Leihen statt Kaufen: In Stuttgart eröffnet der erste Leihladen

Sharing is caring! Im Stuttgarter Westen gibt es jetzt einen Laden, in dem Dinge geliehen und getauscht werden können, die selten benötigt werden. Der Mitmachladen soll auch die Beziehungen der Menschen im Viertel stärken.

Stuttgart – Holzschlitten, Raclettegrill, Gitarre – es gibt einige Dinge, die man nur selten benötigt oder ausprobieren möchte, bevor man sich für einen Kauf entscheidet. Und sowieso: der Sharing-Gedanke ist schon lange wieder angesagt, kopfloser Konsum von gestern. Das passt es hervorragend, dass an der Lerchenstraße jetzt ein Laden aufgemacht hat, der Dinge zum leihen anbietet.

Leihen und Nachbarschaft stärken

Neu ist die Idee, die der Verein Teilbar vorantreibt, nicht: Bibliotheken der Dinge gibt es schon in Innsbruck, in Berlin, Leipzig, aber auch in Karlsruhe und Heidelberg. „Jedes wird vielleicht ein Neukauf gespart“, erklärt das Vereinsmitglied Tomislav Knaffl. Der Leihladen habe auch ökologische Gründe: „Gesellschaftlich versuchen wir ein neues Verhältnis zu den Dingen und uns auszuloten“, heißt es auf der Homepage.

Der Leihladen funktioniert nach dem Prinzip des Commoning, so wurde in früheren Zeiten zum Beispiel die gemeinschaftlich genutzte Dorfweide bezeichnet. „Allmende“ heißt das im Deutschen auch. Allmenden gibt es in inzwischen weltweit – „teilweise an greifbaren Orten, genauso aber auch durch Menschen, die ein gemeinsames Anliegen, die Ideen, Konzepte und Lebensentwürfe weltweit teilen“, heißt es auf der Website der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen.

Noch sind die Regale hinter Tomislav Knaffl recht leer. Foto: Caroline Holowiecki

Tauschen, teilen, leihen – der Sharing-Gedanke ist ja schon länger wieder in. Viele Menschen wollen gar nicht mehr alles selbst besitzen. Der Leihladen ist quasi eine Weiterentwicklung des Umsonstladens. Dort spenden Menschen Dinge aus ihrem Privateigentum, jemand anderes nimmt sie wieder mit, umsonst, aber eben wieder als Privateigentum. Im Leihladen bringen die Kunden die Gegenstände wieder zurück.

Der Laden hat mittlerweile Gestalt angenommen. Die massiven Metallregale sind aufgebaut. Einiges ist schon da an Sachspenden: eine Kinderschaufel, ein Holzschlitten, ein Raclettegrill, eine Akustikgitarre, ein Ventilator. „Ich würde mich freuen, wenn die Leute noch mehr Sachspenden abgeben“, sagt Knaffl.

Ein Bücherregal für Literatur

Er nimmt Waren aus vier Kategorien an. „Ich glaube, Werkzeug ist am interessantesten“, sagt er, überdies geht es um Alltagsgegenstände aus den Bereichen Haushalt, Freizeit und Kinder. Auch ein Bücherregal will der Verein dort einrichten, aus dem jeder kostenlos Literatur entnehmen kann. Kleidung will Knaffl in dem Laden aber explizit nicht verleihen.

Wer selbst Staubfänger wie Schokobrunnen oder Brotbackautomaten daheim hat, kann sie zur Eröffnung am 15. März ab 18 Uhr in die Lechenstraße 84 mitbringen. Alle Sachspenden, die eintrudeln, pflegt der Verein samt Fotos auf www.teilbar.eu ein. Wer etwas reservieren möchte, muss sich dort vorher registrieren. Jeder Teilnehmer beteiligt sich mit einem Jahresbeitrag, den er aber selbst festlegen kann. Ansonsten ist das Teilen kostenlos – nur besonders wertvolle Artikel kosten ein Pfand.

Knaffl will niemanden ausschließen, denn er will mit seinem „Mitmachladen“ auch die Beziehungen im Viertel stärken. Dafür pausiert der Architekt beruflich. Seine Koordinationsstelle im Laden finanziert für zwei Jahre lang das Bundesumweltministerium mit Klimageldern – später soll es über ehrenamtliche Helfer funktionieren. „Ein paar Freiwillige haben sich schon gemeldet“, sagt er. Bei Teilbar ist das erwünscht. Denn der Verein will die Idee des Teilens über den Laden etablieren.

Leihladen: Eröffnung am Freitag, 15. März, Lerchenstraße 84, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 – 12 Uhr und 14 – 18 Uhr

Autorin: Caroline Holowiecki

Titelbild: Unsplash/Priscilla Du Preez

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