Klinke 2019 mit Isabel Thalhäuser und anderen Highlights

Endlich wieder Klinke! In diesem Jahr startet das Merlin-Sommerfestival mit einem musikalischen Pflichttermin der anderen Art: den überwältigenden Konzertfotografien von Isabel Thalhäuser. Außerdem haben wir unsere Klinke-Highlights für euch zusammengefasst.

Stuttgart – Konzertfotografen sind echt nicht zu beneiden. Sie schleppen ihr unhandliches, schweres und sauteures Equipment in riesige Hallen oder winzige Clubs, beziehen vor der Bühne Position und sind der Gunst der Künstler ausgeliefert. Hat er Bock auf Posen? Nimmt sie Notiz von der Phalanx an Kameras? Oder ignorieren sie die erste Reihe einfach, um sich um die Fans zu kümmern? Weiß man alles immer erst, wenn es fast schon zu spät ist.

Die Klinke wird fotogen

Isabel Thalhäuser vom Online-Kulturmagazin Fragmente lässt sich davon nicht abschrecken. Unerschütterlich schultert die junge Stuttgarterin ihre Kamera und macht sich auf zu den Bühnen der Stadt. Auf vornehmlich kleineren Konzerten hält sie Momente fest, die wie atemberaubende Statuen wirken: Expressiv, ästhetisch, gerne auch mal ein bisschen düster. Eben so wie die Musik, die sie am liebsten mag. „Ich liebe Musik“, sagt sie beim Stadtkind-Treffen, „und bei Konzerten kann ich sie mit allen Sinnen erleben.“

Heute beginnt ihre Ausstellung im Rahmen der Klinke im Merlin. Und ist den ganzen August lang zu sehen: Konzertfotografien von 2016 bis 2019, allesamt entstanden im Merlin. Wir sagen: Hingehen, anschauen, staunen – und danach für ein Konzert bleiben. Denn es ist eh alles gut, was da spielt: Kaltenkirchen, Peter Muffin Trio, die Tremolettes… you name it! Vorne links an der Bühne wird dann wahrscheinlich oft Isabel stehen oder knien. Und mit einem seligen Lächeln Momente einfrieren.

Man kann meckern, dass es zu wenig Frauen auf den Bühnen gibt

Wo treibst du dich am ehesten in Stuttgart auf Konzerten herum? Mit Abstand am häufigsten im Merlin, aber auch in der Neuen Schachtel, im JuHa West, Goldmark‘s, Universum oder im InDieWohnzimmer. Und wenn die Stuttgarter Szenebezirke Esslingen und Schorndorf mitzählen, dann seien hier unbedingt noch Komma, Dieselstraße und Manufaktur erwähnt.

Wie ist dein Eindruck der Live-Szene hier vor Ort? Man kann meckern, dass es zu wenig Frauen auf den Bühnen gibt. Dass Röhre, Zwölfzehn (bald KellerKlub) fehlen. Viele Bands statt in Stuttgart in Karlsruhe oder Heidelberg spielen, weil hier entsprechende Spielorte fehlen. Oder Stuttgarter Musikerinnen nach Leipzig und Berlin wegziehen. Anstatt nur zu motzen, sollte man jedoch auch sehen, was alles auf Haben-Seite steht. Dass es hier viele gute Leute gibt, die tolle Bands und Musikerinnen in den Kessel und das nahe Umland holen. Arne Hübner, Micha Schmidt, Moritz Finkbeiner, Claudia und Holger vom InDieWohnzimmer, Reiner Bocka, Jörg Freitag.

Das beste Konzert ist immer das nächste

Welches war dein erstes geknipstes Konzert? Und welches dein letztes? Das erste Konzert, das ich mit Kamera besuchte, war The Elwins 2013 in der Manufaktur. Und das letzte Mal fotografiert habe ich beim diesjährigen Maifeld Derby. Bisher.

Das beste Konzert, auf dem du je gewesen bist? Hoffentlich das nächste.

Und warum fotografierst du in schwarzweiß? Im Zuge der Gründung von Fragmente wollten wir eine reduzierte Website, mit der auch eine abstrahierende Bildästhetik einherging. Und das ist eine, mit der ich mich sehr wohl fühle. Die Fotografien sind meist Porträts oder Halbporträts und monochrom. Der Fokus liegt auf den Künstler*innen und deren Emotionen auf der Bühne. Und durch starke Kontraste zwischen Licht und Schatten lässt sich das noch unterstreichen.

