Motor City Drum Ensemble: „Für mehr kulturelles Angebot im Stuttgarter Umland!“

Einer der gefragtesten Underground-DJs dieses Planeten, Motor City Drum Ensemble, spielt nach fünf Jahren erstmals wieder in seiner Heimat. Doch nicht in Stuttgart sondern in Schwäbisch Gmünd. Im Interview hat er uns auch verraten, warum er für diese Party sogar auf seine Gage verzichtet.

Stuttgart – Wenn Motor City Drum Ensemble in London, Paris oder New York Platten auflegt, sind die Tickets auch mal ausverkauft. Danilo Plessow, geboren in Schwäbisch Gmünd, ist ein taste-maker der weltweiten Clubszene. Plessow ist außerdem ein Aktivist für mehr Toleranz auf den Dancefloors dieser Welt, denn er ist bekannt für die grenzenlose Inklusion sämtlicher Musikrichtungen in seinen DJ-Sets.

Grenzen überwinden: In der Musik sowie in der Gesellschaft!

Grenzenlose Inklusion soll seiner Meinung nach auch beim kulturellen Angebot im Umland der Großstädte gegeben sein. Dafür ist er bekannt geworden, dafür wird er weltweit geachtet. Im Interview plädiert er für mehr kulturelles Angebot im Umland großer Städte, damit keine selbst geschaffenen kulturellen Grenzen entstehen.

Der 34-Jährige hatte in seiner Jugend das Glück, früh von Stuttgarter Musikschaffenden an die Hand genommen worden zu sein. Er durfte seine ersten Veröffentlichungen, bei denen seine Eltern die Plattenverträge unterzeichnen mussten, auf bekannten Labels veröffentlichen und reiste schon als 16-Jähriger regelmäßig zu Gigs ins Ausland. „In Gmünd war ich jedoch ein Alien“, beschreibt er das Gefühl auf dem Land gelebt zu haben.

Trotz der „Jugendkultur-Initiative“ in den 90ern, bei der Plessow in seiner Heimat mitwirkte, war das kulturelle Angebot dennoch mager in Schwäbisch Gmünd. Daher ist er begeistert vom Kulturbetrieb Zappa, der das Großstadtgefühl nun seit zwei Jahren in die Kreisstadt bringt. „Der Club könnte genau so in jeder großen Weltmetropole stehen“, sagt er.

„Kulturelle Grenzen zwischen Land und Großstadt müssen überwunden werden“

„Es herrscht ein extremes Auseinanderdriften der Kulturen von Großstadt und Land, dabei sollte Kultur das Bindeglied sein“, kritisiert Plessow. „Deshalb muss ähnliches Angebot auch auf dem Land gefördert werden. Nicht jeder kann es sich leisten in der Stadt zu wohnen.“ Das ist dem Musiker auch in seiner Heimat aufgefallen. Sein großes Studio befindet sich in Schwäbisch Gmünd. Etwa zwei Monate im Jahr ist er zwischen den Tourneen in der Stadt.

Nach kurzer Zeit ist er in Gmünd schon auf das Zappa gestoßen. Das Programm des Gemeinnützigen Vereins und Kulturbetriebs wird vom Veranstalter des Semf, Cristoforo Marrazzo, geleitet. „Danilo war am Anfang ein bisschen schüchtern, hat es scheinbar aber genossen ins Zappa zu gehen“, erzählt Cristoforo. Sie freundeten sich an. Beide teilen das Ziel Schwäbisch Gmünd auf die kulturelle Landkarte zu bringen. Schorndorf gelingt das mit dem Club Manufaktur seit Jahrzehnten und auch das Komma in Esslingen ist im Umland Stuttgarts bekannt für Kulturprogramm am Puls der Zeit.

Benefiz-Party im Kulturbetrieb Zappa

Am Samstag den 16. Februar, findet nun also eine Clubnacht im Zappa statt, die mühelos auch das interessanteste Event in allen Großstädten dieser Welt sein könnte. „Wir haben Tickets nach Belgien, Frankreich und in die Schweiz verkauft. Menschen reisen aus Hamburg, Köln oder München an“, erzählt Marrazzo. Alle DJs, inklusive der beiden Headliner Motor City Drum Ensemble und Rainer Trüby, verzichten dabei auf ihre Gagen.

„Danilo ist mit der Idee auf mich zugekommen“, meint Zappa-Leiter Marrazzo. Nun kommen die Einnahmen zur einen Hälfte direkt dem sich selbst finanzierten Kulturbetrieb zugute. Mit der anderen Hälfte wird Marrazzo die Umsetzung eines Herzensprojekts fördern. Er will Kreativ-Sommerfeste für Waisen und bedürftige Kinder veranstalten. Bei so viel Initiative und Einsatz können wir nur einmal ganz laute Props nach Swaggish-Gmünd schicken und weiterhin viel Erfolg wünschen.

By the way: Mit dem Intercity fährt man genau 30 Minuten vom Stuttgarter Hauptbahnhof nach Schwäbisch Gmünd. Um 05:54 Uhr fährt die erste Bahn aus Göppingen zurück nach Stuttgart. Es wird sich lohnen!

Foto: Ula Mirowska

Benefiz-Party am 16. Februar 2019

Mit Motor City Drum Ensemble, Rainer Trüby, Blunted Monkz, Janjoulow, Scheru aka. Rudolf Schepp

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