Neu in Stuttgart: Labyrinth Café und Kulturraum

Kunst im Café oder Kaffeekunst? Im neu eröffneten Labyrinth gibt es beides: Kulturraum und Kulturcafé fungieren dabei als Bühne und Begegnungsort zugleich und bereichern das Kernerviertel mit einem vielfältigen Angebot – sowohl auf dem Teller als auch jenseits des Tellerrands.

Stuttgart – Die Eröffnungstage des neuen Cafés mit angrenzendem Kulturraum sind in vollem Gange. Das Programm kann sich sehen lassen: Von theatral-musikalischen Darbietungen des Labyrinth-Ensembles über Tellerkunst, Figurentheater, Workshops, einem Vortrag zu nachhaltigem Konsum, einer Vernissage, Kurzfilm-Beiträgen und Dokumentationen bis hin zu einem Performancebrunch im Café ist alles mit dabei. Patrizia Birkenberg, Gründerin und künstlerische Leiterin von Labyrinth, gab uns im Gespräch Einblicke hinter die Kulissen des neuen Cafés.

Wege durch Kunst zum Miteinander

Wie kann Kunst im interkulturellen Kontext genutzt werden? Diese Frage stellte sich Patrizia Birkenberg erstmals 2012. Was damals als Studienprojekt an der Musikhochschule begann, findet in diesem Jahr ein Zuhause an der Urbanstraße 64. Aus einem kunstsparten-übergreifenden Theaterprojekt für geflüchtete Jugendliche wird ein Begegnungsraum für Menschen verschiedener Herkunft und Schichten.

„Wir sehen das Labyrinth als Ort des kulturellen Austauschs, des Dialogs und des gesellschaftlichen Miteinanders im Quartier“, erklärt Patrizia. Mit ihren Projekten stellt sich die Initiative Herausforderungen wie Zuwanderung und Integration mit künstlerischen Mitteln und versucht auf diese Weise der gesellschaftlichen Spaltung entgegenzuwirken und gleiche Bildungschancen zu ermöglichen. „Das Kulturcafé gibt Raum für Gespräche und Austausch und bietet den Jugendlichen die Möglichkeit, im Service mitzuarbeiten, so die deutsche Sprache schneller zu lernen, aber auch erste Erfahrungen im Arbeitsumfeld zu machen. Der Kulturraum hingegen fungiert als Raum für künstlerisch-kreative Projekte – diese wechselseitige Bespielmöglichkeit ist einfach klasse“, schwärmt Patrizia.

Ein Café mit Blick über den Tellerrand

Im Rahmen eines Kulturabends wird es künftig einmal im Monat ein Wechselspiel aus Aufführungen und einem Drei-Gänge-Menü geben. Geschmackstechnisch soll dieses von Kulturabend zu Kulturabend variieren – so die Idee. „Den Anfang“, verrät Patrizia, „macht die portugiesische Küche. Danach wird es vielleicht ein syrisches, mexikanisches oder eritreisches Menü geben, das steht noch nicht fest.“

Was allerdings feststeht ist, dass der Koch des Cafés vorwiegend Bio-Produkte verwendet. Nicht nur im Rahmen des Kulturabends, sondern auch für den regelmäßig wechselnden Mittagstisch. „Wir versuchen, nachhaltig zu denken und zu handeln. Durch die Verarbeitung von vorwiegend regionalen und biologischen Lebensmitteln im Cafébetrieb möchten wir bewusst weitere Fluchtursachen vermeiden“, so Patrizia.

Auch das Preissystem im Labyrinth ist besonders: Die Betreiber wollen möglichst niemanden ausschließen. Trotz allem sollen keine Abstriche in Sachen Qualität der Lebensmittel gemacht werden. Deshalb haben Patrizia und ihr Team sich etwas einfallen lassen: „Für alle, denen unser normales Tagesessen zu teuer ist, bieten wir alternativ ein Gericht auf Spendenbasis an. Dieses wird aus biologisch angebauten Lebensmitteln zweiter Wahl zubereitet und ist deshalb günstiger als unser Tagesgericht. Auf diese Weise haben unsere Gäste die Wahl“, erklärt Patrizia.

Zukunftsmusik: Ein Café, viele Möglichkeiten

Wie die Nutzung nach der Eröffnung aussieht, skizziert Patrizia Birkenberg wie folgt: „In Kulturraum und Café wird unser Team eine ganze Reihe unterschiedlichster, aber auch sich ergänzender interaktiver Veranstaltungs- und Bildungsformate anbieten. Vielseitige Gastkünstler und wir selbst von Labyrinth werden ebenfalls fester Bestandteil des künstlerischen Programms sein.“

Unzählige weitere Möglichkeiten schafft auch die Nähe zur Musikhochschule: Vom Singen über Möglichkeiten des Auftritts für Studierende der Fachrichtungen Musik, Sprechkunst, Figurentheater und Schauspiel bis hin zu musikalischen Angeboten für Kinder. Dass der Kulturraum und das Café ganz verschiedene Menschen ansprechen und begeistern werden, daran hat Patrizia keine Zweifel.

Impression vom Eröffnungsabend
Labyrinth-Gründerin Patrizia Birkenberg und Team feiern gemeinsam mit geladenen Gästen den Startschuss der neuen Räumlichkeiten. Foto: Alexander Wunsch

Zwischen Kaffee & Kunst: Das Programm der Eröffnungstage

Freitag 21.02.2020
18 Uhr Kulturabend – Kunst & Gaumenfreude im Quartier
Ein Abend der besonderen Art – Musikalische Begrüßung, Künstlerische Performances von Labyrinth-Ensemble, portugiesische Tellerkunst, ein Sprechkunstbeitrag und Bossa Nova-Musik
(ab März einmal im Monat mit jeweils wechselndem Programm)

Samstag 22.02.2020
10:30 Uhr Figurentheater für Kinder (4 – 10 J.)
‚Nicht ohne mein Kamel‘ von & mit Suleika und Anja Müller
11:30 Uhr Figurenbauworkshop für Kinder (4 – 10 J.)
Schattentheaterbau To Go Leitung: Anja Müller
14 Uhr ‚Accessoires aus Kaffeesäcken’ | Upcycling-Workshop für Jugendliche und Erwachsene, Leitung: Irene Selorm Abiti
16 Uhr ‘Verwandlungskünstler Glühbirne‘| Upcycling-Workshop für Jugendliche und Erwachsene, Leitung: Irene Selorm Abiti
19 Uhr ‚Nachhaltiger Konsum und globale Zusammenhänge‘
Ein Vortrag von Nikolai Fuchs
Nachhaltiger Konsum ist ein entscheidender Mitbestimmer über unsere Zukunft – über Klimawandel, Artensterben – und letztlich auch Migrationsströme. Was bedeutet das fürs Kulturcafé?

Sonntag 23.02.2020
10 – 12 Uhr Performancebrunch (ab März einmal im Monat)
13 Uhr Vernissage Labyrinth 2012 – 2020
Patrizia Birkenberg spannt über Bilder, Kurzfilme und
Dokumentationen einen unterhaltsamen Bogen über 8 Jahre Labyrinth.
16 Uhr Musikperformance – Labyrinth Ensemble Musik – Abschluss

Öffnungszeiten

Das Kulturcafé ist ab 24. Februar täglich von 10 – 18 Uhr, mittwochs von 8 – 18 Uhr, (außer dienstags) geöffnet.

Alle Termine findet ihr hier.

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