Neu in Stuttgart: Die Eiswerkstatt

Handwerklich gut gemachtes Eis ist in Stuttgart keine Seltenheit mehr. Und trotzdem ist die Eiswerkstatt in Degerloch – und Neuzugang auf der Westallee – etwas Besonderes, vor allem auch wegen Sebastian Kern. Der Agraringenieur wollte etwas Eigenes starten, dabei heraus kam eine Eiswerkstatt.

Stuttgart – Like the italians do – die Rede ist von Eis und das können die ragazzi bekanntlich verdammt gut. Doch dolce vita geht auch in Stuttgart, wie wir bereits wissen, besonders aber auch im Hinterhof der Eiswerkstatt in Degerloch, wo uns Sebastian willkommen heißt. Es gibt Espresso aus einer Kaffeemaschine aus den 60er Jahren und natürlich einige „Probierele“ verschiedener Eissorten, die aktuell unter anderem auch in Nachtschichten für die Westallee hergestellt werden. Natürlich vom Eisfachmann höchst persönlich, der den Zutaten jede Menge amore und passione beimischt – che bello. Gelernt hat er das Eismachen übrigens in Italien. Natürlich spricht er fließend italienisch und kennt sich als Agraringenieur auch bestens mit Geographie und Lebensmitteln aus. Läuft. Aber jetzt erstmal zurück auf Anfang.

Der Weg zur Eiswerkstatt – über Italien

Aufgewachsen in Reutlingen zog es den 31-Jährigen schon des Öfteren nach Italien, fürs Studium aber zunächst einmal nach Stuttgart. Sebastian wusste lange nicht, was er eigentlich mal werden und machen wollte. Aus Verlegenheit, wie er selbst sagt, habe er angefangen Agrarwissenschaften an der Uni Hohenheim zu studieren, am Ende entpuppte sich die Wahl des Studiums als Glücksgriff – „und jetzt bin ich Agraringenieur“, so Sebastian, ein bisschen stolz und etwas bescheiden.

Und wie sollte es weitergehen? Zunächst ganz gemütlich – als Beamter in der Verwaltung – so der Plan. „Das hat aber nicht geklappt.“ Daraufhin habe er viele Bewerbungen geschrieben und sei irgendwann auf eine Stelle gestoßen, die sein Interesse weckte. Die Stellenbeschreibung: Qualitätsmanager für Bio-Obst und -Gemüse in Italien. „Und weil ich mein Auslandsemester bereits in Italien gemacht habe und italophil bin, habe ich die Stelle angenommen.“ Diese habe sich dann aber als Achterbahnfahrt erwiesen, nach zwei Jahren war Schluss mit dem stressigen Auf und Ab.

Was nun, wenn weder die Arbeit als Beamter noch in einem Konzern für einen in Frage kommt? „Ich wollte irgendwas Cooles, Verrücktes machen“, erinnert sich Sebastian. Über einen Bekannten erfuhr er von einem Eismacher namens „Frederiiiiico“. Nach einem einstündigen Telefonat und einem Gespräch mit seinen Eltern, dachte sich der motivierte Blondschopf: „Joa, wieso eigentlich nicht.“ Es folgte der einmonatige Besuch einer Schule in Brescia, um ihn herum jede Menge junge Leute, die eine Eisdiele eröffnen wollten.

Eis zu machen, ist nicht ohne!

Täglich wurden zehn bis zwölf Eissorten kreiert, in einem Mini-Hörsaal mit Küche und einer Lehrerin, die selbst eine Eisdiele am Gardasee hat – „das war total abgefahren.“ Und wie hat sich Sebastian angestellt? „Eismachen ist nicht ohne“, betont der 31-Jährige. Viel Theorie, Chemie, man sei nur am Rechnen, aber es habe ganz gut geklappt – offensichtlich.

„Beim Eismachen kann viel schiefgehen, ganz anders als beim Kochen zum Beispiel.“ Soweit also die Theorie – und wie sah es mit der Praxis aus? In der Eisdiele von Frederico in Turin und einer der besten Eisdielen Italiens von einem ehemaligen Dozenten sammelte Sebastian die nötige Erfahrung, die ihm noch fehlte.

Dann ging alles recht schnell. Doch schnell bedeutet oft nicht unbedingt easy. Die Locationsuche war eine echte Herausforderung. Auf den Standort in Degerloch kam Sebastian nur, weil er selbst mal ein paar Häuser weiter in einer WG gewohnt hatte und wusste, dass die Räumlichkeit frei geworden war. „Und mein Gedanke war sowieso, ich brauche erstmal etwas, wo ich produzieren kann und fahre dann mit dem Eis-Fahrrad durch die Gegend“, erklärt der Eismacher seinen Ursprungsplan. Mit der fahrenden Eisdiele ist er erstmals auch bei der Westallee dabei, aber das nur nebenbei.

Gesucht: Neue Location

Im März 2019 wurde aus einer ehemaligen Tapasbar die Eiswerkstatt. Und das alles innerhalb eines Monats. Zack Zack. Manchmal braucht’s den Stress, damit man Dinge auch wirklich anpackt, das weiß auch Sebastian. „Aber die Eröffnungsfeier war super cool“, freut er sich. Und weil sich alle so wohlfühlten, vor allem in dem Hinterhof, der mehr als „toskanesk“ anmutet, sollte die Eiswerkstatt in Degerloch auch zu mehr dienen als zum Produzieren von Eis. Bei Sebastian und seiner Eiswerkstatt steht übrigens das Handwerk und traditionelle Eissorten ohne Zusatzstoffe im Vordergrund.

Und was hat es mit der Sorte „Marianne Rinderknecht“ auf sich? Das ist Sahneeis mit Mandelkrokant – mehr muss man nicht wissen. „In Marianne haben sich schon einige Kunden verliebt“, betont Sebastian lachend. Das verwundert bei der Kombi keinen.

Was gibt es sonst noch zu sagen? Der 31-Jährige sucht für seine Eiswerkstatt eine neue Location, weil die jetzige abgerissen werden soll. Wer was weiß, schreibt dem Eismacher am besten direkt über:

post@eiswerkstatt-stuttgart.de oder Instagram

Eiswerkstatt: Löwenstraße 46 A, Degerloch – Öffnungszeiten: Freitag – Sonntag (+ Feiertage) 11 – 20 Uhr – mehr Infos: www.eiswerkstatt-stuttgart.de

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