Levin Goes Lightly: Der spannendste Pop-Act der Stadt

Nonchalant, sinnlich, androgyn und wohltuend melancholisch: Levin Goes Lightly setzen mit ihrem neuen Album „Nackt“ eine neue Bestmarke in Stuttgart. Das Stadtkind hat die schillernde Figur Levin Stadler mal genau unter die Lupe genommen.

Stuttgart – Unter den vielen besonderen Bands, die unsere Stadt in den letzten Jahren hervorgebracht hat, nehmen Levin Goes Lightly seit jeher eine Ausnahmestellung ein. Ursprünglich erdacht als Kunstfigur des Künstlers und Kommunikationsdesigners Levin Stadler, ist das einstige Soloprojekt mittlerweile zur Band angewachsen, der Geheimtipp aus dem Umfeld der Waggons zum Popkultur-Phänomen geworden. Jetzt liegt mit „Nackt“ das jüngste Werk des Trios vor. Und brilliert mit deutschen Texten, einnehmend-melancholischer Atmosphäre und einem berauschenden Cocktail aus Wave, Post-Punk, NDW und Trap.

Schillernde Galionsfigur

An seiner Seite stehen dem 28-Jährigen mit Paul Schwarz und Thomas Zehnle zwei jener Figuren, die aus Stuttgarts Musikszene nicht wegzudenken sind; Projektionsfläche, Galionsfigur und Identifikator bleibt dennoch Stadler, der in der Rolle des Levin Goes Lightly lange genug mit David Bowie verglichen wurde. Längst ist dieses Projekt über Vergleiche dieser Art hinausgewachsen und zu Stuttgarts derzeit spannendstem Pop-Act herangereift. Am 13. Juni tritt er mit Band bei Sound of Stuttgart im Stadtpalais auf, das Stadtkind hat ihn davor zum Interview getroffen.

Am Anfang war Kurt Cobain

Seit wann lebst du in Stuttgart? Ich lebe seit acht Jahren hier. Ausschlaggebend war mein Studium an der Kunstakademie Stuttgart.

Wo bist du aufgewachsen? In einem Kaff in Bayern, irgendwo zwischen München und Nürnberg.

Welche Musik hat deine Jugend mehr geprägt als alles andere? Bis ich 16 Jahre alt war definitiv Nirvana – oder die Person Kurt Cobain an sich.

Wann hast du das erste Mal daran gedacht, Musiker zu werden? Mit 14 Jahren hat mich mein Bruder in einen Gitarrenladen in München mitgenommen. Ab diesem Zeitpunkt habe ich ernsthaft daran gearbeitet, Musiker zu werden.

Und wann war dann die offizielle Geburtsstunde von Levin Goes Lightly? 2014 bei meinem ersten Konzert an den Waggons, nachdem ich ein halbes Jahr an Songs in einem Zugwaggon gearbeitet habe.

Das Umfeld in Stuttgart spielt schon eine Rolle

Wie wichtig ist der Ort, an dem du dich aufhältst, für deine Musik? Weniger wichtig. Das Umfeld in Stuttgart spielt aber schon eine Rolle: Die Konzerte und Menschen hier, die einen mit guter Musik versorgt haben.

Es ist ja ein altes Klischee, dass man sich darüber wundert, dass Bands wie ihr, Die Nerven oder Karies aus einer Stadt Stuttgart kommen können… Ich habe mich darüber eigentlich nicht so gewundert. Es ist ein ziemlich bunter Haufen an interessanten Leuten hier – oder es war. Gute Leute, die zufällig aus derselben Stadt kommen und zur gleichen Zeit am gleichen oder an ähnlichen Orten waren.

Welche Orte in der Stadt spielen für die Karriere von Levin Goes Lightly eine besondere Rolle? Die Waggons, Second Hand Records, die Steinstraße, der Kunstverein Wagenhalle, das White Noise, das Merlin… und das Maritim Hotel.

Erst Langeweile, dann Fieber

In welchem Gemütszustand entsteht der Großteil deiner Musik? Zunächst ist da ein Zustand der Langeweile. Dann fiebriges Arbeiten.

Du hast an der Kunstakademie studiert. Was hast du aus dieser Zeit mitgenommen? Alles. Ein Professor hat mich sogar damals dazu animiert, nicht nach Leipzig zu gehen, sondern lieber wieder ein Musikprojekt zu starten.

Levin Goes Lightly ist dennoch mehr als ein reines Musikprojekt. Begreifst du die Band eher als Gesamtkunstwerk aus Musik, Visuellem, Text und Bewegtbild? Ich begreife mich selbst als jemand, der sich selbst nicht als reiner Musiker versteht oder dies auch gar nicht kann. Ich bin an zu vielen Dingen interessiert, mache alles bei meinem Projekt selbst oder in Zusammenarbeit mit anderen Leuten: Videodrehs, Plakat-Entwürfe oder T-Shirts. Meistens fotografiere ich mich auch mit dem Selbstauslöser.

Perfekte Arbeitsbedingungen

Womit kann die Stuttgarter Musikszene glänzen? Mit den Bands, die in den letzten Jahren hier entstanden sind und die auch im Allgemeinen bekannt sind als die „Stuttgarter Szene“: Human Abfall, Die Nerven, Karies, JFR Moon, Mosquito Ego, Wolf Mountains, die Tremolettes und so weiter und so fort.

Viele deiner Kollegen sind nach Leipzig oder Berlin gezogen. Wieso bist du noch hier? Ich habe hier immer noch gute bis perfekte Arbeitsbedingungen, werde aber nicht für immer hierbleiben.

www.tapeterecords.de/artists/levin-goes-lightly

 

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