Licht und Schatten bei Annagemina

Den perfekten Moment gibt es nicht

Worauf achtest du bei deiner Konzertfotografie? Auf mein Gefühl. Ich lasse mich voll und ganz auf die Künstler*innen auf der Bühne ein, beobachte aufmerksam. Dann versuche ich, besondere Momente einzufangen. Diese zeigen sich in Mimik, Gestik, Körperhaltung, in der Art und Weise, wie Instrumente bespielt werden. Oder in der Interaktion der Bandmitglieder untereinander. Beim anschließenden Betrachten meiner Fotografien will ich den Konzertabend nachspüren können. Dann müssen die Bilder nicht zwingend knackscharf sein, dürfen rauschen, Reflektionen aufweisen oder können verschwimmen. Ich finde gerade das nicht Perfekte interessant.

Was ist das Geheimnis des perfekten Moments? Den perfekten Moment gibt es nicht, aber besondere. Wenn Musiker*innen ganz in ihrem Schaffen versunken sind, das sind die besten Momente.

Plädoyer für Selbstvergessenheit

Und wo liegen die größten Schwierigkeiten? Zum einen sind es die oft schlechten Lichtverhältnisse bei Clubkonzerten. Zum anderen bin ich nicht unsichtbar. Da ich am liebsten Clubkonzerte fotografiere, möchte ich niemanden im Publikum permanent im Weg stehen. Außerdem möchte ich auch den Künstler*innen nicht penetrant meine Kamera vor die Nase halten. Dennoch finde ich die Nähe zu selbigen wahnsinnig wichtig, um die besonderen Momente einfangen zu können. Und daher bin ich meist das halbe Konzert auf Knien unterwegs. (lacht)

Wie viele Konzerte hast du schon geknipst? Ich habe nicht gezählt. Wesentlich mehr als Hundert, weniger als Tausend.

Isabel Thalhäuser mags gern ein wenig düster

Welche Bands oder Künstler waren besonders fotogen? Die, die sich völlig in ihrer Musik verlieren. Selbstvergessenheit ist einfach wunderschön.

Und jetzt ab zur Klinke!

Die Klinke bietet den ganzen August über kostenlose Konzerte mit dem Spannendsten, was die Stuttgarter Indie-Szene gerade so zu bieten hat. Wer das Prinzip nicht kennt: Hingehen, neue Lieblingsbands entdecken, eine Spende in den kreisenden Hut geben. Und gleich am nächsten Abend wiederkommen. Machen hier alle so.

Zur Eröffnung des Klinke-Festivals am Donnerstag, 1. August, zeigt Isabel Thalhäuser eine Auswahl ihrer Konzertfotos aus dem Merlin. Los geht’s um 19.30 Uhr. Eintritt frei.

Neben der Ausstellung empfiehlt das Stadtkind diese Klinke-Highlights:

Donnerstag, 1. August: Putte & Edgar – Sie sind zu zweit. Sie sind laut. Sie haben den Beat. – Mehr Infos hier >>>

Samstag, 3. August: Swim Bird Fly – Die Stuttgarter Band um die kubanische Sängerin Barbara Padron Hernandez kreiert einen einzigartigen Klangkosmos im Spannungsfeld von fragiler Singer-Songwriter-Ästhetik, Trip Hop, Indie Rock und eskalierenden Sound-Experimenten! – Mehr Infos hier >>>

Mittwoch, 14. August: The Tremolettes – düsterer Soul, unter anderem von und mit Musiker Joscha Brettschneider – mehr Infos hier >>>

Samstag, 17. August: Future Franz – kann man nicht beschreiben, muss man sehen – mehr Infos hier >>>

Freitag, 23. August: Kaltenkirchen – Anti-Schlager aus Stuttgart/Wien von und mit Stadtkind Autor Philip!!! Mehr Infos hier >>>

Samstag, 31. August: Peter Muffin TrioJulian Knoth von den Nerven tobt sich aus – mehr Infos hier >>>

Alle Infos hier!

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