Jetzt ist nicht die Zeit, um nicht politisch zu sein

Auf der ganzen Welt sind und kommen immer mehr Rechtspopulisten an die Macht. Wer nicht möchte, dass das auch in Deutschland passiert, der sollte spätestens jetzt anfangen, sich gegen Rassismus, Sexismus und Co. zu engagieren. Ein Plädoyer.

Stuttgart – In den sozialen Medien stellen sich derzeit zahlreiche Prominente unter dem Hashtag #unfollowme gegen rechte Strömungen. Mit diesem Hashtag wollen sie Menschen, die rechtes Gedankengut vertreten, auffordern ihnen zu entfolgen. Initiiert wurde die Aktion von dem Verein „Laut gegen Nazis“. Sie wird unter anderem von Klaas Heufer-Umlauf, Salwa Houmsi, Fynn Kliemann und Sido unterstützt.

#Unfollowme setzt ein klares und notwendiges Zeichen

Die Aktion bekam neben positiven Reaktionen auch viel Kritik. Man solle doch nicht den Dialog abbrechen, lautet die Gegenrede. Und dass sich dadurch Rechte nur noch viel mehr radikalisieren würden. Das Argument, dass man mit Nazis reden müsse und sie nicht „alleine“ lassen dürfe, ist sehr geläufig und ich höre es sehr oft. Damit wird immer impliziert, dass Anhänger von rechten Parteien gar nicht so genau wüssten, was sie da überhaupt wählen und was sie eigentlich für Gedankengut vertreten. Ich glaube, viele wissen das sehr genau.

Mit Rechten reden? Wer sich Debatten über politische Themen in den Kommentarspalten von Facebook und Twitter durchliest, wird merken, dass die Diskussionsbereitschaft von Rechtspopulisten oft sehr zu wünschen übriglässt und man genauso gut mit einer Wand reden könnte. Wenn diskutieren nichts mehr hilft, muss man ein klares Zeichen setzen. Und ich finde, das macht die Aktion #unfollowme.

Jeder sollte Haltung zeigen

Leider sind es immer noch viel zu wenige, die sich gegen Rassismus und Co. positionieren und eine klare politische Haltung beziehen. Das gilt nicht nur für Promis, sondern für jeden von uns. „Ich interessiere mich nicht für Politik“, heißt es oft. Dieses Desinteresse an politischen und gesellschaftsrelevanten Themen können sich nicht alle leisten, sondern meistens nur diejenigen, die gewisse Privilegien (beispielsweise auf Grund ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts) genießen. Wenn man weiß und dazu sogar noch heterosexuell und männlich ist, hat man es im Leben wie etwa bei der Job– und Wohnungssuche oft prinzipiell einfacher und vor allem erlebt man in seinem Alltag keine rassistischen Anfeindungen.

Jeder sollte Haltung zeigen und für Toleranz einstehen. Rassismus, Sexismus, und Trump – das alles sind Themen, die jeden etwas angehen und es sollte im Interesse aller liegen, sie zu verändern und zu verbessern. Sich für eine offene und tolerante Gesellschaft stark machen, ist nicht nur Aufgabe derjenigen, die direkt betroffen sind.

Wie kann man sich im Alltag politisch engagieren?

Aber was kann man denn gegen den Rechtsruck beziehungsweise Rassismus unternehmen? Um sich im Alltag politisch zu engagieren, muss man nicht gleich in eine Partei eintreten. Allein schon im persönlichen Umfeld gibt es zahlreiche Möglichkeiten – man muss sich nur umsehen und informieren. Fußballvereine können sich zum Beispiel an verschiedenen Initiativen beteiligen, die sich gegen Rassismus im Fußballumfeld einsetzen. Auch in der Schule und an Universitäten gibt es Projekte, an denen sich jeder beteiligen kann. Wer wenig Zeit hat, aber dafür am Ende des Monats noch ein bisschen Geld übrig, kann davon etwas an antirassistische Projekte spenden.

Zudem ist es besonders wichtig, Betroffenen von Rassismus zuzuhören und ihnen ihre Erfahrungen nicht abzusprechen oder zu relativieren. Als beispielsweise unter dem Hashtag #metwo Menschen auf Twitter von Diskriminierungen im Alltag berichtet haben, reagierten manche mit Unverständnis („Stell dich nicht so an“) oder nach dem Motto „Rassismus in Deutschland gibt’s doch gar nicht“. Wer Zeuge von rassistischen Vorfällen wird, sollte Zivilcourage zeigen und dazwischen gehen (selbstverständlich nur, wenn man sich dabei nicht selbst in Gefahr bringt).

Auch soziale Medien wie Instagram bieten eine gute Plattform, um politisch wenigstens ein bisschen aktiv zu werden – das geht sogar ganz gemütlich von zuhause vom Sofa aus. Das Teilen einer anstehenden Demonstration kann zum Beispiel schon etwas bewirken. Zwar sind die eigenen Follower wahrscheinlich politisch eh ähnlich eingestellt wie man selbst (Stichwort „Filter Bubble“), aber vielleicht wird der ein oder andere dadurch motiviert, auch etwas zu teilen.

Und natürlich sollte man die Demos nicht nur auf Instagram posten, sondern auch hingehen und die Freunde gleich mitschleppen. Zusammen macht es viel mehr Spaß (schlechtes Wetter liefert übrigens keine gute Ausrede).

Ich glaube, wenn es sogar eine scheinbar unpolitische Sängerin wie Helene Fischer schafft, sich gegen Rassismus zu positionieren, dann schafft das jeder!

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