Meditation: Achtsamkeit in den Alltag integrieren

Achtsamkeit im Alltag, das muss man lernen. Mathias Feil bietet mit seinen Offenen Meditation-Sessions im Studio Milk und das Lehni einen Raum zum Ausprobieren. Einfach mal in sich hineinzufühlen, wie soll das gehen? Mathias sagt: mit Geduld und Vertrauen.

Stuttgart – Erst seit wenigen Monaten bietet Mathias Feil die Offene Meditation im Kessel an. Jeden Montagabend ab 19 Uhr im Lehni und Mittwoch, in der Mittagspause, zwischen 12.30 Uhr und 14 Uhr im Studio Milk in der Paulinenstraße. „Für mich ist das eine Art Pilotphase“, so der MBSR-Coach. Bis zum 5. Juni dauert diese noch an. Danach geht es für Mathias erst einmal selbst in eine Retreat-Phase. Denn Achtsamkeit bedeutet Arbeit. Arbeit, die im Alltag weitergeführt werden muss – auch von Erfahrenen.

Achtsamkeit: Kein „spiritueller Quatsch“

Achtsamkeit heißt, sich bewusster zu werden, welche Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen wir haben und was um uns herum tatsächlich geschieht. Als Coach bietet Mathias mehrwöchige Kurse an, um den Teilnehmern einen „Handwerkkoffer“ dafür mit auf den Weg zu geben. „Das sind unter anderem Übungen zur Körperwahrnehmung oder geführte Meditationen, die in den Alltag integriert werden können.“

Mit seinen offenen Stunden will er nicht nur Interessierten die Chance geben, sich auszuprobieren, sondern auch zeigen, dass Achtsamkeit kein Humbug ist. „Es geht darum, dass Achtsamkeitsübungen auch dazu geeignet ist, mit sich selbst in Kontakt zu kommen“, so Mathias.

Warum also nicht in der Mittagspause einfach mal Ruhe finden, statt sich beim Lunch vollzustopfen (und im schlimmsten Falle auch noch über die Arbeit zu sprechen)? „Vor allem in der Mittagsmeditation achte ich darauf, dass wir uns entgegen des Büroalltags mehr bewegen und das Körperbewusstsein aktivieren.“

Jede Session – egal ob am Montagabend oder zur Lunch Break am Mittwoch – wird von Mathias individuell gestaltet. Für neue Gesichter gibt es eine kleine Einführung, den anschließenden Ablauf hält sich der Coach offen: „Manchmal folgt eine Liegemeditation, mal eine Yogaübung. Ich versuche da zu variieren.“

Mehr Freiheit durch Achtsamkeit

Mathias hat sich schon jung mit dem Thema Achtsamkeit beschäftigt. Auf einer Reise nach Bali und Malaysia ist er zum ersten Mal mit dem Buddhismus in Kontakt gekommen. 2015 bemerkte er, dass ihn sein Job als Projektmanager krank machte – Burnout.

„Ich wollte kündigen, aber merkte, dass ich mich selbst ja mitnehme. Die äußeren Umstände haben sich geändert, aber nicht, wie ich auf ähnliche Situationen reagieren werde.“

Durch einen Zufall trat zu diesem Zeitpunkt MBSR in sein Leben.  Heute ist Mathias Feil selbstständig – als MBSR-Coach und nebenbei arbeitet er auch in seinem alten Job als Projektmanager weiter.

Er zieht Resümee: „Ich habe mich sehr lange selbst gefangen gehalten. Denn es ist deutlich mehr Freiheit für mich da. Wir alle sind in einem Fluss, der mal reißend ist, mal langsam. Wir müssen nur lernen darin zu schwimmen.“

Achtsamkeit in den Alltag integrieren

Selfcare ist zwar der Instagram-Hashtag schlechthin, doch leider fällt es den meisten schwer, wirklich in sich hineinzuspüren. Wie schafft man es dennoch, Achtsamkeit in den eigenen Alltag zu integrieren?

„Mit bewussten Pausen, Übungen, Vertrauen und Geduld.“

Die einzige Regel: „Nimm wahr! Denn wir haben alles zur Verfügung, um bewusst wahrzunehmen. Egal ob wir am Schreibtisch sitzen und unsere Füße spüren, einen Tee holen oder Kaffee trinken. Das, was wir empfinden, ist die Realität und diese hilft, um uns selbst mehr spüren zu können, vor allem im Alltag.“

Es geht also nicht darum, Stress auszublenden, sondern das Negative wahrzunehmen, es zu umfassen und zu akzeptieren.

Dafür gibt es keine Formel, jeder reagiert anders. Nicht nur der Atem ist ein wichtiger Indikator, auch die Gefühle, die wir in bestimmen Momenten haben, helfen uns achtsamer zu werden: „Ist man eher ängstlich oder fühlt man sich gestresst? Was hilft jetzt? Was entspannt? Was ermutigt?“

Bis dahin bedarf es viel Übung – „es ist nicht wie im Fitnessstudio, dass man einen sofortigen Effekt spürt. Erst durch Vertrauen und das aktive Anwenden im Alltag selbst, machen sich erste Erfolge bemerkbar.“

Offene Meditationen mit Mathias Feil

Jeden Montagabend, ab 19 Uhr, Das Lehni: Lehenstraße 7, 70180 Stuttgart

Jeden Mittwoch, 12.30 – 14 Uhr, Studio Milk: Paulinenstraße 18a, 70178 Stuttgart

Foto: Laura Müller-Sixer

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