Kunstaka: Künstler mit Herz und Seele

Ab Freitag präsentieren Studenten der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart ihre Arbeiten beim alljährlichen Rundgang. Zum Abschluss unser Reihe lassen wir einen Architekturstudent und eine Studentin der Bildenden Kunst zu Wort kommen.

Stuttgart – Vom 20. bis 22. Juli öffnet die Akademie der Bildenden Künste Stuttgart ihre Türen. Nachdem wir bereits über einige Studiengänge berichtet haben, beenden wir unsere Reihe mit zwei „Klassikern“: Bildende Kunst und Architektur.

Laura Becker, Bildende Kunst, 7. Semester

„Warum Kunst war nie eine Frage, sondern immer die Antwort.“ Laura Becker ist Künstlerin durch und durch. Sie braucht die Freiheit, das zu tun, was ihr Inspiration gibt und zwar dann, wenn sie inspiriert ist. Die Akademie der Bildenden Künste biete ihr diese Möglichkeit, sagt sie: „Jeder sucht sich hier seinen Tagesablauf selbst: Wir arbeiten in den Werkstätten an unseren Projekten, manche schon früh, manche bis spät abends.“

Feste Vorlesungen gibt es in Lauras Studiengang nur sehr wenige. Auch benotete Abgaben fallen größtenteils weg. Trotzdem arbeitet jeder der angehenden Künstler sehr gewissenhaft – aus Lust an der Arbeit, sagt Laura: „Man wacht morgens auf und ist schon getrieben – in einem positiven Sinn – und will weiterarbeiten. Druck macht man sich maximal selbst, aus Ehrgeiz.“ Außerdem habe man als Künstler später auch keine feste Abgabefristen. Die Ausstellung gibt’s dann, wenn der Künstler fertig ist.

Ein Künstlerin mit Herz und Seele

Vor ihrer Zeit an der ABK hat Laura zunächst Architektur studiert. Die vielen Abgaben und der Stress im Studium störten sie aber sehr. „Jetzt habe ich das nicht mehr.“ Die Studenten der Bildenden Kunst lernen an der Akademie zu Beginn ein paar künstlerische Grundlagen und sollen Antworten auf die Frage finden, was sie in ihrem Studium überhaupt erreichen wollen. Dann kann zwischen rund zehn verschiedenen Kunst-Kursen gewählt werden, unter anderem Malerei, Bildhauerei, Fotografie und Performance gehören dazu. „Im Gegensatz zur Kunstgeschichte schaffen wir Kunst“, erklärt die 24-Jährige.

Die Studienplätze an der Akademie der Bildenden Künste sind heiß begehrt: Auf rund 20 bis 30 Plätze kommen 300 Bewerbungsmappen, so Laura. Abgeschlossen wird das Studium regulär nach zehn Semestern mit einem Diplom. Dann können die Absolventen als selbstständige Künstler arbeiten, in Kuratorien oder als Kunstlehrer. Eine weitere Möglichkeit seien sogenannte „Residencies“, die von Stiftungen ausgeschrieben werden, erklärt die Studentin: „Da bekommt man für drei Monate einen Schlafplatz, ein Atelier und eine Summe x zum Leben. Was danach kommt, weiß man nicht.“ Das mache schon ein bisschen Angst, aber Laura könnte sich auch vorstellen, hauptberuflich Galerien oder Veranstaltungen zu organisieren. „Die Hauptsache ist, dass mir die Freiheit bleibt zu malen, wenn ich möchte.“

Wer sich von Lauras künstlerischen Fähigkeiten überzeugen will, kann einen Blick auf ihre Website werfen.

Patrick Kurzendorfer, Architektur, 8. Semester

Für Gebäude hat sich Patrick Kurzendorfer schon immer interessiert. Daher entschied er sich für ein Architekturstudium und absolvierte seinen Bachelor in Nürnberg. Für den Master zog es ihn an eine Kunstakademie. „Das Studium in Nürnberg war sehr technisch ausgelegt. Beim Master war es mir wichtig, dass es Austausch mit anderen Disziplinen gibt, mit den Designern oder den Kunststudenten. An einer Kunstakademie ist das der Fall, an der Uni hingegen ist die Kreativität begrenzt“, erklärt er.

Dass seine Wahl auf den Kessel fiel, war mehr Intuition. „Stuttgart war komplettes Neuland für mich“, erzählt der Student. In Sachen Städtebau sieht er Nachholbedarf. „Es gibt ein paar schöne Gebäude in Stuttgart, aber gerade die Neubauten sind schwierig“, erzählt er.

Schnittstelle zwischen Design und Architektur

Beim Rundgang wird Patrick seinen Hauptentwurf präsentieren, an dem er die letzten zwei Semester gearbeitet hat. „Wir haben uns mit Dachhäusern beschäftigt, also mit der Typologie Dach. Da gehen wir unter anderem der Frage nach, wie das Dach Räume und Gebäude beeinflusst“, sagt er.

Patrick hofft, dass beim Rundgang mehr Besucher auf seinen Studiengang stoßen werden. „Architektur ist für die Menge nicht einfach. Es werden hauptsächlich Pläne gezeigt und das interessiert nicht jeden“, sagt er. Ebenso befindet sich die Ausstellung im oberen Teil des Gebäudes. Mit Hilfe von Lichtinstallationen und einem Wegleitesystem soll die Ausstellung nun besser ausgeschildert werden.

Obwohl Patrick Architektur mag, stört ihn manches an seinem Job. „Die Arbeit eines Architekten ist in den meisten Büros in Deutschland sehr trocken und stark von Investoren und finanziellen Mitteln geprägt. Baukunst an sich findet zu selten statt. Das finde ich sehr schade“, sagt er. Für seinen späteren Beruf sucht er daher eine Schnittstelle zwischen Industrial Design und Architektur.

Mehr Infos zu dem Rundgang findet ihr hier.

Autoren: Lea Weinmann und Amelie Pyta

Rundgang an der AKA

Wann? Freitag ab 13-23 Uhr

Samstag und Sonntag ab 12-20 Uhr

Wo? Kunstakademie der Bildenden Künste (Am Weißenhof 1)

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