Kino für lau unter der Brücke

Die Stadtlücken haben den Österreichischen Platz schon gehörig aufgemischt. Heute startet ihr kostenloses Open-Air-Kino unter der Paulinenbrücke.

Stuttgart – In der letzten Zeit mal an der Paulinenbrücke gewesen? Also, da hat sich einiges getan. Denn wo es lange Jahre eher unangenehm, dunkel und schmuddelig war, regt sich plötzlich urbanes Leben. Dahinter steckt der Verein Stadtlücken. Und der darf noch bis Ende 2019 versuchen, den Platz mit verschiedenen Konzepten zu bespielen. Und dadurch zurückzuerobern.

Wie wollen wir leben?

Das kommt natürlich gut an. „Wir haben bislang nur positives Feedback erhalten“, freut sich Marco Zörn von den Stadtlücken. „Gerade mit neugierig schauenden Passanten auf dem Gehweg gehe ich sehr gerne ins Gespräch. Denn viele können sich noch nicht ausmalen, was hier passiert.“

Und das war schon so einiges. Erstaunlich ist dabei vor allem, was man aus einem kargen und im besten Sinne unspektakulären Parkplatz so alles herauskitzeln kann. Es wurde schon mal gevespert, regelmäßig trifft sich hier ein Chor zum Singen, Qi-Gong gab es sogar auch schon. Ab heute gesellt sich ein kostenloses Open-Air-Kino in die Versuchsreihe. Unter dem thematischen Dach „Wie wollen wir eigentlich zusammenleben?“ gibt es bis zum 16.9. insgesamt elf Filmabende. Los geht es heute mit Fatih Akins Feelgood-Knaller „Soul Kitchen“, in den nächsten Tagen wird es die Tokio-Mär „Lost in Translation“, Jim Jarmuschs neuesten Streifen „Paterson“ oder seinen Klassiker „Coffee & Cigarettes“. Und das ist nur der Anfang.

Neues Plakat für "Lost in Translation".

Kino auf dem Parkplatz

Also durchaus hochwertig und anspruchsvoll. Aber auch sehr unterhaltsam. „Wir sind auf Simon Erasmus vom Arthaus-Kino und Markus Hug von der alten Filmgarlerie 451 zugegangen“, so Marco über die jüngste Kooperation. „Schnell hat sich heraus gestellt, dass wir alle am gleichen Strang ziehen. Simon wollte schon sehr lange ein öffentliches Kino veranstalten, doch leider hatte er nie einen passend Ort dazu gefunden. Den konnten wir jetzt mit dem Österreichischen Platz bieten.“ Wer hätte das gedacht, dass es unter einer klobigen Brücke mal wunderbare Indie-Filme zu sehen geben wird?

Popcorn und Poster

Auf das Oberthema konnte man sich schnell einigen. „Denn im Kontext der angespannten Lage wollen wir damit zum Denken anregen. Und ich denke, das Open-Air-Kino wird ein wunderbarer Ort sein, an dem sich verschiedene Schichten begegnen werden.“ Der Österreichische Platz als Begegnungsstätte, in der gezielt Vorurteile abgebaut werden sollen – eine wirklich schöne Idee. „Deshalb ist der Eintritt auch frei, um jedem die Möglichkeit zu bieten, daran teilzunehmen.“

Mit Ausnahme des Montags, an dem keine Filme laufen, geht es jeden Abend um 19:45 Uhr mit einer Einführung los. „Gegen Spende gibt es Popcorn, außerdem verkaufen wir die Filmplakate zu allen gezeigten Filmen.“ Der Clou: Die Plakate wurden von jungen Künstlerinnen und Künstlern aus Stuttgart gestaltet. Getränke gibt es keine. Auch das Mitbringen eines Stuhls oder einer Decke wäre ratsam. Und nicht vergessen: Wenn der Eintritt schon frei ist, kann man auch was in den Spendenbeutel tun.

www.stadtluecken.de

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