Hilfe, ich bin intolerant!

Unsere Autorin Alessandra hat nie gern verzichtet, schon gar nicht auf gutes Essen. Doch plötzlich ist sie intolerant. Heute spricht sie offen über das Leben mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten und zeigt mit einem Rezept, dass es auch leckere Alternativen gibt.

Stuttgart – Verzicht war noch nie meine Stärke. Vor allem nicht, wenn es dabei ums Essen ging. Was das betrifft, war ich immer schon konsequent inkonsequent. Zumindest bis zu dem Tag, an dem mir mein Arzt diverse Lebensmittelintoleranzen diagnostizierte. Ein Erfahrungsbericht.

Eine Intoleranz kommt selten allein

Glaubte ich noch vor einem halben Jahr, ein Leben ohne Teigwaren oder Käse sei sinnlos, wurde ich in den letzten Monaten eines Besseren belehrt. Toleranz sollte von nun an nur noch in anderen Bereichen meines Lebens eine Rolle spielen – nicht aber im Hinblick auf meine Ernährung.

Wenn schon intolerant, dann richtig. Das dachte sich wohl auch mein Körper und kam gleich mit mehreren Unverträglichkeiten auf einmal ums Eck: Gluten, Laktose, Histamin. Als wäre eine Intoleranz nicht genug, minimierte sich mein Nahrungsmittel-Repertoire also von einem Tag auf den anderen maximal.

Aus „Ich bin mal eben im Supermarkt“ wurden stundenlange Inspektionen. Etikett für Etikett bahnte ich mir den Weg durch die Regale. Prüfte jedes Lebensmittel feinsäuberlich auf unverträgliche Inhaltsstoffe. Und stellte dann meist ernüchtert fest, dass auch dieses Produkt ab sofort nicht mehr auf meinen Speiseplan gehörte. Tschüss eingelegte Cornichons, Adieu geliebter Dijon-Senf – Hallo Kartoffel.

Jahrelange Ungewissheit

Während sich Laktose-, Fructose- und Glutenintoleranz mittlerweile weitestgehend bester Bekanntheit erfreuen, ist das Bewusstsein für Histaminunverträglichkeit noch gering. Die Liste der Symptome ist allerdings lang. Der Weg zur Diagnose – noch länger. Denn auf den ersten Blick werden die Beschwerden der Patienten nicht zwingend mit ihrer Ernährung in Verbindung gebracht. So kommt es nicht selten zu Fehldiagnosen und jahrelanger Ungewissheit.

Paradebeispiel Histaminintoleranz: Ursachen & Symptome

Zurück zu den Symptomen, die da lauten: Migräne, chronische Müdigkeit, Konzentrations- und Schlafstörungen, Vergesslichkeit, Schwindel, Schluckbeschwerden, starke Übelkeit, ständige Bauchschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Herzrasen, Erröten im Gesicht, Nesselsucht bzw. Hautprobleme und nicht zuletzt sogar Autoimmunerkrankungen oder Depressionen.

Als Ursache sehen Experten die Schädigung der Darmschleimhaut. Diese kann unter anderem durch hochgezüchtete Lebensmittel, eine ungesunde Lebensweise (wenig Schlaf, viel Stress und übermäßigen Konsum von Zucker/Fertigprodukten/Alkohol) oder Antibiotika hervorgerufen werden.

Das Resultat: Unser Körper kann bestimmte Lebensmittel nicht mehr – wie einst von Mutter Natur vorgesehen – aufnehmen. Im Falle einer Histaminintoleranz werden histaminhaltige Nahrungsmittel wie Wein, Käse oder Tomaten also nicht mehr ordnungsgemäß verarbeitet.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei dem Verdacht auf eine Intoleranz empfiehlt es sich, einen Arzt, Heilpraktiker oder Ernährungsberater aufzusuchen, der sich auch tatsächlich mit dieser Thematik auskennt. Das mag banal klingen, ist meinen Erfahrungen zufolge in der Praxis jedoch gar nicht so einfach. Bestätigt dieser dann eine oder gleich mehrere Lebensmittelunverträglichkeiten, geht es erst richtig los.

