Julian Knoth von den Nerven: Der letzte Stuttgarter

In unserer Reihe erzählen Stadtkinder, was sie an Stuttgart so lieben – und was sie so richtig nervt. Heute mit Bassist und Sänger Julian Knoth von den Nerven.

Stuttgart – Die Nerven haben vergangene Woche mit „Fake“ ein beängstigend gutes Album rausgebracht. Wer dem Hype nicht traute, der muss sich spätestens jetzt eingestehen: Max Rieger, Julian Knoth und Kevin Kuhn spielen in einer eigenen Liga. Laut, verdichtet, klaustrophobisch und voller traumatisiertem Widerhall. Ein Album wie ein psychischer Zusammenbruch. Mit Stuttgarter Schule oder unserer schönen Stadt im Kessel überhaupt hatte das schon zuvor wenig zu tun. Spätestens jetzt aber gar nix mehr.

Die Nerven: Julian allein zu Haus

Sogar aufgenommen haben die Nerven mit Guru Ralv Milberg diesmal in der Toskana. Und von den ursprünglich drei Stuttgartern bezeichnet sich mittlerweile nur noch Bassist und Sänger Julian Knoth so. Der dafür aber umso mehr: Er ist mittlerweile richtig gern in der Stadt unterwegs, sagt er, schätzt Stuttgart für den kreativen Austausch, der hier möglich ist. Nebenher verstört er in seinem Soloprojekt Peter Muffin mit einer dadaistischen Herangehensweise an schrammelnden Rock. Und bei YumYum Club… ja, da wissen wir selbst nicht so ganz genau, was er da eigentlich tut.

Was der 27-Jährige sonst so treibt, wenn er mit seinen Nerven nicht gerade kathartische Live-Erfahrungen in Schall und Rauch bietet (am 27. April 2018 in der Manufaktur Schorndorf), hat er dem Stadtkind anvertraut. Über ihre Musik reden tun ja schon genug Leute.

Die Nerven: Max Rieger, Kevin Kuhn, Julian Knoth

Wir sind keine Stuttgarter Band mehr!

Die Schönheit Zuffenhausens

Dein Beruf in eigenen Worten: Möchtegernkünstler irgendwo zwischen Musik, Text, Theater und Bildender Kunst.

Warum lebst du gern hier? Weil Stuttgart eine sehr offene und gut vernetzte Stadt mit tollen Menschen, tollen Ecken und viel kreativem Potential ist.

Der Rest der Nerven wohnt mittlerweile in Berlin. Wieso folgst du ihnen nicht? Ich kann Berlin immer nur für eine Zeit genießen und mag es auch sehr. Ich habe aber das Gefühl, dass ich dann wieder zurück nach Stuttgart muss, um meine Gedanken und Eindrücke zu sortieren.

Wo wohnst du in Stuttgart und was magst du an dieser Ecke? Ich lebe in Zuffenhausen und mag vor allem, dass ich direkt am Wald wohne und trotzdem sehr schnell in der Stadt bin. Ich glaube sogar, ich bin schneller am Hauptbahnhof als aus dem Süden! Außerdem liebe ich die Pizza bei Pizzeria da Micci. Die ist meiner Meinung nach die beste Pizza der Stadt.

Das Schönste an dieser Stadt ist…? Das oben erwähnte Netzwerk. Die tollen Menschen, die ich hier kenne. Die Natur, das Essen – und vor allem auch, dass man jederzeit eine Staffel hochgehen und die fantastische Aussicht über den Kessel genießen kann.

Ein Daueraufreger in dieser Stadt ist…? Wo soll ich anfangen? Letztendlich ist der Daueraufreger der Platz, der fehlende Freiraum. Die Mieten sind zu teuer, die Straßen zu voll – mit Autos, versteht sich. Ansonsten: Zu schlechte Luft, zu viele Einkaufszentren, der Einzelhandel verschwindet.

Stuttgart Kaputtgart

„Den Wasen abschaffen“

Was ist so richtig typisch Stuttgart? Autos.

Welche Orte in der Stadt sind besonders wichtig die die Nerven? Die meisten gibt es nicht mehr. Außerdem sind wir ehrlich gesagt keine Stuttgarter Band mehr.

Deine Lieblings-Konzertlocation? Es geht nichts über die Schachtel. Außerdem alles, was Moritz macht.

Der beste Song über Stuttgart? „Stuttgart Kaputtgart“ von Ätzer81.

Wie bist du in der Stadt unterwegs? Mit den Öffentlichen, zu Fuß und auch mit dem Rad. Autofahren empfinde ich als Hölle hier.

Was würdest du sofort ändern, wenn du OB wärst? Den Wasen abschaffen.

Was wolltest du in Stuttgart immer schon mal machen, hast es aber noch nie geschafft? Ich will schon lange mal in die Straßenbahnwelt und mit der historischen Straßenbahn fahren.

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