Let’s talk about Freund-
schaften

In der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth schreibt unsere Autorin über psychische Gesundheit und Krankheit, den Alltag damit sowie all die kleinen und großen Hürden im Leben. Diesmal geht es um Freundschaften und damit intensive Beziehungen, an denen man auch arbeiten muss.

Bremerhaven/Stuttgart – Man geht davon aus, dass der Durchschnittsmensch drei enge Freundschaften hat. Nach Psychotherapeut Dr. Wolfgang Krüger sind es allerdings noch mehr. Drei enge Freunde, zwölf Kumpels, die man auch zum Geburtstag einlädt und dann noch ein soziales Netzwerk zwischen Wohnort, Arbeit und Studium. Klingt erstmal verdammt anstrengend. Wie unterscheide ich Freundschaften? Muss ich das überhaupt? Habe ich genug Freunde? Oder zu wenige? Wie vereint man Karriere, Partnerschaft und Freundschaft?

Du bist meine beste Freundin!

Im Kindergarten war das irgendwie leicht, da waren Freunde hauptsächlich der nächste Spielpartner und Kinder, die eben nett waren. Mit zunehmendem Alter wurde es komplizierter. Meine eigene emotionale Instabilität machte es mir schwer Beziehungen aufzubauen, aber noch schwerer sie zu halten.

Erst mit 16 lernte ich dann eine Freundin kennen, mit der ich heute noch befreundet bin. Meine älteste Freundschaft. Ich finde ja, Freundschaften messen sich nicht an Zeit, aber natürlich spielt die Länge der Bekanntschaft eine Rolle, ob die Freundschaft auch schwere Phasen überstehen kann.

Freundschaften fließen und fließen lassen

Ähnlich wie Dr. Krüger sehe ich allerdings: Es gibt verschiedene Freunde für verschiedene Bereiche. Denn ich gehe gerne mit manchen Freunden aus, treffe sie zum Kaffee trinken oder lade sie zu meinem Geburtstag ein. Jedoch bespreche ich intime, bewegende und verletzliche Themen lediglich mit meinen engsten Freundinnen. Und das sind an der Zahl fünf, die alle verteilt in Deutschland wohnen. Zu meinem erweiterten Freundeskreis zähle ich viel mehr Leute, die über die Jahre auch gewechselt haben.

Durch die Intensität meiner Gefühle kann ich mir kaum vorstellen, dass eine Beziehung vorbeigehen kann. Das fühlt sich nämlich schlimm an für mich. Je älter ich werde, desto mehr verstehe ich aber, dass das Ende einer Freundschaft kein lauter Knall sein muss. Es muss keinen Streit geben, man hinterlässt keine verbrannte Erde.

Unser Leben ist in ständiger Bewegung. Unsere Prioritäten verschieben sich. Und manchmal denken wir, dass Freunde einfach da sind und bleiben. Aber das stimmt nicht.

Lebensfreude kann man teilen

Freundschaften sind zwischenmenschliche Beziehungen und die sind nun mal nicht immer leicht. In meiner Weltanschauung sind Beziehungen gleichwertig, egal ob diese romantischer, sexueller oder platonischer Natur sind. Wir kommunizieren, wir lachen, wir leiden zusammen, wir sind traurig zusammen. All das sind wundervolle, menschliche Emotionen, die das Leben lebenswert machen. Eine gesunde Beziehung ist geprägt von gegenseitigem Respekt, Ehrlichkeit, Offenheit und einem ähnlichen Humor, zumindest in meiner Welt.

Und wenn man dann jemanden findet, der einen durch einen Lebensabschnitt begleitet, dann ist das spannend, aufregend und tief. Aber genau daran sollten wir festhalten und auch wenn es mal schwierig wird – nicht das Handtuch werfen. Gute Freundschaften vertragen auch mal einen ordentlichen Streit. Solange man sich danach wieder in die Arme nimmt und lieb hat.

Über die Autorin

Mit ganz viel Ehrlichkeit, Feingefühl und Liebe für die Sache schreibt unsere Autorin über das Leben mit psychischen Krankheiten. Warum das nicht immer einfach ist und gegen welche Vorurteile sie ankämpft erzählt sie in der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth

Anmerkung der Redaktion: Wenn du selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leidest oder jemanden kennst, der daran leidet, kannst du dir bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Du erreichst diese telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

Informationen und Hilfe bei Depressionen:
https://www.deutsche-depressionshilfe.de

Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 0800/116 111 Mo. bis Sa. 14-20 Uhr, anonym & kostenlos!

In Stuttgart bietet der Arbeitskreis Leben suizidgefährdeten Menschen, Menschen in Lebenskrisen, Angehörigen, sowie Hinterbliebenen nach dem Suizid eines nahestehenden Menschen Unterstützung an. Telefon  0711/600 620, hier geht es zur Internetseite >>>

Kassenärztliche Therapeuten in Deutschland:
http://www.kbv.de/html/arztsuche.php

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