In einem ersten Schritt widmet sich der Patient der Identifikation der unverträglichen Lebensmittel mithilfe eines Ernährungstagebuchs. In diesem werden alle Mahlzeiten und Getränke und schließlich die jeweiligen Symptome festgehalten. In Schritt zwei wird auf alles verzichtet, was auf der Liste der unverträglichen Lebensmittel Rang und Namen hat.

Auszeit für den Körper

Die Empfehlungen bezüglich der Dauer dieser Phase schwanken. Manche sagen zwei, andere wiederum vier Wochen. Wichtig ist, dass sich der Körper eine Auszeit nehmen kann. Bei all dem Verzicht sollte man jedoch immer auch darauf achten, dass die Ernährung nicht zu einseitig wird.

In Phase drei folgt dann meist eine Aufbaukur der Darmflora mithilfe eines Probiotikums. (Histaminler aufgepasst: Viele der Präparate enthalten histaminhaltige Stämme). Ob, wann und wie die Chancen einer vollständigen Regeneration bzw. Heilung stehen, kann derzeit allerdings noch keiner so genau sagen.

Zeit für ein Fazit

Die Umstellung war mühsam, aber heute denke ich: Es hat sich gelohnt. Denn ich esse nicht nur bewusster, sondern achte auch im Alltag – und das nicht nur bei Nahrungsmitteln, sondern auch bei der Wahl von Kosmetika oder Wasch- und Putzmitteln – mehr denn je auf Umwelt- und (Haut-)Verträglichkeit. Ich bin sensibler für Themen wie Nachhaltigkeit, Ernährung und Gesundheit geworden und bringe mir und meinem Umfeld wieder die verdiente Aufmerksamkeit entgegen. Und das kann doch so schlecht nicht sein.

REZEPT: Frühstücksbrei (vegan, glutenfrei, histaminarm, laktosefrei, ohne raffinierten Zucker)

Für den Brei:

  • 1 Tasse Hirse
  • 2 Tassen Mandel- oder Reismilch (je nach Geschmack)
  • 2 Teelöffel braunes Mandelmus
  • Früchte je nach Geschmack und Verträglichkeit, z.B. Passionsfrucht, Apfel oder Heidelbeeren

Für das Topping:

  • Handvoll grobgehackte Mandeln
  • Kokosflocken
  • Früchte

So geht’s:

Die Hirse waschen, in einem Topf mit der Mandel- bzw. Reismilch kurz aufkochen und etwa 10 Minuten lang köcheln lassen. Anschließend für weitere 10 Minuten mit geschlossenem Deckel quellen lassen. Das Mandelmus und die Früchte unterrühren. Die restlichen Zutaten als Topping obendrauf – fertig!

Mehr Tipps, Insiderwissen und Einblicke in und rund um das Thema Ernährung findet ihr auf meinem Blog, den ich mit meiner Freundin Leonie bespiele – frominsight.de!

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One thought

  1. Hallo Alessandra Coronato,ich lese Ihren Bericht mit großem Interesse und ständigem Wiedererkennen. Seit mittlerweile 12 Jahren ernähre ich mich nach ärztlicher Diagnose – Zöliakie – sehr diszipliniert ohne Gluten, ohne Histamin und mit wenig Laktose.
    Und ich habe eines gelernt : wir Zölis leben enorm gesund. Gesünder als die Mehrheit der Bevölkerung, die sich der Lebensmittelindustrie unterwirft, die zumeist Lebensmittel voller unnötiger Zusatzstoffe auf dem Markt anbieten. Da wir zuhause alles frisch zubereiten umgehen wir sämtliche Fertigprodukte, kochen und leben nach Paleo. Genießen Sie es ! Alles Gute und liebe Grüße, Barbara Seid

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