Kleider-
kreisel: sowas wie Tinder?

Ist die Secondhand-Plattform Kleiderkreisel das neue Tinder? Unsere Autorin ist der Meinung: auch – zumindest, wenn es um Fetische, entmatchen und anzügliche Bilder geht. Kleiderkreisel, eine Hassliebe. 

Stuttgart – Was passiert, wenn man auf Kleiderkreisel einen Mantel verkaufen möchte? Richtig, man bekommt Nachrichten wie: „Hey, ist da am Preis noch was zu machen?“ „Wollen wir tauschen?“ oder „Kannst du mal ein Tragebild schicken?“ Und manchmal wollen Menschen aus der gleichen Stadt das Teil auch direkt abholen. Blöd nur, wenn sie sich dann plötzlich nicht mehr melden. Ghosting, aber im Kleiderkreisel-Style. Noch blöder: Wenn man später feststellt, dass man gerade kurz davor war, dem letzten Tinder-Date einen Mantel zu verkaufen. Und noch blöder: Wenn dich dieser Typ wortlos entmatcht hat – nachdem ihr etwas miteinander hattet.

Kleiderkreisel: Gummistiefel-Fetisch

Doch nicht nur beim Ghosting schenken sich Kleiderkreisel und Tinder nichts: Auch in Sachen Fetisch stößt man auf ähnlich verstörende Dinge.

Ich wollte Chucks verkaufen, getragen, aber natürlich in einem top Zustand. Daraufhin bekam ich folgende Anfrage: „Coole Schuhe fürs Festival, aber hast du auch getragene Gummistiefel?“ Weird flex, but ok.

Als ich dann investigativ das Profil des besagten Kleiderkreisel-Mitgliedes untersuchte, wusste ich: Du hättest in den letzten Jahren verdammt viel Geld hier verdienen können. Und das mit GUMMISTIEFELN! Entlarvend waren vor allem Bewertungen wie: „Alles super, viel Spaß mit meinen alten Gummistiefeln“ und Beschreibungstexte unter dem einzigen angebotenen Artikel: „Möchte gerne tauschen gegen Gummistiefel.“

Übrigens stellte sich dabei auch heraus, dass „Gabi“ eigentlich „Carsten“ heißt – Mensch, was ist denn nur mit Carsten los?

Aber Carsten ist nicht der Einzige, um den man sich sorgen sollte. Von „Kannst du mir das Kleid mal Barfuß fotografieren, aber so, dass man deine Füße komplett sieht?“ über „Ist die Unterwäsche getragen?“, treffen hier einige Vorlieben aufeinander. Ein bisschen wie im Berghain.

Tragebilder: Mehr Spiegel-Sefies als auf Tinder

Auch mit den Tragebildern ist es gar nicht so leicht. Natürlich möchten potenzielle Käufer wissen, wie das favorisierte Teil fällt, ob der Stoff Falten schlägt oder die Länge stimmt. Nur leider ist es oft so, dass man Dinge loswerden will, weil sie einem einfach nicht stehen, zu groß oder zu klein sind. Deshalb fühle ich mich beim Tragebild machen meistens eher wie:

 

via GIPHY

Es gibt sie also nicht nur auf Tinder und 9Gag – die (missglückten) Spiegelselfies. Kleiderkreisel ist voll davon – und ich zähle meine absolut dazu! Unterwäsche und Bikini-Shots inklusive.

Ein kleiner Tipp für alle, die genauso wenig Bock auf Tragebilder haben wie auf Kehrwoche: Einfach das Kleidungsstück einmal durch die Wohnung tragen und davon Bilder machen. Kommt super an – „Mitglied XY hat sie blockiert.“ Ups.

Jetzt aber mal ehrlich. Kleiderkreisel, ich mag dich – auf ’ne Art. Manchmal auch nicht, aber meistens schon. Am liebsten aber ohne Tragebilder. Und bitte merken: Flirten könnt ihr auf Tinder!

Titelbild: Unsplash/Felipe Galvan

Mehr aus dem Web