Miriam Abdelmoula über Technik, Kunst und Mutterglück

Wie lassen sich ein Job in der Technik-Wissenschaft, die Leidenschaft für Kunst und das Leben als alleinerziehende Mutter miteinander verbinden? Das hat uns Miriam Abdelmoula bei einem netten Plausch vor ihrer Ausstellung am Samstag im Art & Antik in Stuttgart-Ost erzählt.

Stuttgart – Sie kam mit einem Hochbegabten-Stipendium nach Deutschland, studierte Luft- und Raumfahrttechnik an der Uni Stuttgart und promovierte im Bereich Thermodynamik und Strömungsmechanik. Heute arbeitet Miriam Abdelmoula bei einem großen Automobilkonzern, widmet ihr Privatleben aber nur allzu gern und besonders leidenschaftlich der Kunst. Uns hat die gebürtige Tunesierin verraten, wie gut sich Technik, Kunst und Mutterglück miteinander verbinden lassen und warum sie am meisten Angst davor hat, ihre Identität zu verlieren.

Spannungsfeld: Zwischen Technik und Kunst

Es ist nicht das erste Mal, dass Miriam im Art & Antik ausstellt. Der Kontakt zu Sarah Haberkern, die mit ihrer Galerie vor geraumer Zeit ins zehnte Jahr gestartet ist, habe sich über Künstler Daniel Geiger ergeben. Man kennt sich, man unterstützt sich in der Kunstszene in Stuttgart – so macht es zumindet den Anschein.

An einem Abend, an einer Wand

Seit ihrem zwölften Lebensjahr tobt sich die 33-Jährige künstlerisch aus, kann mittlerweile auf eine stolze Anzahl an Ausstellungen zurückblicken. Bereits in Tunis machte sie in den Ateliers der großen Meister Mhamed Mtimet und Laetitia Di Maccio auf ihre Kunst aufmerksam, stellte später in Gruppen- und Einzelausstellungen von Tunis über Reutlingen bis Stuttgart aus. Hier im Kessel waren ihre Werke außerdem bei der Langen Nacht der Museen 2014 zu sehen.

Dabei habe sie selten Druckgrafiken und Radierungen ausgestellt, so die gebürtige Tunesierin. „Dieses Mal habe ich mich aber dafür entschieden, Radierungen zu zeigen – monochrome Werke, die von der Textur leben.“ Miriams Kunst bewege sich zwischen Figuren- und Wüstennarration, ihre Technik zwischen Malerei, Acryl und Tiefdruckradierungen.

Ich brauche die Kunst, weil sie eine Leidenschaft, ein Teil von mir ist und mich erfüllt.

Ihr Leben – ein Spannungsfeld

Doch es ist nicht nur die künstlerische Facette, die ihr Leben so aufregend und spannend macht. Es ist vielmehr ein Dreigestirn aus Technik, Kunst und Mutterglück, das Miriams Alltag beschreibt. Emotionalität trifft auf Rationalität – und lässt sich tatsächlich ganz gut vereinen. Das eine der Job, das andere die Leidenschaft, ganz einfach.

Doch etwas bleibt dabei auf der Strecke…

Angst, die Identität zu verlieren

Miriam kam nach Deutschland mit einem Stipendium in der Tasche, einer Art Eintrittkrarte, um sich im technischen Bereich aus- und weiterzubilden. Das Praktikum in einer Gießerei in Hannover sei der erste Kulturschock gewesen. „Ich war die einzige Frau, neben den Pin-up-Girls an der Wand.“ In Tunesien seien viel mehr Frauen in den Ingenieurwissenschaften vertreten, was aber auch der wirtschaftlichen Situation/Not im Lande geschuldet sei.

Das Element Wüste taucht in Miriams Bildern immer wieder auf – ein Bezug zu ihren Wurzeln in Douz, dem Tor der Sahara. „Der Baum“ ist das erste Bild, das die 33-Jährige in Deutschland gemalt hat.

Miriam Abdelmoula

In Deutschland müsse sie sich als Frau in einem technischen Beruf mehr durchkämpfen. „Ich bin immer wieder erstaunt. Dafür habe ich hier aber auch andere Freiheiten, vor allem im künstlerischen Bereich“, freut sich Miriam. „Ich versuche bei der Kunst immer am Ball zu bleiben, Gedanken und Gefühle bestimmen bei mir den Drang, künstlerisch tätig zu werden.“ Doch damit etwas zu verarbeiten, sei nicht zwangsläufig der Fall, betont die 33-Jährige. Vor allem nicht, was ihren kulturellen Background angeht. „Eher meine innere, persönliche Reise durch das Leben und die neuen Blickwinkel, Perspektiven, die ich hier erfahre.“ Miriam ist komplett in Deutschland angekommen. Sie sei aber sowas von angepasst. „Dass ich mich frage: Was ist von meiner Identität noch übrig geblieben. Und ich grabe danach?!“ Unter anderem auch mit der Kunst. Seit vierzehn Jahren ist die Ingenieurin nun in good old Germany.

Ich habe die Fähigkeit, ich kann mich unglaublich gut anpassen, aber das ist auch gefährlich, den man kann sich dabei auch verlieren.

Deshalb hat sich Miriam auf eine innere Reise begeben, auch weil sie Mutter geworden ist, mit dem Gedanken: „Was gebe ich meiner Tochter weiter, eben auch von meiner Identität.“ Man darf also gespannt sein, wohin diese Reise noch führt und was die künstlerische Suche und das kreative Austoben noch so hervorbringt. jetzt erstmal eine Ausstelung in der Galerie Art & Antik.

Alle Infos dazu gibt’s hier >>>

Art & Antik

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