Mehr Dates und weniger Single-Dasein

Alles neu macht der Januar! Auch Vorsätze, denn entgegen dem Trend hat sich unsere Autorin dieses Mal welche gesetzt – für mehr Dates und weniger Single-Dasein.

Stuttgart – Vielleicht wird aus dieser Single-Kolumne ja noch in diesem Jahr eine Pärchen- oder Beziehungskolumne. Pärchen – was ist das allein für ein Wort? Wieso muss die Verbindung von zwei Menschen, die sich im vollen Bewusstsein ihrer geistigen Kräfte (und der vermutlich enormen körperlichen Anziehung) füreinander entschieden haben, in der Verniedlichungsform ausgedrückt werden. Man würde nie auf die Idee kommen, „Beziehungchen“ zu sagen. Eben im Praxistest stellte sich auch heraus: der ist einfach viel zu kompliziert. Aber auch „Ehechen“ wäre keine Option. Pärchen nimmt man nicht mal mit in andere Bereiche des Lebens. Oder hat jemand schon Mal eine Person beim Metzger ein Pärchen Saiten bestellen hören? Genauso würde man nicht mal im Schwäbischen sagen: „Sie sind aber ein schönes Pärle.“ Beziehungen sind meine Pärle. Und genau deswegen bin ich hier.

Blinded by the light

Denn ich bin in der emotionalen Zeit zu Weihnachten und dem Jahreswechsel, dem symbolischen Neuanfang alle 365 Tage, ehrlich mit mir ins Gebet gegangen. Und musste zu meinem Erschrecken feststellen: es liegt an mir. Also nicht an MIR mir, denn ich bin eigentlich eine ziemlich gute Person. Aber so an meiner Einstellung. Denn was für den Grinch Weihnachten ist, das ist für mich der Wahnsinn bestehend aus dem Streben nach Zweisamkeit. Ob via Tinder, dem peinlichen Versuch, von Freunden verkuppelt zu werden oder am Morgen danach mit der Frage „Was sind wir jetzt?“, während ich verzweifelt versuche, mich an seinen Namen zu erinnern: so ein Kennenlernen gehört einfach nicht zu meinen Stärken.

Kennenlernen an sich – das ist wirklich nicht schwer. Es beginnt meist mit einer förmlichen Begrüßung und meistens weiß man schon beim Handschlag, ob man sich riechen kann oder nicht. Wenn ja, dann folgt man sich auf Instagram. Wenn nicht, folgt man dem anderen auch, aber eher aus niederen Absichten. Sobald aber ein Kennenlernen mit einem potenziellen Partner(chen) stattfindet, geht das Scheinwerferlicht an. Jede Nachricht, jede Handlung, ja jeder Atemzug wird aufs Genaueste untersucht und durchleuchtet. Da hat der aber 0,37 Sekunden gezögert, bevor er deine Frage nach einem Treffen bejaht hat. Ha, hätte man da schon wissen können, dass das eh nichts wird! Während manche Leute im Scheinwerferlicht aufleuchten, verhalte ich mich eher wie ein Reh vorm Auto.

(Fast) alles ist okay!

Weil ich im neuen Jahr aber auch zu Spieleabenden und Kaffee-und-Kuchen-Nachmittagen gehen möchte, ohne mitleidige Blicke zu ernten oder mich dem Drang zu ergeben, heimlich auf dem Klo eine Flasche Wein zu exen, habe ich einen Entschluss gefasst: 2019, ich habe Vorsätze! JA zu Dates! NEIN zu Overthinking! Und einfach mal VIELLEICHT zu der Frage, ob das „was ist“. Denn manchmal muss man an die Macht der Glückskekse glauben. Und wenn ich Veränderung will, dann muss ich die Veränderung sein. Und ich will etwas ändern. Ich werde in Zukunft nur noch aus einem Grund heimlich Wein trinken: einfach weil ich es will!

Heißt jetzt nicht, dass ich es mir zum Ziel gesetzt habe, mir in 360 Tagen einen Ring anstecken zu lassen. Viel eher will ich es wie die schlauen Naturwissenschaftler handhaben. Wenn sich ein Problem auch nach dem 35sten Mal nicht auf die eine Art lösen lässt, dann vielleicht mal einen neuen Ansatz versuchen. Perspektivwechsel, ja für die Erkenntnis musst du dich in der Brigitte erstmal durch einen mehrseitigen Psychotest arbeiten.

Wenn also Freunde zufällig noch jemanden zum Essen eingeladen haben, ist es okay und ich kann ehrliches Interesse heucheln. Wenn ich jemanden beim Ausgehen kennen lerne, reicht es für den ersten Abend völlig aus, wenn er meine Nummer hat. Er muss nicht direkt wissen, wie das Innere meiner vier Wände aussieht. Und wenn im Supermarkt zufällig jemand zeitgleich nach der letzten Packung Parmesan greift … ok, lasst uns ehrlich sein. Das passiert wirklich nie! Nur auf eine Sache werde ich mich mit absoluter Sicherheit nicht einlassen: Wenn meine Mutter von einer Freundin erzählt, die auch einen wirklich netten Sohn hat. Aber der wichtigste Vorsatz: Wenn es sich gut anfühlt, dann mache ich den Scheinwerfer aus. Ich gönne mir den Luxus, ihn so unvoreingenommen wie andere Leute kennen zu lernen. Ohne Druck, ohne Erwartung, und ohne Homer Simpson im Brautkleid als GIF. So lange, bis er sein wahres Gesicht zeigt und fragt, ob wir uns auf ein Bierchen treffen wollen. Argh!

Über die Autorin

Hing sie früher an Jürgen von der Lippe, hängen ihre heute an Schnaps und schönen Floskeln. Damit ist sie leicht zu ködern, schwer zu ertragen und unmöglich zu halten. Oder doch? Denn verknallen geht schnell, verschwinden aber genau so. Zurück bleibt ein Rattenschwanz – manchmal mit Herzschmerz, manchmal als schöne Erinnerung und manchmal nur mit der Frage, wie das schon wieder passieren konnte?

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