Nackige Monster: Die Filmakademie beim ITFS

Glamour, Preise und Filme unter freiem Himmel sind nur die eine Seite beim Internationalen Trickfilmfestival. Das Event ist auch für Studenten der Filmakademie Ludwigsburg eine wichtige Bühne.

Stuttgart – Jeder, der in diesen Tagen am Schlossplatz unterwegs ist, kann es nicht übersehen: Das Internationale Trickfilmfestival (kurz ITFS) hat wieder seine Zelte in der Stadt aufgeschlagen. Während die einen das Festival vorrangig dazu nutzen, Animations-Highlights auf der großen Leinwand vor dem Neuen Schloss zu genießen, klappern die anderen artig Wettbewerb für Wettbewerb ab. Das heißt, dass sie vor allem sehen wollen, was die Animationsbranche zwischen Hollywood und Filmakademie in den letzten zwölf Monaten so alles gehext hat.

Animations-Verrückte unter sich

Für die Filmakademie Ludwigsburg – insbesondere das Animationsinstitut – ist das ITFS ein wichtiger Ort für dieses Zauberwort namens Networking. Nicht anders bei Juliane Walther. Die 30-Jährige studierte an der Filmaka und belegte den europaweit einmaligen Studiengang „Animations Effects Producing“. Oder mit anderen Worten: Sie spezialisiert sich auf den Nukleus des ITFS – computergenerierte Animationen.

Entsprechend hoch ist der Stellenwert, den sie diesem Branchentreffen beimisst. „Einmal im Jahr kommen all die Verrückten, Chaoten und Genies unserer kleinen Welt an einem Ort zusammen“, sagt sie begeistert. „Denn man trifft Freunde wieder, man tauscht sich über aktuelle Projekte aus und fängt neue Projekte an.“

Juliane Walther (Foto: privat)

Die Filmakademie macht Monster nackig

Für Juliane und ihre Kommilitonen ist besonders ein Termin von zentraler Bedeutung. Am Sonntag, 29. April, zeigt das Gloria-Kino ab 16.25 Uhr ausgewählte Highlights aus der Talentschmiede Filmakademie. Darunter ist auch der wunderbare Kurzfilm „Creature Pinup“, eine Diplomarbeit, an der sie mit einigen anderen Studenten gearbeitet hat. Demzufolge ist das eine große Sache, wie sie betont: „Es ist toll, das Projekt an seinem Geburtsort einem internationalen Publikum zu zeigen. Deshalb sind wir richtig stolz, es im Rahmen anderer internationaler Projekte zu präsentieren.“

Kalenderbild aus „Creature Pinup“ (Bild: Filmaka Ludwigsburg)

Hinter „Creature Pinup“ verbirgt sich Christian Leitners originelle Idee, bekannte Kreaturen der Filmgeschichte bei einem Pinup-Shooting zu begleiten. Der Teaser, der beim ITFS auf der großen Leinwand zu sehen sein wird, zeigt dann auch den feisten Goblinkönig aus Peter Jacksons „Hobbit“. Und zwar von einer ungewöhnlich zaghaften und sinnlichen Seite. „Jede Kreatur, schreit sie auch noch so laut, ist sie auch noch so hässlich, kann mit Charme und Humor jeden zum Lachen bringen“, sagt Juliane dazu. Übrigens sahen das auch die Profis so: Der Film wurde bei den diesjährigen VES Awards, dem Oscar der Animationsbranche, für eine Auszeichnung nominiert.

Die Filmakademie ist europaweit eine der besten Unis für Animation.

Eineinhalb Jahre haben neun Studenten an „Creature Pinup“ gearbeitet. Ein Knochenjob, der allen dennoch riesigen Spaß macht. „Jeder Tag bringt eine neue Herausforderung“, meint die Studentin. „Wie ein Überraschungsei: Man weiß nie was einen erwartet.“ Dass Juliane nach einem bereits abgeschlossenen Studium und einem Intermezzo als Animation-Artist beim Stuttgarter Pixomondo-Ableger (die schon einen Oscar für „Hugo Cabret“ und einen Emmy für „Game of Thrones“ bekamen) nochmal an der Filmaka ein Studium nachlegte, hat gute Gründe. „Die Dozenten kommen direkt aus der Wirtschaft und von großen Unternehmen wie Disney.“ Hinzu kommt der ausgezeichnete Ruf: „Die Filmaka ist europaweit ein der besten Unis für Animation.“

Viel Druck, viel Arbeit

Das bedeutet natürlich auch: Viel Druck, viel Arbeit, wenig Freizeit. „Man muss schon aufpassen“, nickt sie. „Studium und Arbeit können einen schnell verschlingen.“ Also hat sie sich als Ausgleich ein Fotolabor eingerichtet, in das sie sich zurückziehen kann. „Außerdem mache ich gerade meinen Motorrad-Führerschein. Ich freue ich mich jetzt schon auf die Touren.“ Aber jetzt ist erst mal wieder ITFS. Und damit mehr als genug Gelegenheit, Walther und ihren Kollegen bei der Arbeit zuzusehen. Denn der Animationsfilm, so betont sie, erlaube grenzenloses Geschichtenerzählen. „Mit ihm kann ich die tausend spannenden Bilder, die in meinem Kopf sind, auf die Leinwand bringen.“ Beispielsweise die eines fetten Goblins, der urplötzlich sehr, sehr menschlich ist.

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