„Ich mach Schluss“: Über den Mut, eine Freundschaft zu beenden

Ab sofort lassen wir Gast-Autoren zu Wort kommen. Diesmal spricht Bloggerin Bele Marie über das Ende einer Freundschaft und warum es so schwer ist, sich von Freunden zu trennen, wenn es nicht mehr passt.

Stuttgart – Wir trennen uns in unserem Leben von vielen Dingen, von unserem alten Kinderzimmer, den zu klein gewordenen Klamotten, den vertrockneten Blumen und ja, sogar von dem einst geliebten Partner. Aber die Trennung von einer Sache schwebt wie ein nicht ausgesprochener Nebel über unserem Leben: das Schlussmachen mit Freunden.

„Man kann nicht 100 Freunde gleichzeitig haben“, sagte einst meine Mutter zu mir. Ich konnte mich sehr lange nicht mit diesem Gedanken anfreunden. Es machte mich sogar eher traurig, da ich meine Freunde doch mochte und diese auf keinen Fall verlieren wollte. Doch die Realität holte mich schneller ein, als es mir lieb war und aus Vertrauten wurden (nur noch) Bekannte. Denn sind wir mal ehrlich: Wie viele Freundschaften aus dem Kindergarten sind bis heute bestehen geblieben? Wie viele Freunde haben wir aus der Schule mitgenommen? Und wie viele Freundschaftsbande zerreißen durch Distanz?

Freundschaft – eine Art Beziehung

Freundschaft ist eine Beziehung, welche wir mit einem anderen Menschen eingehen – durch einen wortlosen Vertrag. Im Kindergarten ist man vielleicht noch zu einer Person gegangen und hat gefragt: „Willst du mit mir befreundet sein?“ Das positive Feedback darauf legte sozusagen den Grundstein für die jeweilige Freundschaft. Wenn man erwachsen wird, ist das alles nicht mehr so einfach. Eine Freundschaft basiert meist auf Werten wie Loyalität, Vertrauen, Humor, Respekt und Verständnis. Diese in einem anderen Menschen zu finden ist Gold wert.

Menschen verändern sich

Doch nicht nur das Finden einer guten Freundschaft ist eine Herausforderung. Die größte Problematik entsteht dann, wenn man merkt, dass die geteilten Werte, Ziele und Eigenschaften sich verschieben – denn jeder Mensch verändert sich. Plötzlich stellt man fest, dass es einfach nicht mehr passt, dass man in der Freundschaft nicht mehr auf Augenhöhe steht oder dass man sich einfach in verschiedene Richtungen entwickelt hat. Aber wie geht man damit um?

Vor einigen Monaten war ich an diesem Punkt. Ich habe gemerkt, dass ich mit einer einst so engen Freundin nicht mehr auf einer Wellenlänge bin. Ich wollte meine Zeit und Gedanken eigentlich nicht mehr mit ihr teilen. Es fühlte sich an, als wäre sie nur eine Bekannte. Wir haben uns verändert – beide individuell aber voneinander weg. Es war kein Vertrauen mehr da und man fühlte sich nicht mehr verbunden mit der Person, welcher man früher sein Herz ausgeschüttet hat.

Eine Freundschaft beenden – aber wie?

Diese Frage hat mich einige schlaflose Nächste gekostet. Wie man eine Liebesbeziehung beendet, kennen wir aus Filmen und Büchern. “Es passt einfach nicht mehr”, “Es liegt nicht an dir”, “Ich habe jemand Neues gefunden”. Aber all die Floskeln kann man doch nicht verwenden, um eine Freundschaft zu beenden.

Es hat für mich etwas mit Respekt zu tun, eine Freundschaft zu beenden. Respekt der Zeit gegenüber und sich selbst. Solche Gespräche sind mit die unangenehmsten des Lebens aber man steht seine Frau/seinen Mann. Man spricht Dinge an, welche einen stören, man vertritt den eigenen Standpunkt und gegebenenfalls erkennt man, dass es keine “gemeinsame Zukunft” gibt – zumindest nicht zum jetzigen Moment.

Die Kunst der Selbstreflektion

Es bedarf sehr viel Mut und Überwindung diese Themen anzusprechen aber alles ist besser als Schweigen und Vorspielen. Wenn der Gegenüber ähnlich empfindet und auch die nötige Kunst der Selbstreflektion beherrscht, können durch solche Gespräche nicht nur Probleme geklärt, sondern auch Augen geöffnet werden. Wichtig dabei ist, auch selbst offen für Kritik zu sein und sich nicht vor dem eigenen Fehlverhalten zu verschließen.

Alles in allem ist das Schlussmachen mit Freunden eine wichtige Lektion, welche das Leben für uns bereithält. Es ist schmerzhaft aber dennoch wichtig, um selbstbestimmt und mutig durch das Leben zu gehen. Wir sind nicht verpflichtet, mit jedem oder „für immer“ befreundet zu sein. Man darf auch auf die eigenen Bedürfnisse hören und diese aussprechen. Das schöne ist, dass eine Freundschaft ja nie auf ewig verloren ist, man kann sich auch immer wieder neu finden und falls die Wege irgendwann einmal wieder zusammen laufen sollten, kann man das Leben auch wieder gemeinsam bestreiten.

Über die Autorin

Das ist Tabea, aber sagt bitte ‚Bele‘ zu ihr. Die Bloggerin ist 23 Jahre alt, wohnt im schönen Degerloch und veröffentlicht wöchentlich neue Beiträge auf ihrem Blog Heys and Hugs. Bele findet man vor allem zwischen Second Hand Shops, einem guten Café Latte und dem ein oder anderen Konzert im stuttgarter Alltag. Stuttgart ist für sie ein Ort zum nach Hause kommen, es ist gemütlich und besitzt die perfekte Balance aus Großstadttumult und Kleinstadtcharme.

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