Kulturquartier: Endlich wieder richtige Konzerte in Stuttgart!

Nicht jeder will im Auto feiern. Muss man auch nicht mehr: Am Samstag eröffnet das Kulturquartier im Club Proton – mit einem besonderen Konzert der Indie-Tagträumer Eau Rouge!

Stuttgart – In Zeiten wie diesen greift man ja bekanntlich nach jedem Strohhalm. Da setzt man sich sogar in ein Auto, um endlich mal wieder ein bisschen Live-Kultur zu sehen zu bekommen und etwas gegen diese unangenehmen Entzugserscheinungen zu unternehmen. Wenn wir aber mal ehrlich sind, hilft eine Lichthupe auch nur bedingt gegen diesen Cold Turkey, der uns heimsucht, seit uns die Konzerte entzogen wurden. Es könnte also keine schönere Nachricht geben als die, dass ab Samstag wieder herkömmliche Gigs möglich sind. Ohne Auto, ohne Sound aus dem Radio. Möglich macht‘s das Kulturquartier, ein brandneues Veranstaltungskonzept, das sein Zuhause im Club Proton gefunden hat. Mitten in der Innenstadt also!

Das Kulturquartier macht 99 Menschen glücklich

Eigentlich hätte es mit dem Kulturquartier schon im März losgehen sollen, erinnert sich Veranstalter Tobias Reisenhofer, der sonst beim Kessel Festival für das Booking zuständig ist. Warum es so lang gedauert hat, müssen wir wohl niemandem sagen. Diesen Samstag ist es aber endlich soweit: Die Reihe „99 with…“ geht an den Start, kleine, feine Club-Konzerte, bei denen maximal 99 Besucher zugelassen sind. Der Hintergrund: Seit dem 01. Juni 2020 sind bestuhlte Veranstaltungen in Baden Württemberg unter 100 Personen wieder erlaubt. Nur mit Vorverkauf und erst mal ohne Abendkasse. Aber hey, das stört ja wohl kaum.

Kartenzahlung ausdrücklich erwünscht!

Tobias zumindest kann es kaum erwarten, endlich wieder das zu tun, was er am meisten mag. „Klar überwiegt da die Vorfreude“, strahlt er. „Es ist ja schließlich ein fast normales Konzert – bis auf die Bestuhlung und die allgemeinen Hygienevorschriften, an die wir uns alle ja schon im Alltag gewöhnt haben.“ Im Klartext heißt das: „Ein Mindestabstand von 1,5 Metern an Einlass, zwischen der Bestuhlung und an der Bar, Tragen von Mund-Nasen-Bedeckung am Einlass und immer wenn man seinen Sitzplatz verlässt. Sitzplatzzuweisung, Handhygiene-Möglichkeiten in den sanitären Anlagen, Kontaktpersonennachverfolgung durch Kontaktabfrage. Kontinuierliches Belüften der Räumlichkeiten, wenn möglich Kartenzahlung an der Bar.“ Er grinst. „That‘s it.“

Neueröffnung statt Schließung

Gemeinsam mit Proton-Chef Lars Kanzian hat Tobias das Konzept des Kulturquartiers entwickelt, Lars hat dann noch eine brandneue Licht- und Tonanlage draufgelegt. Wo drumherum Läden wie der Keller Klub schließen, macht hier doch tatsächlich etwas Neues auf. Kaum zu glauben eigentlich. „Wenn ich mich nicht täusche, ist das Kulturquartier die einzige 500 Personen fassende Konzertstätte in der Stuttgarter Innenstadt“, sagt Tobias. Das Universum ist da zwar schon nah dran, aber abgesehen davon hat er recht. Und wenn die City etwas brauchen kann, dann mehr Läden in dieser Größenordnung. Zumindest sobald auch wieder Veranstaltungen mit mehr Besuchern möglich sind.

Eau Rouge (Bild: Lekutte Photografie)

Eau Rouge endlich wieder live!

Jetzt geht es aber erst mal mit 99 Zuschauern los. Und einer ganz besonderen Stuttgarter Band: Eau Rouge haben in den letzten Jahren einen erstaunlichen Weg zurückgelegt. Heute gehören sie mit ihrem schwerelosen, tagträumenden Noise-Pop zu den ganz großen Vorzügen der Stuttgarter Indie-Szene. Das hat man längst auch in Deutschland und im Rest der Welt gemerkt. Doch ein solches Heimspiel, das ist aber auch für eine Band wie Eau Rouge immer was Besonderes – umso mehr natürlich in diesen Zeiten, in denen auch die drei Stuttgarter nicht auftreten konnten. Zwar haben sie hinter den Kulissen viel an neuen Songs gearbeitet; auf die Festivalsaison müssen aber auch Eau Eouge verzichten. „Umso schöner, dass wir jetzt endlich mal wieder live spielen können. Das hat uns extrem gefehlt“, berichtet Sänger Jonas Teryuco.

Jede neue Bühne in der Stadt ist mehr als Willkommen!

Und das sei nicht alles, was ihnen gefehlt hat: „Wir haben zwar auch Streaming-Konzerte gespielt, aber das ist einfach nicht dasselbe. Man spielt – und dann geht man einfach nach Hause. Wir vermissen das Rumhängen, das Kennenlernen von Leuten. Wir können es kaum erwarten, endlich wieder direkte Reaktionen auf unsere Musik zu bekommen und vor echtem Publikum zu spielen.“

Am Samstag wird es deswegen auch ein besonderes Konzert geben, bei dem das Trio erstmals auch neue Songs spielen wird. Soll ja schließlich hängenbleiben, so eine Live-Premiere in einer neuen Location. „Jede neue Bühne in der Stadt ist mehr als Willkommen“, betont Jonas. „Wir freuen uns jedenfalls riesig darauf, diesen Ort am Samstag einzuweihen.“

Hier gibt es noch Tickets: https://bit.ly/99EauRouge

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