Influencer: Besonders oder besonders langweilig?

In den sozialen Netzwerken ist derzeit ein Trend zu erkennen: Immer mehr Influencer stellen Instagram und seine Folgen in Frage. Auch die Stuttgarterin Bele Marie plädiert für mehr Ehrlichkeit im Netz.

Stuttgart – Influencer – ob auf Instagram, Youtube oder einem eigenen Blog – gibt es heute wie Sand am Meer. Durch Social-Media-Plattformen ist ein ganz neuer Beruf entstanden, für Unternehmen eine ganz neue Form des Marketings.

Die Kritik an Social Media

Die Stuttgarterin Bele Marie ist auf Instagram aktiv, betreibt außerdem einen eigenen Blog namens „Heys and Hugs“, auf dem sie über Fashiontrends, Lifestyle-Themen und ihre Reisen schreibt. Auch wenn sie mit ihren rund 8.000 Followern auf Instagram im Vergleich zu anderen Influencern ein kleiner Fisch im Social-Media-Wasser ist, steigt ihre Reichweite.

Kürzlich hat sie mit einem Blogpost für Aufmerksamkeit gesorgt:

Nach der angepriesenen Individualität wird auf Instagram vergeblich gesucht, immer mehr wird es zu einem Einheitsbrei, man sieht den gleichen Typ Frau, die gleichen Farben und die gleichen Strategien (…). Die Vorbilder werden immer weniger und die Messages, welche vermittelt werden sollten, kreisen um die gleichen Themengebiete. Aber warum diese Entwicklung? Warum dieser Kampf?

Ihre Social-Media-Erfahrung habe sie oft zum Nachdenken gebracht, sagt sie uns im Interview. Ihr sei aufgefallen, dass es bei Instagram immer weniger um Inspirationen und den Spaß an Kreativität geht. Instagram entwickle sich immer mehr zu einer Plattform voller Neid, Egoismus und der perfekten Selbstdarstellung. Wer hat die meisten Follower? Wer hat den perfekten Beachbody?

Ist man auf Instagram noch man selbst?

Die Plattform biete zahllose Möglichkeiten, sich selbst darzustellen. „Auf Instagram kannst du ein bestimmtes Bild von dir entwickeln. Du kannst dir aussuchen, welche Art von Persönlichkeit du verkörpern möchtest“, sagt sie. Ob die Instagram-Person mit der echten übereinstimmt? Irrelevant. „Im Internet sinkt die Hemmschwelle, sich als jemand auszugeben, der man abseits von sozialen Medien eigentlich gar nicht ist.“

Das Streben nach Perfektion, das perfekte Bild, die perfekte Version seiner selbst – wahrscheinlich sei es das, was die Menschen an der App begeistert. Man kann wählen, wer man sein möchte – ist das nicht ein Traum?

Bele Marie ist bewusst, dass sie selbst Teil davon ist. Was ist ihr Weg? „Ich versuche einfach ‚real‘ zu bleiben.“ Dazu gehöre auch mal nicht perfekt abzuliefern, Fehler einzugestehen, sagt die 23-Jährige. Ihr als Bloggerin sei es wichtig, dass sie auch mal erzähle, was schlecht gelaufen ist – ohne sich gleich rechtfertigen zu müssen.

Ihr oberstes Credo: Die Darstellung ihrer Person im Netz soll mit der echten Bele übereinstimmen. „Eigentlich sollte dies der Anspruch von jedem sein, der auf Social Media aktiv ist“, betont sie.

„Es ist nur eine App.“

Und manchmal stellt sie sich eine wichtige Frage: „Was würde passieren, wenn Instagram plötzlich gelöscht werden würde?“ Für viele würde eine Welt zusammenbrechen, ist sie sich sicher. „Man muss sich über eines bewusst werden: Es ist einfach nur eine App.“ Auch der Fokus auf die Zahlen stört Bele. Klar, der Erfolg von Influencern und wie viele Menschen man mit seinem Content erreiche, ließe sich daran messen. Den ständigen Vergleich und die narzisstische Denkweise, die durch Instagram offensichtlich gefördert werden würde, kritisiert sie aber.

Der Druck, individuell zu sein

Die Blogger Daniel und Berno haben das Thema Individualität auch schon durchdacht. Die beiden Stuttgarter starteten vor einiger Zeit den Fashion- und Lifestyle-Blog „Bedan“. Das Ergebnis? Für sie komme es ganz darauf an, wie man Individualität definiert. „Möchte man wachsen, indem man sich mit einem originellen Themengebiet auseinandersetzt“, erklärt Daniel, die eine Hälfte von Bedan, „so sollte man sich überlegen, ob man auf eine interessierte Zielgruppe treffen wird.“

Aber individuell sei man andererseits schon dann, wenn man etwas unternimmt, was niemand sonst in diesem Moment gerade macht. „Die Möglichkeiten, die Instagram bietet, machen es Influencern leicht, zumindest einen Moment lang, individuell zu sein. Durch Insta-Storys kann man immer kommunizieren, wo man ist und was man tut“, so Daniel.

Der ganzen heilen Influencer-Welt hält die australische Schauspielerin und Komikerin Cleste Barber schon seit einiger Zeit den Spiegel vor. Sie kopiert auf ihrem eigenen Kanal perfekt inszenierte Instagram-Model-Bilder – mit grotesken Verrenkungen, komplett unretuschiert und vor allem mit viel Witz zeigen Barbers Bilder die ganze Absurdität der Branche.

Bele würde sich manchmal wünschen wieder zurück auf Start zu gehen.

Was mir an Instagram am meisten Spaß gemacht hat, waren die Menschen und die Inspirationen. Ich hatte meine Vorbilder, Frauen die ich spannend fand. Instagram soll Individualismus und Kreativität fördern, dieser Grundgedanke ist noch immer etwas Schönes und hat mich zu Beginn sehr fasziniert.

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