Kommunal-
wahl: „Da geht mir das Politikherz auf“

Die Studentinnen Charlotte und Darina erklären Schülern, wie Kommunalpolitik funktioniert. Bestenfalls haben die Jugendlichen danach Bock, wählen zu gehen. Klingt nach keiner leichten Aufgabe. Wie stellen sie das an? Und bringt das überhaupt was?

Stuttgart – Charlotte Meyer zu Bexten redet schnell, fast außer Atem, wenn sie von ihrer Leidenschaft erzählt: Politik. Sich selbst nennt sie „ein bisschen nerdy“, was das angeht. Charlotte hat nicht nur Politikwissenschaften in Tübingen studiert, sie will auch junge Leute für Politik begeistern – oder zumindest erreichen, dass sie sich einmal damit auseinandergesetzt haben.

Politik ist gleich alte, weiße Männer auf Plakaten?

Die Studentin arbeitet als „Teamerin“ für die Landeszentrale für politische Bildung (LpB), die mit ihrer aktuellen Kampagne versucht, besonders die Erstwähler anzusprechen. So kurz vor der Kommunal- und Europawahl am 26. Mai haben Charlotte und ihre Kollegen ordentlich zu tun. Sie erklären, organisieren Planspiele, hüpfen von einer Schule zum nächsten Aktionstag, um den Schülern das nahe zu bringen, was viele erst einmal ziemlich öde finden: Kommunalpolitik. Urgh.

„Natürlich ist Politik auf den ersten Blick weder cool noch sexy“, gibt die 24-Jährige zu. Die meisten würden dabei direkt an alte, weiße Männer und irgendwelche Wahlplakate denken. Oft fehle in Sachen Kommunalpolitik einfach das Wissen, sagt Charlotte: „Das ist auch verständlich. Es ist ja schon kompliziert, überhaupt diesen Wahlzettel bei der Kommunalwahl auszufüllen.“

2014 ging nicht mal die Hälfte aller Bürger zur Wahl

Viele seien auch der Meinung, Kommunalpolitik sei sowieso nicht so wichtig. Charlotte kann das nicht verstehen: „Die Wahlbeteiligung ist nirgends so gering wie bei den Gemeinderatswahlen, dabei kann man da mit seiner Wahl doch noch am meisten bewegen! Ich will doch beeinflussen können, was direkt vor meiner Haustür passiert, oder? Bei der letzten Gemeinderatswahl im Jahr 2014 ging laut dem Statistischen Landesamt Baden-Württemberg nicht einmal die Hälfte aller Bürger zur Wahl.

Kompliziert, langweilig, sowieso nicht wichtig für mich – nicht gerade leichte Voraussetzungen für Charlotte und ihr Team, um Erstwähler doch zu erreichen. Ihr Geheimrezept: „Empathie und Augenhöhe“, sagt Darina Eberhardt, ebenfalls Teamerin von der LpB. Die Teamer sind alle zwischen 20 und 30 Jahre alt, alle ein bisschen politikverrückt und mit den Schülern meistens per Du. „Wir erklären nichts von oben runter und halten auch keinen Vortrag“, sagt die Studentin.

„Jeder sollte sich mal damit auseinandersetzen“

Das Ziel der Teamer sei auch nicht unbedingt, dass die Leute alle wählen gehen – „wobei das natürlich schön wäre“, ergänze Charlotte. „Grundsätzlich wollen wir aber einfach, dass man sich mit dem Thema mal auseinandergesetzt hat. Es steht einem dann ja auch frei, nicht wählen zu gehen.“

Im Gegensatz zu Charlotte, die schon seit zwei Jahren für die LpB arbeitet und damit quasi schon ein alter Hase ist, kam Darina erst im März dieses Jahres ganz frisch ins Team. In ihrer Familie – ihre Eltern kommen aus der ehemaligen Sowjetunion – wurde nie wirklich über Politik gesprochen. „Deswegen hat es auch sehr lange gedauert, bis ich mich dafür überhaupt interessiert habe“, erzählt sie. Heute hat sie einen Bachelor in Politikwissenschaft.

Nur selten sind die Teamer in Real- und Hauptschulen unterwegs

Gerade wegen ihrer eigenen Geschichte ist es Darina besonders wichtig, die jungen Menschen anzusprechen, die sonst mit Politik gar nicht in Berührung kommen. Deswegen finden es die beiden Studentinnen auch so schade, dass sie meistens in Gymnasien unterwegs sind und nur selten in Real- oder Hauptschulen. Die Schulen müssen auf die LpB zugehen und die Teamer buchen – und das machen eben hauptsächlich Gymnasien.

Charlotte und Darina sind dennoch davon überzeugt, dass ihre Arbeit etwas bringt. Natürlich wisse man nie genau, was in den Leuten vorgeht und ob sie am Ende wirklich wählen gehen oder nicht.  „Aber manchmal“, erzählt Charlotte, „kommt nach der Veranstaltung ein Schüler oder eine Schülerin zu mir uns sagt: ‚Hey, ich wollte eigentlich gar nicht wählen gehen und wusste gar nicht, um was es da geht. Aber jetzt geh ich vielleicht schon.‘ Da geht mir dann das Politikherz auf.“

Charlotte Meyer zu Bexten (links) und Darina Eberhardt. Foto: Lea Weinmann