Kleine Stuttgarter Shops eröffnen wieder: Das sagen die Ladenbesitzer

Seit dem 20. April haben einige kleinere lokale Shops im Kessel wieder geöffnet. Wie ist es den Stuttgarter Ladenbesitzern in den letzten Wochen ergangen, welche Herausforderungen mussten sie meistern und wie geht es jetzt weiter? Wir haben uns mal umgehört.

Stuttgart – Ein Spaziergang durch die Stuttgarter Innenstadt fühlte sich in den vergangenen Wochen mehr als merkwürdig an. Alle Shops zu, die Straßen leergefegt, irgendwie unheimlich. Nun geht es langsam aber sicher zurück zur Normalität, nicht weniger seltsam. Nichtsdestotrotz wurde in der großen Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch die schrittweise Wiederöffnung des Einzelhandels – unter 800 Quadratmetern und strengen Auflagen – beschlossen. Wie geht es den Ladenbesitzern nun damit?

Shops sind sich einig: „Gesundheit geht vor!“

Die Schließungen der kleinen Stuttgarter Shops vor einigen Wochen waren für viele Ladenbesitzer ein großer Schock: „Ich wusste erstmal nicht, wie es weitergehen soll“, erinnert sich Sabine Braun vom Rosabraun zurück. Ähnliches berichtet Julia Rein vom Superjuju: „Die erste Woche war schrecklich. Ich konnte nachts nicht mehr schlafen, weil ich mir so viele Sorgen wegen des Geldes gemacht habe.“

Auch die Corona Soforthilfe decke bei ihr nur einen Teil der Mietkosten. Etwas Erleichterung lieferte schließlich aber das Gesetz, welches erlaubt, dass Mieten später gezahlt werden können. Trotzdem mache sie sich große Sorgen: „Weil das dann ein Berg von Schulden ist, den wir mit uns herumschleppen müssen.“

„Werden mich die Leute wieder vergessen?“

„Überlebt mein Laden das überhaupt und werden mich die Leute wieder vergessen?“, fragte sich Smilla Schülke vom Smilhus. Der Laden der 22-Jährigen war gerade erst zwei Wochen lang geöffnet, als sie ihn schon wieder schließen musste. „Es hat sich angefühlt wie ein Albtraum. Ich fragte mich, was ich hier eigentlich mache.“

Trotzdem ist man sich einig: „Gesundheit geht vor!“ Daniel Brunner vom Kaufhaus Mitte betont: „Die Maßnahmen waren alle richtig, auch wenn die Wirtschaft dadurch einen nicht absehbaren Schaden erlitten hat.“ Doch aus der Not sind viele kreative Ideen und Lösungen geboren, die neu motivieren und Mut machen. Viele Stuttgarter haben sich etwas einfallen lassen.

Onlineshops und Lieferung

Das Blossfeldt musste seine Türen zwar schließen, hat die Zeit jedoch „ganz gut gewuppt“, findet Stephanie Benzing. Durch die Zugehörigkeit zum Feinkost Böhm konnte sie eine kleinere Auswahl ihrer Blumen weiterhin an einem Stand vor deren Laden verkaufen. Somit war die Produktion im Geschäft sowie die Jobs ihrer Mitarbeiter gesichert.

Doch so viel Glück wie das Blossfeldt hatten nicht viele Läden. Auch der Schuhladen Börd von Sven Schulze musste vor gut fünf Wochen schließen. Neben all dem „Vorschriften-Wirrwarr“ kann Sven Schulze der erzwungenen Schließung trotzdem etwas Gutes abgewinnen: „Endlich konnte ich den schon lang geplanten Onlineshop in die Tat umzusetzen“. Damit habe er die Zeit gut überbrückt – und sogar neue Kunden aus Hamburg und Berlin gewinnen können.

Einen positiven Nebeneffekt gibt es auch für die Kunden von Sabine Braun. „Ich habe mich durch die Krise auch für den ‚Onlineverkauf‘ geöffnet, den ich vor Corona immer verteufelt habe, aber jetzt gerne für Rosabraun nutze!“ Sowie das Rosabraun hat auch Smilhus schnell reagiert. „Über jede einzelne Bestellung habe ich mich riesig gefreut“, sagt Smilla. Diese liefert sie selbst aus und lernt ihre Kunden so von einer ganz neuen Seite kennen, eine große Freude für die junge Shopbetreiberin.

Doch auch Onlineshops können mit dem regulären Ladengeschäft nicht mithalten und vielen inhabergeführten Läden fehlt vor allem das Ostergeschäft. „Der Superjuju-Onlineshop hat ungefähr zehn bis zwanzig Prozent unseres normalen Umsatzes eingespielt“, berichtet Julia Rein. Ihre zur Corona-Krise entworfenen Karten sind übrigens die Bestseller. Nicht nur daran merkt man, dass die Stuttgarter Bock haben, ihre liebsten Shops zu unterstützen.

Support und Zusammenhalt der Stuttgarter

Ja, der Support der Stuttgarter war und ist riesig, berichten die Ladenbesitzer. Es wurden Gutscheine gekauft, außerdem wurde viel online geshoppt und man habe über verschiedene Initiativen viel Solidarität erfahren. „Die Stuttgarter haben in dieser schweren Zeit extrem gut zusammengehalten und darauf bin ich echt stolz“, sagt Daniel Brunner. „Alle sind super solidarisch unterwegs, ein toller Support, da fehlen mir echt die Worte. Das gibt mir morgens die Motivation weiterzumachen“, beschreibt Smilla die Unterstützung für ihren Laden ohne bereits festen Kundenstamm.

Und natürlich freue man sich wieder auf die Kunden, so die Shop-Besitzer. Erstmal wird es zwar ein wenig knifflig aufgrund der Auflagen. Insbesondere weil im Laden pro Person circa 20 Quadratmeter eingerechnet werden sollten, darf man bei Sven Schulze zum Beispiel nur alleine den Laden betreten. Dafür sei eine „noch liebere Beratung“ drin: „Es wäre sensationell, wenn die Kunden bald wieder hauptsächlich offline einkaufen und in den Laden kommen.“

Schicke Markierungen, Schilder und Desinfektionsstationen

Auf ihre Kunden freut sich auch Julia im Superjuju. „Wir haben uns mit Plexiglas zugebaut, an der Kasse gibt’s Desinfektionmittel und auf dem Boden schicke Markierungen zum Abstandhalten.“ Der Blumenladen von Stephanie Benzing hat sich in den letzten Tagen ebenso einem Make-Over unterzogen. „Wir haben den Laden für mehr Bewegungsfreiheit umgeräumt, Schilder zwecks Abstand halten aufgestellt und eine Desinfektionsstation aufgebaut. Und natürlich werden alle Mitarbeiter Masken tragen“, berichtet uns Stephanie Benzing gut gelaunt am Telefon. „Es ist auf jeden Fall mehr los in der Innenstadt und die Bahnen sind auch voller.“ Doch gerade würde sie auch immer mehr Menschen ohne Maske draußen sehen: „Es wirkt schon fast wieder normal.“

Was die Zukunft bringt, weiß keiner so genau, doch entspanntes Einkaufen und Bummeln wird es wohl erstmal nicht mehr geben. Genau deshalb werden sowohl die Macher vom Rosabraun als auch ihre Einzelhandels-Kollegen „weiterhin gerne verschicken, Produkte zur Abholung bereitstellen und Ware ausfahren.“

Diese Läden haben jetzt wieder für euch geöffnet:

Abseits Germany:

Hier geht’s zum Onlineshop >>>

Geschwisterliebe:

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Smilhus:

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