Imkern: Moritz und sein Stuttgarter Gold

Immer mehr junge Stuttgarter haben Bock auf Bienen und die Imkerei. So wie Moritz Zepter aus Stuttgart-West, der fünf Völker sein eigen nennt.

Stuttgart – Ganz idyllisch in einem Hinterhof im Westen der Stadt verbirgt sich nicht nur eine kleine, grüne Oase, sondern auch das Domizil von fünf Bienenvölkern. Im Haus nebenan wohnt Bienen-Papa Moritz Zepter. Der 29-Jährige ist gelernter Raumausstatter und arbeitet für ein Architekturbüro in der Projektsteuerung und Bauleitung. Vor ein paar Jahren wollte er autark leben, machte einen Imkerkurs und begann Bienen zu halten. Aus einem Volk wurden fünf, die mittlerweile auch in benanntem Garten vor sich hin summen und fleißig Honig produzieren. „Für mich ist das Imkern der perfekte Ausgleich“, betont er mit leuchtenden Augen.

Imkern statt Yoga

Der Jung-Imker arbeitet am liebsten ohne Schleier. „Ich mag es, wenn ich mehr Kontakt zu den Bienen habe und das, was ich da tue, auch spüre. Man arbeitet dadurch auch vorsichtiger und ist entspannter“, findet er. Und das sei nur von Vorteil. „Denn die Bienen riechen, wenn man gestresst ist.“ Und damit ist – wie so oft im Leben – keinem geholfen.

Moritz sei selbst ganz fasziniert davon, was das Imkern mit ihm anstelle. „Es ist total abgefahren – andere machen Yoga, ich gehe an meinen Bienenkasten. Danach bin ich der entspannteste Mensch überhaupt.“

Die Natur neu wahrnehmen

Das Imkern verschafft dem Stuttgarter außerdem einen Job im Grünen. „Und das finde ich super – man ist draußen, nimmt die Natur ganz anders wahr.“ Immer wieder würde er googeln, warum sich gerade an dieser oder jener Pflanze so viele Bienen versammeln. „Die Schneebeere oder auch Knallerbse ist eine super Bienenpflanze. Wer zur Zeit an einem Strauch vorbeiläuft, muss mal darauf achten – da summt es gerade ganz laut heraus.“ Das Summen sei für Moritz wie Musik. „Vor allem auch, wenn man unter Linden läuft – ganz toll.“

Süßkram und Alkohol

Wie er zum Imkern kam, verbindet Moritz mit einem speziellen Wunsch. „Ich wollte autark leben. Und was braucht man dazu: Süßkram und Alkohol – und beides geht mit Honig.“ Daraufhin habe der 29-Jährige einen Imker-Kurs gemacht, sagt er lachend. Aber natürlich sei es ihm vordergründig darum gegangen, etwas Eigenes zu erschaffen. „Ich baue auch mein Gemüse selbst an“, verrät er.

Sein Imkerkurs liegt nun sieben Jahre zurück. Damals sei das Thema Bienensterben und auch der Hobby-Imker-Hype noch nicht so präsent gewesen und, seiner Meinung nach, erst durch den Film „More than Honey“ aufgekommen.

Imkern nur ein Hipster-Trend?

Die Königin, Ammenbienen, Drohnen – Moritz philosophiert liebend gern über seine Bienenvölker. Das Thema Honig spielt bei ihm keine große Rolle, vor allem nicht wenn es um den Ertrag geht. „Ob ich jetzt zwei Kilo mehr oder weniger Honig habe, ist mir sowas von egal. Ich mache das Imkern nicht wegen des Geldes, sondern weil ich Bienenhaltung cool finde und weil es mir Spaß macht.“

Und worin Moritz so sehr aufgeht, scheint viele junge Stuttgarter zu begeistern. Die einstige Opa-Bespaßung wird zum gelebten Hipster-Hobby. Diesen Trend beobachtet Moritz jedoch wohlwollend. „Wenn es den Leuten Spaß macht, warum sollen sie es nicht mit der Imkerei versuchen.“ Den Bienen komme es schließlich so oder so zugute.

Bienen sind friedliche Tiere

Moritz ist Bienen-Fan, das steht außer Frage. Und er kann jeden nur beruhigen, der Angst hat, gestochen zu werden. „Bienen wollen Pollen und Blumen und keine Cola. Sie sind entspannt, flauschig und gemütlich.“ Bei Bienen müsse man nicht in Panik geraten. „Auf gar keinen Fall. Aggressiv sind nur die Wespen.“ Und wenn man irgendwo einen Schwarm hängen sieht, sollte man das unbedingt melden. Denn das Volk könnte sonst eingehen. „Es gibt Schwarm-Börsen im Internet oder man wendet sich einfach an einen Imker.“

Info-Veranstaltung und Imker-Kurs

Jedes Jahr bietet die Universität Hohenheim außerdem eine Veranstaltung für Jung-Imker beziehungsweise die, die es mal werden wollen, an. „Der Kurs ist immer voll. Das Thema super angesagt“, weiß Moritz. Der Imkerkurs, den der bärtige Bienen-Papa nur jedem empfehlen kann, geht übrigens immer ein Bienenjahr lang. Man würde beobachten wie sich das Volk entwickelt, wie es durch den Winter kommt und es stärken kann.

Jeder kann Imker werden

„Kursbegleitend habe ich mir ein Bienenvolk gekauft“, berichtet Moritz. Dies laufe meistens über die Vereine. „Man kann sich aber auch über Ebay-Kleinanzeigen Bienenvölker zulegen.“ Das erste Volk hatte der Hobby-Imker direkt aufgrund eines Parasits verloren. „Und dann habe ich mir nach einer zweijährigen Pause wieder eines gekauft und daraus, über Ableger, sind noch vier neue entstanden, so dass ich jetzt fünf Völker habe.“

Wo will denn eine Bienenkönigin lieber schlüpfen als hier?

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Stuttgarter Gold schmeckt nach Stuttgart-West

Am Anfang hatte Moritz übrigens alle Völker in Fellbach gehalten, weil sein Großvater dort ein großes Grundstück hat. Doch irgendwann kam in ihm der Wunsch auf: „Ich hätte meine Bienen schon gern am Haus.“ Gesagt, getan. Er siedelte die Bienen auf seinen Balkon und schließlich auch in den Garten um. „Wenn ich morgens aufwache und sehe, dass die Bienen schon aktiv sind – das ist das ultimative Glück!“ Was den Stuttgarter auch freut, ist, dass man im Honig den Stadtteil herausschmecke. Moritz will nun expandieren und neue Viertel erschließen. Gerade sei er auf der Suche nach Locations, Grundstücken, Flachdächern und so weiter.

Ihr habt Fragen an Moritz, wollt mehr über Bienen und die Imkerei wissen – und vielleicht auch ein Gläsle Honig, der nach Stuttgart-West schmeckt, kaufen?

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