Kann denn Liebe Sünde sein?

Der CSD ist vorbei, ein Thema bleibt: Liebe für alle. Ella Berger ist 21 Jahre alt, liebt wen sie will und findet das voll normal. Warum sie nie ein Coming Out hatte und ihre Sexualität sich nicht in eine Schublade stecken lässt, hat sie Stadtkind verraten.

Stuttgart – Liebe für alle, Kleidung für jeden? Warum soll Mann kein Kleid tragen, wenn er Bock drauf hat und wieso kann Frau nicht Frau lieben – einfach so, ohne schiefe Blicke und blöde Kommentare? Das fragt sich Ella schon lange, weil sie lebt und liebt wie sie will. Ihr Onkel sei schwul seit sie denken kann, Mama Geli wünsche ihr viel Spaß bei Dates mit Girls. Klingt eigentlich wunderbar open-minded.

Love is love

Eigentlich. Denn ganz so offen ist die Gesellschaft dann doch noch nicht. Und eine Sache nervt die 21-Jährige dabei ganz besonders: „Wenn Leute denken, ich sei nur bisexuell, weil das gerade Trend ist. Wer sucht sich denn bitte eine Sexualität aus?“ Außerdem ärgert sich die Lebenskünstlerin, die am Marienplatz Eis verkauft, über Aussagen wie die LGBT-Community würde anderen ihre Sexualität immer so aufdrängen. Auf Instagram machte sie sich kürzlich wortgewaltig Luft und bezog Stellung.

Ella ist ein offener und direkter Mensch. Und trotzdem oder gerade deshalb thematisiert sie selten, auf wen sie gerade steht oder mit wem sie zuletzt geschlafen hat. „Ich fand irgendwann Frauen scharf, genauso wie Männer – das war dann eben so“, sagt sie wie selbstverständlich. Vielleicht weil sie zur Generation der sogenannten Millennials gehört. Da würde man das alles nicht so eng sehen.

Ich war mit meiner Sexualität immer im Reinen und habe mir gesagt: Hey Ella, wenn du jetzt auf eine Frau stehst, dann ist das auch okay.

Klar, habe es eine Rolle gespielt wie sie aufgewachsen sei, dass ihr Onkel einen Mann liebe und sie schon früh Musik von David Bowie hörte. Männer, die auf Männer stehen oder sich schminken – das war dann einfach normal.

Aber gay oder nicht, das muss kein Thema sein.

Ella fing irgendwann an, mit Frauen anzubandeln. „Ich war einfach offen, habe es ausprobiert und fand es gut. Das war definitiv mehr als dichtes Rumgemache mit der besten Freundin.“

Coming out – nein Danke!

Und wie ging sie vor ihren Eltern damit um? „Ich hatte nie ein Coming Out“, betont der Musik-Nerd. „So etwas zu haben, ist doch ganz furchtbar. Irgendwann habe ich Frauen gedatet und meine Mutter hat mir viel Spaß gewünscht. Fertig. Aus.“

Es geht hier um Liebe.

Und noch etwas will Ella klarstellen: „Nur weil ich auf Frauen stehe, will ich nicht jede Frau flach legen, ich habe schon einen bestimmten Typ“, sagt sie lachend. Sie macht halt wie sie fühlt, deshalb schlief sie auch kürzlich mit einem Mann. „Warum auch nicht, wenn es passt und man sich wohlfühlt?“

Wie sich das jetzt nennt, lesbisch, bi, was auch immer – das sei doch völlig egal, findet die 21-Jährige. „Warum muss man immer alles festlegen und benennen? Du stehst auf Frauen, also bist du lesbisch? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.“

Manche Leute müssen ihre Sexualität benennen können, ich brauche das nicht.

Und auch in puncto ausleben, findet Ella: jeder nach seiner Façon. „Wer sagt, sexuelle Minderheiten würden anderen ihre Sexualität ständig unter Nase reiben, sieht das total falsch. Wir freuen uns einfach, dass wir das, was wir sind, offen ausleben und einfach sein können. Und deshalb auch zeigen. Der Aufschrei wegen dem CSD. Was soll das? Hier drückt niemand jemandem was rein.“

Gender, was ist das?

Ella geht auch das Geschlechterrollendenken auf den Keks. „Hey, du bist ein Typ, du darfst dich nicht schminken – wer hat das eigentlich beschlossen?“ In Manhattan eröffnete dieses Jahr auch ein gender-neutraler Shop, wo das Sortiment ästhetisch passend und nicht nach Geschlecht getrennt wird. So könne es weitergehen, findet Ella. „In solchen Momenten habe ich Hoffnung, dass unsere Gesellschaft auf einem guten Weg ist.“

Call me by your name

Auch immer mehr Filme zeigen nicht nur heterosexuelle Paare. Ella ist Fan von „Call me by your name“, wo es um die Liebe zweier Männer geht. „Früher fielen solche Filme in die Indie-Sparte, heute werden sie auch für den Oscar nominiert.“ Und das ist auch gut so. Denn unterm Strich geht es um Liebe und darum, dass der Mensch glücklich ist. Bestes Beispiel dafür sei nach der Stuttgarterin auch der Film „The Danish Girl“, wo es um die Geschichte des ersten Transsexuellen geht.

Jeder kann etwas zu einer offenen Gesellschaft beitragen!

Auch Schulbücher würden sich der Thematik annehmen und hin und wieder zwei Frauen oder zwei Männer als Paar darstellen. Dass Eltern sich deshalb beschweren, ist Ella ein Rätsel. „Dein Kind wird schon selbst wissen, auf wen es steht“, ist sie sich sicher. Die gesellschaftliche Denke hat also noch Entwicklungspotential. „Ich würde jetzt nicht sagen, dass es schon komplett in der Gesellschaft angekommen ist, aber es wird langsam. Neue Generationen rücken nach und ich habe Hoffnung für meine Generation.“ Und für mehr Offenheit und Toleranz muss, soll und kann nicht nur die LGBT-Community eintreten. „Du kannst dich ja auch als Hetero dafür einsetzen und du kannst auch als Mann Feminist sein. Nur weil man sich einer Gruppe nicht zugehörig fühlt, heißt das nicht, dass man nichts tun kann.“

Okay, enough is enough. I’ve been seeing pictures and posts about this subject roaming around the internet for quite some time now. Straight people telling us we’re forcing our sexualities onto them. And even I have received messages saying: “Stop talking about your sexuality all the time, you’re just doing it bc it’s a trend now.” Big fat NO! Have you ever wondered where all the queer people came from all of a sudden? Bc they were always there. Hiding. Bc they were scared to show who they are bc of people who create memes like this. We now live in a time where we’re actually able to make a change. People can finally proudly say: “Hi, I’m gay.” cause we are trying to create an environment where you can be proud and happy and carefree and simply yourself. So, no! Nobody is forcing their sexuality onto anyone, we are just trying to make a change by showing how normal it is to not only be a straight cis person. So, the next time sometime messages you saying to stop being in everyone’s face with your sexuality or that you “chose” to become this certain sexuality bc it is in fashion (still can’t believe people say this) - tell them for the last decades and centuries the straight cis society was in every queer person’s face, simply bc they thought their way of life was the only right and acceptable and normal one. People still hurt and kill themselves bc of not feeling “normal” and loved. So, kids. It’s not the lgbtq+ community that is in everyone’s face. It’s the cis and straight people who are just butthurt bc they chose to not help us make this change in our society. Thanks, bye.

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