Mehr als ein Kiosk: Cornern am Laden in Stuttgart-West

Der Laden in Stuttgart-West ist mehr als ein Kiosk. In Zeiten von Corona, Maskenpflicht und Sicherheitsabstand wird der familiengeführte Spot zum Lichtblick vieler Stuttgarter – dank positiver Vibes, Musik und (wenn auch nur) einem Hauch von Normalität.

Stuttgart – „Der Laden“ ist Familybusiness unter der Führung von „Head-of“ La Mamita Teresa Kunz, Papa Robert Kunz, Andreas Kunz mit Sohn Carlos, Schwester Claudia Kunz und nicht zu vergessen – Hund Luke (auch ein ‚Kunz‘ versteht sich). Alle sind übrigens „echte Weschtler“. Schon die Oma lief damals mit dem Stöckle zum Geschäft. Seit Mitte April hat der Spot an der Rötestraße einen freshen Instagram-Auftritt und neuen Namen. „Vorher hatten wir keinen. Zuhause hieß es immer nur: ‚Mama ist im Laden.‘ Also heißt der Laden jetzt auch Laden.“ Und genau dieser ist für viele aus dem Viertel gerade eine herbeigesehnte Anlaufstelle – für Bier, Tabak oder eben einfach zum Quatschen.

Der Laden: Ein Treffpunkt in der Krise

„Wir alle sind momentan eingeschränkt. Menschen laufen wie Zombies aneinander vorbei und sind angespannt. Man merkt, dass etwas fehlt.“ Also wurde im Laden die Musik aufgedreht, neue Produkte ins Sortiment genommen und siehe da: Die Leute sind wieder aufgewacht.

Dafür sei ein Kiosk ja auch da – zum Austausch, als Treffpunkt für Jung und Alt. „Viele kommen täglich, eben weil man einander grüßt und sich dann irgendwie auch schneller kennenlernt.“ Kurz wird diskutiert: „Aber es ist jetzt auch kein klassischer Kiosk“, sagt Andreas. Schwester Claudia steigt mit ein: „Es ist einfach ein Laden.“ Mit Tabakwaren, Paketshop, Getränken, Zeitungen, Zeitschriften und viel Sonne vor der Tür.

„Vor allem in den vergangenen Wochen, als es draußen so schön warm war, saßen die Menschen sogar mit Decken vor dem Laden und auf der Straße.“ Natürlich mit Abstand. Darunter Familien mit kleinen Kindern, Studenten, der Büroangestellte genauso wie Musiker und Kreative. Da wird dann auch schon mal der Klapptisch ausgepackt, Pizza geordert oder nach Kölsch gefragt.

Menschen brauchen das Miteinander 

Es sei das Miteinander, trotz Abstand und Krise, was die Menschen jetzt brauchen. „Man merkt, dass sie Bock darauf haben“, stellt Andreas fest.

So gab es bereits viele Anfragen von Musikern aus dem Viertel, die planen, die Ecke an der Rötestraße zu bespielen. Die Bank gleich vor dem Laden wäre auf jeden Fall der passende Spot dafür. „Wir überlegen auch, Konzerte im Laden zu veranstalten und live zu übertragen.“

Frischer Wind fürs Viertel

Doch jetzt erstmal Corona durchstehen, alles step by step – so wie es im Kessel eben läuft. Auch Claudia weiß: „Das Viertel verändert sich – langsam kommen mehr Cafés, Unverpackt-Läden, usw. Hier entwickelt sich was, aber eben slowly, slowly.“

Man versuche mit Öffnungszeiten zu experimentieren. Immerhin lohnen sich im Frühling und Sommer vor allem die lauen Abendstunden. Andreas lacht: „Mama Teresa schließt ihren Laden aber trotzdem pünktlich um 7.30 Uhr auf jeden Tag, daran wird sich wahrscheinlich nie etwas ändern.“

Die Gäste wollen auf alle Fälle mehr und wünschen sich: „Bitte macht auch nach der Krise genau so weiter.“ Und vielleicht ist es genau das, was man aus einer Situation wie dieser mitnehmen kann.

Aktuell sei die Nachfrage so groß, dass sogar ein neuer Kühlschrank her muss, der mit Bier und Weinschorle gefüllt wird. Auch über ein Kaffee-Angebot denke man auch nach. Generell ist Familie Kunz sehr offen für die Zusammenarbeit mit Stuttgarter Locals.

Hauptsache das Viertel blüht auf. Davon profitieren nämlich alle – sowohl die Ladenbesitzer als auch Anwohner. „Wir müssen es wenigstens versuchen“, so Claudia.

Mehr aus dem Web