Ich bestimme, wie schmerzhaft eine Trennung ist

„Ach, dann ging das mit euch also gar nicht so lange?“, fragt eine Kollegin. „Fünf Monate etwa“, antworte ich. „Ach so, naja, dann ist es doch nur halb so schlimm.“ Nein. Ist es nicht. Unsere Gastautorin sagt: Wie schmerzhaft eine Trennung ist, hat nichts mit einer Zahl zu tun.

Stuttgart – Wie anmaßend ist es, zu glauben, dass die Dauer einer Beziehung ausschlaggebend ist für den Schmerz, den ihr Ende auslöst. Es gibt viele Arten wie und noch mehr Gründe, warum Beziehungen zu Ende gehen. Man lebt sich auseinander, hat unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft oder merkt schon während der ersten Wochen des Kennenlernens, dass der „Vibe“ nicht stimmt.

Was kommt nach dem Heartbreak?

Ja, eine Trennung nach einer mehrjährigen Beziehung ist natürlich schmerzhaft. Wie könnte sie es nicht sein? Nach so einer langen Dauer kennt man den anderen in und auswendig – seine Makel, seine Stärken, was ihn einzigartig macht, seine Schlafgewohnheiten, Familie und Freunde. Zwangsläufig ist fast jeder Teil des Lebens miteinander verwoben, von den unzähligen Erinnerungen ganz zu schweigen.

Dennoch – häufig gerät man gemeinsam an den Punkt, an dem man entscheidet, dass es irgendwie nicht mehr weitergeht. Man zwar alles versucht hat, aber es nicht für die gemeinsame Zukunft reicht.

Und wenn Schluss ist, muss man auf den Heartbreak klarkommen, aber oftmals in dem Wissen oder zumindest der Hoffnung, dass irgendwo da draußen jemand ist, mit dem es besser passt. Dass man schöne Erinnerungen hatte, auf die man gemeinsam zurückblicken kann und dass es jetzt weitergeht, zwar zunächst alleine, aber dann wieder mit jemand Neuem.

Ich alleine bestimme, wie sehr mir meine Trennung weh tut

„Ja, wird schon wieder“, sage ich und lächle meine Kollegin an. Dabei möchte ich sie am liebsten fragen: „Weißt du, wie es sich anfühlt, jemanden gehen lassen zu müssen, der gerade erst in dein Leben getreten ist? Wie schmerzhaft es ist, Pläne canceln zu müssen, die man noch vor wenigen Wochen gemeinsam gemacht hat?“.

ICH alleine bestimme, wie sehr mir meine Trennung weh tut. Und das hat nichts damit zu tun, wie lange man mit jemandem zusammen war. Sondern wie intensiv die Zeit war, wie eng die Connection und wie groß die Leere, die dadurch jetzt entstanden ist. 

Ich alleine bestimme, wie sehr mir meine Trennung weh tut

Es schmerzt umso mehr, weil mich diese Trennung so unerwartet traf. Weil man gerade erst dabei war, den anderen kennen – vielleicht sogar lieben zu lernen. Weil der Cut so aus dem Nichts kam. Weil im Keim erstickt wurde, was so schön hätte werden können. Weil man sich lang genug kannte, um zu wissen, was man aufs Spiel setzt, jedoch noch nicht lange genug, als das man schon genug voneinander haben könnte.

Weil die Erkenntnis, dass eine Verbindung da war, die aber anscheinend nicht stark genug war, um es weiter zu probieren, dass einen der andere mochte, aber nicht genug, um Kompromisse einzugehen, verdammt weh tut.

Und es ist absolut legitim diesen Schmerz zu fühlen. Egal ob nach fünf Jahren oder fünf gemeinsamen Monaten.

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