sucker tom: Eins und Eins gibt ganz viel Wahrheit

Was eigentlich paradox klingt, macht aber ganz viel Sinn: sucker tom ist ein Instagram-Künstler, der mithilfe von Fotomanipulation ganz schön viel Wahrheit auf den Tisch packt. Damit hat er schon über 7000 Follower für sich gewonnen. Stadtkind hat den Stuttgarter zum Interview getroffen.

Stuttgart – „Ist das Kunst?“ – den nervigen Zusatz zu dieser Frage lassen wir an dieser Stelle einmal aus, denn darum geht es gar nicht. Thomas Pohl hat sich noch nicht entschieden, ob er seine Arbeit unter den Kunstbegriff fallen lässt. „Ich nenne es Fotomanipulation“, sagt der 36-jährige Grafikdesigner. Er zeichnet sich verantwortlich für sucker tom, einen Account, der aktuell mehr als 7000 Follower bei Instagram verzeichnet.

Vielleicht lassen sich die Posts auch als bildliche Wortspiele bezeichnen. Sie befassen sich mit aktuellen Themen oder dem schönen Wort Zeitgeist.

Wie ist sucker tom entstanden?

Eigentlich war die Idee, ein Modelabel zu gründen. Vor etwa fünf Jahren wollte ich ein kleines Streetwear Label mit bedruckten Shirts starten. Das habe ich sucker tom genannt, so wie jetzt auch mein Instagram-Account heißt. Deshalb ist das irgendwie eine zweigleisige Geschichte. Bei dem Label geht es meist um einfache, grafische Zeichnungen und Rasterdrucke. Bei Instagram ist es Fotomanipulation – ich mache  aus zwei Fotos ein komplett neues.

 

Und wie kam dann die Idee mit den Fotomontagen?

Ich habe gerne meine Kumpels verarscht. Zu Geburtstagen habe ich ihnen Karten gemacht und mit Photoshop beispielsweise ihre Köpfe in ganz andere Bilder gesetzt. Die fanden das immer lustig. Irgendwann bin ich bei Instagram gelandet und habe gesehen, dass es Leute dort gibt, die ganz ähnliches machen und das als Artwork vermarkten. Da dachte ich mir: „Ach komm, ich mach das auch.“

 

Woher kommt der Name sucker tom?

Keine Ahnung, aus einer Bierlaune heraus?

Du hast aktuell etwas mehr als 7000 Follower bei Instagram. Ist die Zahl stetig gewachsen oder gab es auch Meilensteine, die dir mit einem Schlag viele neue Follower beschert haben?

Sobald dich eine Art-Seite oder ein Art-Magazin verlinkt oder erwähnt, geht’s los. Du bist ständig am Aktualisieren und jedes Mal kommen mehr Follower dazu. Ich muss gestehen, ich bin instagram-süchtig geworden. Es gab aber tatsächlich einen Meilenstein, das war ‚look into my eye‘, da habe ich innerhalb von zwei Tagen etwa 800 neue Follower bekommen.

Es gab auch einen zweiten Meilenstein. Da kam einen Bericht von meinen Artworks in einem größeren Art-Magazin und wurde dann von vielen Bloggern geteilt. Mit einem Schlag kamen neue Follower und Likes hinzu. Ich hab das so aber gar nicht mitbekommen. Weil ich wissen wollte, wieso ich auf einmal so viele neue Follower habe, hab ich „sucker tom“ mal gegoogelt. Und entdeckt, dass es wirklich viele Berichte darüber gibt – auf französischen, englischen, russischen oder chinesischen Blogs sogar.

 

Ist es dir schon mal passiert, dass jemand deine Bilder geklaut hat?

Das ist ein ganz interessantes Thema, mit dem ich mich selbst auch befasse. Wenn ich eine Idee habe, dann googele ich erstmal. So checke ich, ob jemand vielleicht schon mal sowas gemacht hat. Manchmal gibt es aber auch parallel thinking – das jemand völlig unabhängig von dir auf die selbe Idee kommt. Dann einfach zu behaupten, das hat jemand geklaut und Punkt, ist scheiße. Letztens hatte ich das auch. Ich habe gedacht, jemand hat mein Bild genommen und ein bisschen verändert. Anstatt vorab zu behaupten, er hätte was geklaut, habe ich ihm einfach geschrieben, dass es cool ist, dass er auf die gleiche Idee gekommen ist wie ich. So war es dann auch.

 

Wie würdest du deine Arbeit definieren?

Weird stuff?! Da muss ich eigentlich meine Beschreibung vorlesen: „Creator of pics/animations with twists, reflective content, brainfuck or completly mindless shit.“ Aber mich jetzt als Künstler zu bezeichnen? Banksy ist ein Künstler oder aus der Musik Daft Punk. Das sind herausragende Künstler. Da bin ich nur ein kleines Fünklein.

 

Woher nimmst du deine Ideen?

Manchmal muss man sich dazu zwingen. Dann setze ich mich hin und mache Brainstorming, recherchiere über aktuelle Themen, Filmszenen, Objekte. Ich versuche das Chaos in meinem Kopf zu sortieren und Themen miteinander zu verknüpfen. Wenn ich dann eine Idee habe, setze ich mich direkt an den Computer und setzte die Idee um. Manchmal geht das recht schnell, da brauche ich keine 30 Minuten. Für das längste bisher habe ich etwa drei Stunden gebraucht.

 

Hast du einen persönlichen Favoriten aus deinen eigenen Arbeiten?

Ja, habe ich. Das hat nichts mit sucker tom zu tun, das habe ich so gemacht. Mein Skateboard-Baukasten.

Welche Ambtionen hast du mit sucker tom?

Eine eigene Ausstellung oder ein Albumcover zu gestalten, wäre ganz cool. Bisher hat mich noch keiner gefragt, aber wenn es mal so weit sein sollte, sag ich nicht nein.

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