Für das Interior war das Architekturbüro Studio Cross Scale zuständig. Architekt Sascha Bauer hat sich dabei auf Weimer und seine Geschichte eingelassen, um ein individuelles Konzept zu entwickeln. „Wie es ihm wichtig ist zu wissen, woher die Kaffeebohnen kommen, wollen wir wissen, woher das Material für die Möbel kommt“, sagt Bauer. Verwendet wurde am Ende altes Bauholz, das von einer Firma im Münsterland zu individuellen Möbeln verarbeitet wurde.

Andreas Weimer (li.) und Sascha Bauer in der Kaffeerakete.
Andreas Weimer (li.) und Sascha Bauer in der Kaffeerakete.

Pläne für die Zukunft hat Weimer noch einige. Vielleicht wird er irgendwann im Laden Kaffeemühlen verkaufen, vielleicht auch Siebträgermaschinen. Jetzt konzentriert er sich aber erst einmal auf den Kaffee und den Austausch mit seinen Kunden.

Während er erzählt, kommen immer wieder Leute in den Laden. Oft sind es Menschen, die in der Nachbarschaft wohnen und auf den neuen Laden aufmerksam geworden sind. „Genau so habe ich mir das vorgestellt“, sagt der 53-Jährige und lacht sichtlich zufrieden. Es wirkt als hätte Weimer mit seiner Entscheidung genau das Richtige getan.

Kaffeerakete Stuttgart: Silberburgstraße 36, Öffnungszeiten: Montag und Dienstag 8.30 – 14.30 und 15 – 18 Uhr, Mittwoch 8.30 – 14 Uhr, Donnerstag und Freitag 8.30 – 14.30 und 15 – 18 Uhr, Samstag 9 – 14 Uhr, mehr Infos hier >>>

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