Miss Universe Germany: Mehr als nur schöne Hüllen

Misswahlen werden kontrovers diskutiert. Für viele halten sie veraltete Geschlechterklischees aufrecht, für die frischgebackene Miss Universe Germany Céline Willers geht es um mehr als die schöne Hülle.

Stuttgart – „Ich esse gerne Döner, habe keinen Bock, Smoothies zuzubereiten und mache auch keine Schminktutorials. Ich will Frauen lieber erklären, wie sie ihr Gehalt verhandeln.“ Céline Willers ist 25 Jahre alt, studiert im Master „Unternehmenskommunikation“ an der Hochschule der Medien in Stuttgart, arbeitet bei einem Wirtschaftsunternehmen, leitet und führt Innovationsworkshops, moderiert und hat ein eigenes LinkedIn-Videoformat „ahead“ entwickelt. Das alles sind Aktivitäten, für die sie viele als „Powerfrau“ bezeichnen würden. Im Kontrast dazu, steht ihr Titel als Miss Universe Germany. Denn bei Misswahlen geht es rein um Äußerlichkeiten – da braucht Frau nicht viel im Kopf haben. Ein Klischee „mit dem endlich aufgeräumt werden sollte“, so Céline.

Persönlichkeit und Misswahlen

„Machen wir uns nichts vor, klar geht es bei einem Schönheitswettbewerb um das Aussehen, aber das ist längst nicht alles“, sagt Céline. Als Teenager träumte sie vom Modeln. „Ich bin halt echt ein Zwerg“. Deswegen googelte sie, wie man trotz einer Körpergröße von 1,71 Meter dennoch Model werden kann. So kam sie also zu Misswahlen. Schon 2009 wurde Céline zur Miss Münsterland gekürt und 2015 nahm sie an der Wahl zur Miss Baden-Württemberg teil. Danach der Cut.

„Ich würde sagen, in einem Schönheitswettbewerb geht es zu 50 Prozent um gutes Aussehen – und schön sind alle Frauen dort. Die restlichen 50 drehen sich aber um deine Persönlichkeit und Ausstrahlung. In dem Miss-Camp damals wurde man rund um die Uhr beobachtet. Wenn man noch sehr jung und unerfahren ist, kann man sich dadurch leicht unter Druck setzen lassen. Am Ende kommt es darauf an, einfach man selbst zu sein. Vor drei Jahren war ich auf der Bühne leider noch viel zu unsicher, um dort mein wahres Ich zeigen zu können.“

Miss Universe Germany: Frauen mit eigenem Business, Kreative, Gründerinnen…

Heute weiß die 25-jährige „Powerfrau“: „Wenn man sich selbst in Frage stellt und mit anderen vergleicht, kann das einen richtig umhauen. Vor allem im jungen Alter. Ich würde empfehlen, sich mit der Teilnahme an Misswahlen Zeit zu lassen, bis man wirklich soweit ist.“ Auch mit der im Kontext gern verknüpften „Stutenbissigkeit“ lässt es sich so besser umgehen: „Ganz ehrlich, Frauen, die sich gegenseitig nichts gönnen oder übereinander herziehen, gibt es nicht nur auf Misswahlen. Bei der Miss-Universe-Germany-Wahl habe ich jedoch viele Frauen kenngelernt, die total interessante Dinge machen und sich gegenseitig supporten. Das sind Frauen mit eigenem Business, Kreative, Gründerinnen – oft wird das einfach vergessen.“

Misswahlen und Emanzipation

Céline Willers ist Miss Universe Germany 2018

Céline findet, dass Frauen auf Misswahlen zu sich und ihrem Körper stehen: „Ja, wir haben Shootings und ja, wir laufen über den Laufsteg. Dabei kommt es aber nicht darauf an, „sexy“ zu sein, sondern ausdrucksstark.“ Emanzipation und Misswahlen schließen sich für Céline nicht gegenseitig aus:

„Ich finde, dass sich einiges gewandelt hat. Frauen sind emanzipiert und nun am Zug, sich das zu nehmen, was ihnen zusteht. Sie müssen nur das nötige Selbstbewusstsein aufbringen und gewillt sein dafür einzustehen. Ein Miss-Titel kann genutzt werden, um die richtigen Botschaften zu platzieren. Mich treiben andere Themen an als Beauty und Fashion – da sollten nicht nur Sponsoren umdenken.“

Im Dezember tritt Céline, die in den Medien gerne als „die schöne Blondine“ vorgestellt wird, für Deutschland bei der Wahl zur schönsten Frau der Welt in Bangkok an. Ob ihre Mitstreiterinnen ähnlich denken und den Titel von Klischees befreien wollen? Für das Standing von Frauen in Schönheitswettbewerben wäre das jedenfalls sehr wünschenswert.

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